Baustopp für Gasleitung "Nord Stream 2"?
Nach dem Giftanschlag auf den russischen Regierungskritiker Alexej Nawalny werden Rufe nach einem Baustopp der Ostsee-Gasleitung „Nord Stream 2“ laut. Sie verläuft über mehr als 1.200 Kilometer von Russland nach Deutschland. Etwa 150 Kilometer fehlen noch. Nach ihrer Fertigstellung soll sie Erdgas für 26 Millionen Haushalte liefern. Hinter der Gasleitung steht die russische Gazprom. Die heimische OMV hat einen finanziellen Beitrag von rund 729 Millionen Euro geleistet.
JA:
Thomas Waitz,
EU-Abgeordneter (Grüne)

„Wir sind mittendrin in der Klimakrise. Die Lage ist ernst. Unsere Kinder und Enkel werden vermehrt Wetterextreme wie Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren sowie Trinkwasserknappheit und Waldbrände erleben. Sie werden nicht mehr so einfach durch die Alpen wandern wie wir, weil der Permafrost auftaut und Berge zu zerbröseln drohen. Im schlimmsten Fall werden sie vor Konflikten und Kriegen flüchten, die durch die Klimakrise verursacht werden. Wir haben weniger als zehn Jahre Zeit, eine Kurskorrektur vorzunehmen. Wieso verschwenden wir also Geld in eine Gaspipeline, die uns mehr in die Klimakrise stürzt und uns noch abhängiger macht von einem Staat, der offensichtlich nicht demokratisch handelt. Die OMV-Investitionen in ,Nord Stream 2‘ sind unwirtschaftlich und kurzsichtig, schlichtweg eine Fehlinvestition. Wir haben Alternativen und Österreich hat Potenzial. 32 Prozent stammen jetzt schon aus erneuerbarer Energie wie Windkraft oder Solarstrom. Das ist der Weg in die Zukunft. Es liegt in unserer Verantwortung, in welcher Wucht die Krise unsere Kinder und Enkel treffen wird und in welchem Zustand wir ihnen die Welt hinterlassen.“

NEIN:
Lukas Mandl,
ÖVP-EU-Abgeordneter

„Der Umgang der russischen Führung mit den Bürgerinnen und Bürgern Russlands ist ebenso zu verurteilen wie das destruktive Verhalten gegenüber Europa, vielfach ,unter der Oberfläche‘. Um Europa gegen Derartiges zu wappnen, arbeite ich im EU-Parlament im neuen Sonderausschuss mit, der sich mit Bedrohungen gegen unsere Demokratie von außen befasst. Europa braucht mehr Stärke nach außen, muss sich in Krisen selbst helfen können. Das nennt sich ,Strategische Autonomie‘. Wir müssen daran arbeiten, die Abhängigkeit von Russland und jene von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Diese Pipeline muss die letzte ihrer Art sein. Sie ist aber fast fertig. Menschliche Arbeit steckt in dem Projekt. Materielle und auch immaterielle Werte wurden geschaffen. Wir lehren unsere Kinder, nichts wegzuwerfen, was genützt werden kann. Unsere Generation sollte kein schlechtes Beispiel sein, indem wir aus politischen Gründen eine funktionierende, moderne Infrastruktur ungenutzt verrosten lassen. Dieser Ethik-Aspekt ist für mich der Hauptgrund dafür, dass ,Nord Stream 2‘ in Betrieb gehen muss.“