Der "Bubikopf" macht Frauen stark
Im Jahr 1920 veränderte ein Haarschnitt die Frisurenmode nachhaltig. Immer mehr Frauen trennten sich von ihren langen Haaren und entschieden sich für einen neuen, markanten Kurzhaarschnitt. Der „Bubikopf“ spiegelte das neue weibliche Selbstbewusstsein und modische Frauenbild der Zeit wider. Bis heute ist er eine Frisur für selbstbewusste Frauen.
Die 1920er Jahre waren wegweisend für die Gleichberechtigung der Frauen in Europa. In vielen Ländern hatten sie sich das Wahlrecht erkämpft sowie den Eintritt in die Universitäten und die Arbeitswelt. Im Jahr 1921 erhielt die erste Frau in unserem Land an der Universität Wien den Professorentitel.

Das gestärkte Selbstbewusstsein der weiblichen Hälfte der Gesellschaft zeigte sich umgehend in der Mode. Die französische Modeschöpferin Coco Chanel (1883–1971) „befreite“ die Frauen aus dem beengenden Korsett und kürzte die bodenlangen Röcke. Das Frauenbild unterlag plötzlich einem radikalen Wandel. Der moderne Frauentyp in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts war nun knabenhaft, zeigte mehr Haut und hatte in der Mode eine Vorliebe für gerade Schnitte, klare Linien und ganz allgemein weniger Stoff.

Dieser radikale Wandel machte am Kopf nicht halt. Die langen Haare der Frauen fielen immer öfter der Schere „zum Opfer“. Übrig blieb ein kurzer Schnitt, der frech und streng zugleich war. Der Bubikopf war vor einhundert Jahren der „letzte Schrei“ unter den Frauen.

Ein Schrei, der nicht verstummt ist, denn der Kurzhaarschnitt ist bis heute ein Sinnbild für Moderne, Extravaganz und ein weibliches Selbstbewusstsein. Zu den bekanntesten Trägerinnen gehörte die amerikanische Tänzerin Irene Castle. Sie war die erste, die es wagte, sich die Haare auf „Ohrläppchenlänge“ schneiden zu lassen und damit über europäische und amerikanische Kabarettbühnen zu tingeln.

In den 60er Jahren setzte sich das Fotomodell Twiggy mit stark getuschten Wimpern und Bubikopf in Szene und wurde zu einer Mode-Ikone. In den 90er Jahren begann das kanadische Fotomodell Linda Evangelista mit einem „Bubikopf“ ihre Karriere und ermutigte erneut zahlreiche Frauen, „Haare zu lassen“. Heute fehlt der Bubikopf dank der selbstbewussten Ausstrahlung, die er seiner Trägerin verleiht, in keinem Frisurenkatalog. Zu Recht, denn er ist flott, funktionell, pflegeleicht und somit eine angenehme Sommerfrisur.
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"Ein kurzer Pony setzt Akzente"
Mario Krankl, Creative Director KLIPP Fashion-Team

Ist der Bubikopf eine Frisur, die auch mit grauem Haar attraktiv aussieht?
Der Bubikopf kann von jeder Altersgruppe getragen werden. Nicht die Haarfarbe ist ausschlaggebend, ob der Schnitt oder die Form passt, sondern die Gesichtsform. Die Gesichtszüge, die Nase, das Seitenprofil und das Kinn sollten zur Frisur passen.

Passt ein Bubikopf, wenn ich eine große oder lange Nase habe?
In diesen Fällen ist eher ein Seitenscheitel zu empfehlen, weil ein Pony den Blick des Betrachters ins Zentrum des Gesichtes lenkt. Es gibt aber Menschen, die dieses „Markenzeichen“ bewusst betonen wollen. Ein kurzer Pony zum Beispiel passt sehr gut zu einer graphischen Bubi-Variante (= harte Konturen, Anm. d. Red.) und könnte ein guter Akzent sein.

Ich habe ein rundes Gesicht. Welcher Bubikopf passt mir?
Runde Gesichtszüge wirken mit zu kurzem oder voluminösem Bubi-Schnitt noch runder. Da ist Vorsicht geboten.

Wie sieht eine moderne Interpretation des Bubi-Kopfes aus?
Eine moderne Variante des Bubikopfes wäre für mich der French Bob, kurz gehalten an der Haarlinie, die Textur mit lockerer, natürlicher Bewegung, und natürlich mit Pony. Er ist entweder auffallend kurz oder ausgewachsen.
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"Der Bubikopf kann das Gesicht verschmälern"
Hannes Steinmetz, Steinmetz-Bundy Privatsalon

Zu welchem Kopf passt der Bubikopf?
Der Bubikopf ist ein Klassiker und passt runden und ovalen Gesichtern ideal. Er kann ein breiteres rundes Gesicht schmäler erscheinen lassen, und ein ovales Gesicht, das zum Kinn hin schmal wirkt, mit Fülle seitlich voller aussehen lassen. Ein Pony kaschiert eine hohe Stirn.

Worauf ist zu achten?
Für den Bubikopf ist fachmännisches Können gefordert. Bei kaum einem anderen Haarschnitt ist die Genauigkeit des Friseurhandwerkes wichtiger. Ein Bubikopf muss gut gepflegt sein, damit er tipptopp aussieht. Dazu ist es wichtig, ihn regelmäßig nachschneiden zu lassen. Am besten im Abstand von rund fünf Wochen.

Welches Haar ist am besten geeignet?
Ein Bubikopf lässt sich mit allen Haartypen gestalten. Für feine, weiche Haare ist er eine ideale Frisur. Bei vielen und festen Haaren kommt bei uns im Steinmetz-Bundy Privatsalon der „Styling-Razor“ in Aktion. Das ist eine spezielle Klinge, mit der die Menge und Länge der Haare, ohne Schere, modelliert werden. Mit dieser Technik fallen die Haare wie von selbst, weich und harmonisch fließend ineinander.

Und wenn ich Locken habe…?
Bei gelockten Haaren ist es wichtig, zuerst an den Pony zu denken. Er ist rasch glatt geföhnt, aber beim Schwitzen oder hoher Luftfeuchtigkeit locken sich die Stirnfransen sofort wieder. Das kann störend werden. Planen Sie den Effekt der Naturwelle immer mit ein. Tragen Sie Ihre gewellten Haare lieber glatt, ist eine längere Bubikopf-Variante hilfreich. Mit jedem Zentimeter Haarlänge nimmt das Eigengewicht der Haare zu und lässt sie entspannter glatt fallen.