„Avocados lassen mich jung aussehen“
Er ist derzeit in guter Stimmung. Auch wenn Jason Mraz viel zu tun hat. Denn auf seinem Gut in San Diego, im US-Staat Kalifornien, müssen die Avocados geerntet werden. Und der 43jährige Künstler schuftet von früh bis spät. Musik macht er freilich auch noch. Gerade ist sein neues Werk „Look For The Good“ erschienen. Ein beeindruckendes, Reggae-lastiges Album. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit Mraz über die Früchte seiner Arbeit gesprochen.
Herr Mraz, einen schönen guten Morgen nach San Diego. Was macht die Kunst?
Alles bestens. Aber ich bin seit sieben Uhr in der Früh mit einem Korb auf dem Rücken, in den vierzig Kilo Avocados hineinpassen, auf meinem Hof unterwegs. Die Arbeit ist anstrengend, aber einfach und macht sogar Spaß. Wir ernten immer montags und dienstags. Ich habe eine Stange dabei, mit der ich die besonders schönen Früchte direkt vom Baum pflücke, die meisten sammle ich aber einfach ein, denn wenn Avocados reif sind, fallen sie vom Baum, was praktisch ist.

Wen beliefern Sie mit Ihren Früchten?
Hauptsächlich kleine Supermärkte und Bioläden hier in der Region. Die Avocado ist ja eigentlich eine Tropenfrucht, aber in den vergangenen Jahren ist sie weltweit stark in Mode gekommen. Zum einen wird sie wirklich gut vermarktet, zum anderen ist sie tatsächlich ein ideales Nahrungsmittel. Dank ihrer Öle, Fette und Mineralien kann einem selbst dann gesundheitlich nicht viel passieren, wenn er sich ausschließlich von Avocados ernähren würde.

Sie essen aber schon auch noch andere Lebensmittel?
Natürlich. Aber zwei bis drei Avocados am Tag sind bei mir immer dabei. Deshalb sehe ich selbst mit 43 Jahren noch so unglaublich jung aus (lacht).

Wie kommt ein Musiker aus dem US-Staat Virginia eigentlich auf die Idee, sich ein Avocado-Gut in Südkalifornien anzuschaffen?
Ich war immer schon etwas verrückt. Im Jahr 2002 habe ich mir nach dem Erfolg mit meinem ersten Album und dem Hit „The Remedy“ dieses Stück Land gekauft und darauf den Hof gebaut. Was sollte ich sonst machen mit Mitte 20 (lacht). Ich war nervös, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mir das alles wirklich leisten kann. Dann hatte ich im Jahr 2008 mit dem Lied „I‘m Yours“, das ich hier in diesem Haus schrieb, einen noch viel größeren Hit, mit dessen Einkünften ich, ausgerechnet mitten in der Finanzkrise, den Kredit abbezahlen konnte. Heute bin ich überglücklich, dass ich meinem Herzen damals hierher gefolgt bin. Inzwischen kann auch meine Band hier leben, wir haben ein Studio im Garten, ich kann jederzeit kreativ sein, Lärm machen und bin mitten in der Natur.

Zuletzt haben Sie Reggae-Musik in der Natur gemacht. Was war denn der Antrieb für „Look For The Good“?
Ach, das war ein spontaner Entschluss. Ich befasse mich ja sowieso ständig mit Musik, und als ich unterbewusst ein paar Lieder schrieb, die in Richtung Reggae gingen, entschied ich, eine ganze Platte in dieser Stimmung zu machen. Die Idee war, ein besonders lebensbejahendes Album für ein besonderes Jahr, das Wahljahr 2020 (Präsidentschaftswahl in Amerika im Herbst), zu machen. Tja, und jetzt können wir Musik, die das Gute und Angenehme verstärkt, sogar noch besser und dringender gebrauchen als gedacht.

Welchen Bezug haben Sie zum Reggae?
Ich liebe Reggae seit der Mittelschule. Vor vielen Jahren habe ich das Haus von Bob Marley auf Jamaika besichtigt und hatte auch die Chance, in Kingston mit „Sly & Robbie“ zu arbeiten. Und im Live-Konzert kommt es immer super an, wenn wir unsere Lieder im Reggae-Stil spielen.

Mit dem Lied „Make Love“ haben Sie sogar eine Liebeserklärung an die gute alte Hippie-Kultur geschrieben …
Ich habe die Hippies immer bewundert. Ich kann mir Gras rauchende, nackte, freie Liebe im Einklang mit Mutter Natur auch auf meinem Hof gut vorstellen. Ich denke, ich schreibe meine Lieder bewusst aus dem Blinkwinkel eines Naivlings. Deshalb sind die meisten so positiv und voller Hoffnung. Mein Ansatz ist, jedem Menschen einen gewissen Vertrauensvorschuss entgegenzubringen. Zugleich ist es mein Bestreben, meinen inneren Frieden zu finden und darauf zu bauen, dass diese Ausgeglichenheit auch auf die Welt da draußen abfärbt.