Die Shows im Fernsehen werden immer verrückter
Wenn es um die Gunst des Fernseh-Publikums geht, lassen sich Sender allerlei Kuriositäten einfallen. Dabei kommt der gute Geschmack zuweilen abhanden. Und der Zuspruch ist ebenfalls zweifelhaft. Jetzt sucht eine Frau sogar einen Samenspender im Fernsehen.
Fast scheint es, als wollten sich die Fernsehanstalten darin übertreffen, wer die geschmackloseste Sendung hat. Da werden sogenannte Prominente in den Dschungel geschickt und müssen irgendwelche Krabbeltiere essen oder sich mit Spinnen und Schlangen herumschlagen. Das nennt sich auf RTL dann „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“.

Sat.1 will noch in diesem Jahr eine neue „Promi Big Brother“-Sendung produzieren, die sich in einem nachgebauten Schloss und dazugehörendem Kerker abspielt. Und das Publikum ist live dabei, wenn sich die männlichen und weiblichen Kandidaten zu Tode fürchten, in Tränen ausbrechen oder sich gar verlieben.

Der heimische Privatsender ATV lässt dagegen in seiner Sendung „Nacktes Österreich“ unförmige Körper durchs Bild gleiten und zeigt Frauen und Männer, wie schön es ist, Yoga im Adams-Kostüm zu vollziehen.

Den Vogel schießt jedoch der amerikanische Sender FOX ab. In der Show „Labor of Love“ lädt eine kinderlose 41jährige Frau 15 Männer zum Wettstreit darüber ein, wer sie schwängern darf. Moderiert wird die Sendung von Kristin Davis. Die 55jährige wurde durch ihre Rolle der Galeristin Charlotte York Goldenblatt in der beliebten Fernseh-Serie „Sex and the City“ bekannt. Jetzt verkörpert sie die Hausherrin von zwei Villen, in denen sich die Suche nach dem geeignetsten Samenspender abspielt.

Die Frau mit Kinderwunsch heißt Kristy Katzmann, sie ist geschieden und als Kunden-Betreuerin eines Pharmakonzerns erfolgreich. Sie weiß, dass sie mit ihrer Art, ein Kind bekommen zu wollen, aneckt. „Ich bin aber in diese Show mit der Absicht gegangen, mich in einen Mann zu verlieben, der auch eine Familie gründen möchte.“ Trotzdem fragen sich Zuschauer, wie sie es fertigbringt, in acht Folgen 15 fremde Männer zu umarmen, mit ihnen Händchen zu halten und sogar intim zu werden.

Unerfahren mit Fernseh-Produktionen ist Katzmann indes nicht. In ihren späten Zwanzigern war sie schon einmal in der Partner-Show „Bachelor“ mit dabei, als ein Mann eine Frau zum Heiraten suchte.

Dass sie mit der neuen Show Aufsehen erregen würde, ist Kristin Davis bewusst. Die Idee dazu stammt von ihr, sie ist auch Co-Produzentin. „Ich habe ‚Labor of Love‘ gemacht, um zu zeigen, dass Frauen und Männer heute verschiedene Möglichkeiten haben, Eltern zu werden“, sagt die 55jährige, die selbst unverheiratet und Mutter zweier Adoptivkinder ist. „Ich wollte Türen aufstoßen und am Status quo rütteln.“

Sie hat vor drei Jahren begonnen, die weibliche Hauptperson und die Kandidaten für ihre Show zu suchen. Interessierte Frauen meldeten sich genügend. „Es gibt viele Alleinstehende, die gern ein Kind hätten.“ Erfolgreiche Männer zu finden, war dagegen schwieriger. Stewart Gill, 40, beispielsweise, ein Anlageberater aus Kalifornien, lehnte zunächst ab. „Bei einem derartigen Unsinn wollte ich nicht mitmachen.“ Doch weil er bei Partnervermittlungs-Agenturen erfolglos geblieben ist, ließ er sich schließlich überreden.

Und da stand er dann in der ersten Folge mit den anderen Kandidaten vor der Villa, in der die beiden Frauen untergebracht sind. Gleich daneben befindet sich die zweite Villa, die für die Herren gedacht ist. Die beiden luxuriösen Anwesen befinden sich in Atlanta, im US-Staat
Georgia.

Wie die Sendung ablaufen würde, darüber wurden die Kandidaten im Unklaren gelassen. Sie staunten daher nicht schlecht, als sich ihnen Kellner näherten, die ihnen kleine Behälter überreichten. Nein, es war kein Begrüßungs-Cocktail, sondern ein leeres Glas für ihre Sperma-Probe. Um ihr Geschäft verrichten zu können, standen mobile Toiletten zur Verfügung. „Nein“, entfuhr es einem der Kandidaten, nachdem er erfahren hat, was ihm bevorsteht. Weil er sich nicht blamieren wollte, ging er aufs Klo. Wie die anderen auch.

Wenig später erschien ein Arzt und teilte allen Anwesenden vor laufenden Kameras mit, wer die höchste Spermadichte habe. Es war der Romanschreiber Alan Santini, 39, aus Südafrika.

Katzmann gibt rückblickend zu: „Es war peinlich. Für die Männer und für mich. Aber diese Burschen behaupteten, Vater werden zu wollen. Und welcher Test wäre besser gewesen? Jeden Mann, der bereit war, dies zu tun, hielt ich für ziemlich seriös. Es nahm mir die Angst davor, dass jemand aus anderen Gründen mitmachen wollte. Ich hatte befürchtet, dass sich die Hälfte von ihnen verdrücken würde. Aber alle nahmen das Samenspenden mit gutem Humor.“

Dann mussten sich die Kandidaten im Wickeln üben, die Mutter in spe beim Campen vor einem wilden Tier beschützen, das sich als Stoffbär entpuppte, und sich einem Intelligenztest unterziehen. Nach drei Folgen hat es schon einige Männer erwischt. Katzmann verabschiedet sie selbst mit knappen Worten. „Ich sehe uns nicht beim Gründen einer Familie.“

Ob sie ihren Kinderwunsch mit einem der Kandidaten umsetzen wird, wissen vorerst nur die Macher von FOX, denn die Show wurde aufgezeichnet. Wer es ist, das verraten sie selbstverständlich noch nicht. Kristy Katzmann selber ließ bereits eine Bemerkung fallen, die auf einen Volltreffer hinweist. „Ich bin super-glücklich darüber, dass alles wie geplant verlaufen ist. Ich bin nie glücklicher gewesen“, meint die 41jährige, die vor einiger Zeit ihre Eizellen einfrieren ließ. „Für alle Fälle.“