„Bob“, der Flamingo
Im karibischen Inselstaat Curaçao kennen ihn mittlerweile alle – den Flamingo mit dem Namen „Bob“. Er prallte 2016 gegen ein Hotelfenster. Fliegen kann der rosa Vogel deswegen nicht mehr. Doch dafür besucht er nun mit seiner Retterin Odette Doest, einer Tierärztin, als Artenschutzbeauftragter regelmäßig Schulklassen. Die Kinder lernen von ihm den Respekt vor der Natur.
Vor einigen Jahren fristete „Bob“ mit anderen Flamingos in einem Zoo auf Curaçao sein Dasein. Doch der rosa Vogel mochte das schnöde Leben als Touristen-Bespaßer nicht. Weshalb die Pfleger beschlossen, ihn freizulassen. „Zahme“ Tiere tun sich aber schwer mit Freiheit und Orientierung. Was auch der Kuba-flamingo „Bob“ zu spüren bekam.

Im Oktober 2016 flatterte er gegen ein Hotelfenster
und platschte schwer verletzt auf die Terrasse. Zum Glück geriet der Pechvogel an die Tierärztin Odette Doest.

„Er war damals in einem elenden Zustand und wog nur eineinhalb Kilo“, berichtet die 47jährige. Also päppelte sie den Flamingo in ihrer Artenschutzeinrichtung wieder auf. „Ich wollte ‚Bob‘ danach eigentlich wieder freilassen, doch der linke Flügel lässt sich nicht mehr ausdehnen, seine Füße sind zu steif“, erklärt die Fachfrau. „Bob“ hat nun ein anderes Leben. Mindestens ein Mal pro Woche macht er sich mit seiner Retterin im Auto auf den Weg zu Schulen und zu anderen Versammlungsorten auf der Karibikinsel. „Die Idee ist, dass sich die Kinder in Wildtiere verlieben. ‚Bob‘ ist sozusagen ein Botschafter für den Tierschutz. Es gibt aber noch immer Menschen, die glauben, ich fahre mit einem rosa Plüschtier durch die Gegend“, schmunzelt die Tierärztin. Denn obwohl Flamingos auf Curaçao heimisch sind, hat ein Großteil der Bevölkerung noch nie einen solchen Vogel aus nächster Nähe gesehen. „Wenn ‚Bob‘ mit den Flügeln schlägt“, sagt Doest begeistert, „machen die Kinder sofort Flatterbewegungen mit den Armen. So hingerissen sind sie von seiner Schönheit.“ Um sein Aussehen allein geht‘s ihr freilich nicht.

„Ich bringe ‚Bob‘ mit, damit sich die Kinder überlegen, wie schon eine kleine Veränderung ihrer Gewohnheiten große Auswirkungen auf die Natur haben kann“, erklärt die Tierschützerin. Die Insel Curaçao hat zwar eine beeindruckende Artenvielfalt über und unter Wasser, doch der Mensch hinterlässt seine Spuren.

„Alle Arten Plastik werden angeschwemmt oder bleiben liegen, auch Nylonfäden und Fischerhaken“, klagt Doest. Und als kürzlich ein Flamingoweibchen starb, nachdem es sich in einer Angelleine verfangen hatte, brachte die Tierärztin die Schnur in eine Schule und erklärte den Kindern, „Die Flamingodame war kräftig und gesund, aber weil jemand da draußen die Leine liegen gelassen hat, ist sie jetzt tot.“

An Doests Seite ist stets „Bob“, inzwischen 140 Zentimeter groß und damit auf Augenhöhe mit den staunenden Schülern. „Durch ihn bleibt meine Botschaft dauerhaft hängen“, freut sich die Tierärztin. Immerhin existieren von den farbenprächtigen Kubaflamingos nur noch 400 bis 600 Exemplare auf Curaçao. Ihr hübsches Federkleid haben die Vögel ihrer Ernährung zu verdanken.

„Die Algen und kleinen Krebse, die sie kopfüber aus dem Wasser filtern, enthalten viel Karotin. Dadurch färbt sich ihr Federkleid rosa. Je mehr sie fressen, desto rosafarbener werden sie“, erklärt die Expertin.

Flamingos bevorzugen zudem salzhaltige Seen, weil sie zu den wenigen Tieren gehören, denen Salzwasser nicht schadet – sie spucken es ja wieder aus. So haben sie auch kaum Konkurrenten um die Milliarden von Krebschen, die in seichten Gewässern heranwachsen. Ihr langer Hals dient jedoch nicht nur der Nahrungssuche, sondern auch zur Gefiederpflege.

„Durch ihn kommen sie überall problemlos heran und können sich sauber halten. Was ‚Bob‘ nach seiner Arbeit als Botschafter im eigenen Salzwasserbecken auch gerne macht“, berichtet Odette Doest. Sie schätzt sein Alter auf 16 Jahre. „In freier Wildbahn können diese Vögel bis zu 50 Jahre alt werden, in Gefangenschaft noch länger“, erklärt die Veterinärin und berichtet von einem Flamingo, der erst im stattlichen Alter von 83 Jahren verstarb. Hwie