Die perfekte Welle
Wer sich dem Surfen auf Wellen verschrieben hat, findet vor den Küsten von Portugal, Frankreich und Spanien ideale Bedingungen vor. Oder er fährt einfach ins Salzkammergut nach Ebensee (OÖ), wo Max Neuböck an der Traun die größte Flusswelle Europas verwirklicht hat.
Sein Gleichgewicht verlagernd, wendet Florian Kummer sein Surfbrett und zieht dann wieder in die Gegenrichtung. Zehn Meter weit, bis er wieder das Manöver machen muss. Der junge Mann reitet auf einer Welle, befindet sich aber nicht am offenen Meer, irgendwo vor der Küste Australiens oder Portugals. Er hält sich in einer Region auf, die bisher eher für gemütliche Sommerfrische bekannt war – im Salzkammergut. Genauer gesagt auf der Traun bei Ebensee (OÖ). Dort hat Max Neuböck etwas verwirklicht, das Freunde des Wellenreitens nach Ebensee lockt. Im Mai dieses Jahres eröffnete der 27jährige die Riverwave (Flusswelle).

„Mit diesen Dimensionen ist es die größte Flusswelle Europas. Der 120 Meter lange und zehn Meter breite Ausleitungskanal aus Beton führt Wasser aus der Traun über zwei sechs und acht Tonnen schwere Stahlklappen“, ruft Neuböck am Ufer stehend seine Worte durch das Rauschen, das das tobende Wasser der Traun verursacht. „Die erste steuert die Wassermenge, die in den Kanal kommt.“ Mit der zweiten Klappe wird die Welle erzeugt. „Wenn das hereinströmende Wasser über diese zweite Klappe fließt, trifft es darunter auf ein Becken mit langsamem Wasser, wird davon reflektiert und bildet dann gewissermaßen eine Mulde, eine stehende Welle.“

Was einfach erklärt ist, war schwierig zu verwirklichen. Fünf Jahre Planung und neun Monate Bauzeit waren dafür erforderlich. „Anfangs wussten die Behörden nicht einmal genau, welche Genehmigungen für eine künstliche Flusswelle überhaupt nötig sein würden“, lacht der sympathische Unternehmer, der seit seinem 14. Lebensjahr auf dem Surfbrett steht und schon viel Erfahrung mit Flusswellen gesammelt hat, bevor er sich an das Projekt wagte. Auf 100 bis 120 Surftage auf Flusswellen jährlich ist er bisher gekommen und kennt daher die „Konkurrenz“ in der näheren Umgebung. Was die Traun-Welle aber vom Münchener Eisbach, dem Almkanal in Salzburg oder auch der „Citywave“ bei der SCS in Vösendorf (NÖ) unterscheidet: Sie ist mit zehn Metern breiter und durch Änderung der Klappen innerhalb von Sekunden in der Höhe variabel. „Von einem halben Meter bis zu eineinhalb Metern, wodurch Anfänger und Profis ideale Bedingungen vorfinden.“ Zur zweiten Gruppe gehört eindeutig Florian Kummer, der nur lobende Worte für die Ebenseer Anlage findet. „Die mit Abstand beste permanente Flusswelle, auf der ich bis jetzt gesurft bin“, schwärmt der Profi.

Bei der Einteilung der Surfkundschaft und der Zuteilung der Zeiten geht Neuböck einen entspannten Weg. Gesurft wird abwechselnd im „Radl“. Eine Person surft, bis sie vom Brett fällt, und stellt sich danach hinten wieder an. Dabei gibt es keine engen Zeitfenster wie bei anderen kommerziellen Wellenprojekten, sondern nur Tages-, Wochenend-, Wochen- und Jahreskarten. „Für die Organisation wären Zeitfenster unter Umständen besser, für die Gesamtstimmung ist das schlechter“, meint der Unternehmer, weil die Surfer dadurch nur gestresst wären.

Neuböck scheint generell äußerst stressresistent zu sein, denn sonst hätte ihm wohl die Corona-Pandemie schlaflose Nächte gekostet. Nicht nur wegen der Bauverzögerung, sondern auch wegen des Investitionsvolumens von etwa zwei Millionen Euro, das wieder verdient werden will.

Doch statt Problemen sieht Neuböck eine Chance. „Wir sind der einzige Ort in unserem Land, wo ein Surfurlaub gemacht werden kann“, sagt der 27jährige und vermutet, dass jetzt sicherlich ein paar Surfer kommen werden, die im Sommer nicht nach Portugal, Frankreich, Spanien oder Übersee fahren. „Profiteur ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber wir haben sicher Glück im Unglück.“ An das schnelle Geld denkt er ohnehin nicht.

Wenn alles nach Plan verläuft, wird sich seine Flusswelle nach 20 Jahren rechnen. Derzeit schaut es so aus, als würde es schneller gehen. „Die Auslastung ist hervorragend“, freut sich der Neuböck. „Bis zu 100 Surfer kommen jeden Tag zur Anlage.“ Dass fehlende Schönwettergarantie der Kalkulation einen Strich durch die Rechnung machen wird, glaubt der Unternehmer nicht. „Regen ist bei diesem Sport ja kein Nachteil, nass wirst du ohnehin“, zwinkert der 27jährige.

Wellenreiten auf der Traun ist erschwinglich. Tageskarten gibt es ab € 22,–, die Wochenendkarte (Freitag bis Sonntag) kostet € 66,– und die Wochenkarte (Dienstag bis Sonntag) € 120,–. Natürlich gibt es vor Ort auch Ausrüstung zum Ausleihen. So kostet ein Komplettset, bestehend aus Brett, Neoprenanzug und -schuhen € 35,– Tagesgebühr.

Über die Betriebszeiten können sich Surfer auf www.theriverwave.com informieren.