„Es ist schön, Liebe zu empfangen“
Sie genießt derzeit das Leben in ihrem Häuschen im englischen Oxford. Gemeinsam mit ihrem Mann Caspar Jopling und einem Vierbeiner. Die 33jährige Ellie Goulding sitzt aber nicht nur daheim herum. Sie ist in den vergangenen Monaten viel gelaufen und hat mit „Brightest Blue“ ihr viertes Album veröffentlicht. Was sich sonst noch in ihrem Leben tut, erzählte sie dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth.
Frau Goulding, Sie gelten als Sportskanone und sind auch schon einen Halbmarathon gelaufen. Haben Sie die Corona-Zwangspause genutzt, um an Ihrer Fitness zu arbeiten?
Ich bin in der Tat viel gelaufen in den vergangenen Monaten, aber die Form war schon besser. Normalerweise kombiniere ich Ausdauertraining mit ein bisschen Boxen. Ich brauche die Abwechslung. Hoffentlich macht mein Sportstudio bald wieder auf.

Fällt Ihnen schon die Decke auf den Kopf?
Nein, es geht ganz gut. Ich bin ohnehin eine eher in sich gekehrte Person, die es gar nicht so mag, viele Menschen um sich zu haben. Das Alleinsein bekommt mir in der Regel ganz gut, vor allem, wenn ich Lieder schreibe.

Ganz allein sind Sie aber nicht im Haus …
Stimmt, mein Mann ist auch hier. Caspar studiert und lernt gerade für seinen Uni-Abschluss. Tagsüber sitzt er oben am Schreibtisch, und ich bin unten im Büro. Natürlich ist es ungewöhnlich, jetzt die ganze Zeit aufeinanderzuhocken. Trotzdem leben wir friedlich und glücklich miteinander. Caspar und ich streiten tatsächlich nie, sondern diskutieren alles so lange durch, bis wir zu einer Lösung kommen (im Hintergrund ist ein Miauen zu hören).

Wer ist denn das?
(lacht) Unser Kater. „Wallace“. Er läuft einmal hierhin und einmal dorthin und unterhält uns bestens.

Ihr neues Album heißt „Brightest Blue“. „Blue“ steht im Englischen für Trübsal und Tristesse. Was bedeutet Ihnen diese Farbe?
Für mich ist Blau eine ziemlich fröhliche und lustvolle Farbe. Vor allem, wenn berücksichtigt wird, dass sie allgemein mit traurigen und depressiven Gefühlswelten in Verbindung gebracht wird. Für mich ist Traurigkeit jedoch nichts Schlechtes und nichts Negatives. Ich schlage auf dem Album häufig melancholische Töne an, aber zugleich stelle ich mich den Fragen und Verunsicherungen, die mein Leben zwar nicht beherrschen, aber doch prägen. Ich mache das Beste aus meiner Traurigkeit, denn ich wandele sie in etwas Starkes und Machtvolles um.

Wie gelingt Ihnen das?
Aus emotionalen Tiefen konnte ich mich immer gut befreien, indem ich über meine Nöte und meinen Kummer schrieb. Wenn ich meine Sorgen teile, wiegen sie für mich weniger schwer.

Im Lied „Love I‘m Given“ singen Sie davon, das Beste aus Ihren Fehlern zu machen …
Exakt. Ich habe Menschen in der Vergangenheit verletzt, ich bin auch verletzt worden, aber ich entwickelte mich weiter, ich achte besser darauf, mit wem ich mich in einem Beziehungsgeflecht verstricke. Ich habe gelernt, wie schön es ist, Liebe zu empfangen. Ich sträube mich nicht mehr dagegen, geliebt zu werden.

Wissen Sie schon, wohin Ihre erste Reise nach der Corona-Krise gehen wird?
Nein. Ich bin auf die Malediven eingeladen, um mich dort mit Umweltaktivisten über das moderne Recyclingsystem informieren zu lassen, weiß aber nicht, ob das in diesem Jahr noch etwas wird. Jetzt im Sommer fahren wir mit Freunden an die englische Küste. Das ist fürs Erste weit genug.