Schwermetall für das Orchester
Heavy Metal Band trifft Symphonie Orchester. Die vier Herren von „Metallica“ haben sich mit den Klassikern aus San Francisco (USA) zusammengetan und das Album „S&M2“ aufgenommen. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit dem Gitarristen Kirk Hammett, 57, aber nicht nur über diese Arbeit, sondern auch über das bevorstehende Band-Jubiläum sowie die Magie des Surfens gesprochen.
Herr Hammett, wie ist derzeit Ihre Beziehung zu den Kollegen?
Wir sind wie Brüder. Im Grunde ist damit alles erklärt. Wir lieben uns, wir hassen uns, wir sind aneinandergekettet. Wir wissen, dass es so ist, und wir wehren uns nicht dagegen.

Im nächsten Jahr feiern Sie 40 Jahre „Metallica“. Was bedeutet Ihnen dieses Jubiläum?
Das Jubiläum ist ein Meilenstein und ein wichtiger Grund, um zu feiern. In welcher Form das möglich sein wird, müssen wir abwarten. Wir alle sind uns unserer Rolle in der modernen Kultur bewusst.

Und wie sieht es mit Ihrer persönlichen Rolle aus?
In dieser Band zu spielen, das ist der Grund, warum ich auf der Welt bin. Ich glaube manchmal, das wurde von ganz oben so für mich entschieden. Ich mache in meinem Leben ganz sicher das, was ich am bes-
ten kann und beherrsche. Gott sei Dank ist das auch noch etwas, das anderen Menschen hilft, sie inspiriert und freut. Zudem bin ich dankbar dafür, dass ich diese drei Burschen gefunden habe, Mann. Das Schicksal hat uns füreinander bestimmt. Dass wir nach vierzig Jahren, okay, fast vierzig Jahren, nach wie vor vereint sind, ist einfach nur wundervoll.

Hatten Sie immer den Wunsch, ein zweites „S&M“-Album zu machen?
Die ersten Shows im Jahr 1999 waren ein reines Vergnügen, und es war wunderbar, mit dem Dirigenten Michael Kamen zu arbeiten. Michael ist 2003 gestorben, ein bisschen ist die Neuauflage auch zu seinen Ehren entstanden. Letztlich fügte sich alles zusammen: Die Anfrage, zur Eröffnung der neuen Multifunktionshalle in San Francisco mit dem Symphonie Orchester zu spielen, traf auf unsere Überlegungen, wie großartig es doch wäre, noch einmal mit solchen Musikern aufzutreten. Weil sich in den vergangenen zwanzig Jahren die Technik verbessert hat, ist das Klangerlebnis heute einmalig. Es ist klarer und lässt den Zuhörer besser „Metallica“ vom Orchester unterscheiden. Ich habe vor den Aufnahmen auch ganz schön viel geübt, um mit den klassischen Musikern mithalten zu können (lacht).

Sie sind ein begeisterter Surfer und leben mit Ihrer Frau und den beiden zwölf und 14 Jahre alten Söhnen nicht nur in der Nähe von San Francisco, sondern Sie verbringen viel Zeit auf Hawaii. Gibt es für Sie eine direkte Verbindung zwischen Surfen und Gitarre spielen?
Absolut. Beides lässt mich zur Ruhe kommen und sorgt dafür, dass ich mich nur auf den Moment konzentriere. Das Surfen ist für mich die perfekte Möglichkeit, mit Ende 50 noch Adrenalinhochs zu erwischen. Und das alles in engster Verbundenheit mit der Natur. Auf dem Brett bin ich mit jeder Faser meines Körpers bei mir.

Und mit der Gitarre?
Mein Spiel auf der Gitarre ist wie der Spiegel in meine Seele. Es beruhigt mich – selbst wenn ich die Gitarre richtig kreischen lasse. So war das schon, als ich noch ein kleiner Bub war und anfing, Gitarre zu spielen.

Hatten Sie es nötig, beruhigt zu werden?
Ich hatte eine komplizierte Kindheit, und als Teenager litt ich unter psychischen Problemen. Viele Dinge in meinem Kopf ergaben einfach keinen Sinn. Aber mit der Gitarre konnte ich die Stimmen in meinem Kopf zur Ruhe bringen und mir insgesamt einen Reim auf die Welt machen. So ist das bis heute geblieben.