Hilfe bei Kopf-Schwitzen
Bei lästigem Schwitzen am Kopf und im Gesicht können viele Ursachen dahinterstecken. Ist keine Krankheit schuld, die behandelt wird und den Schweiß zum Versiegen bringt, können unterschiedliche Anwendungen und Therapien Linderung bringen.
Zwei Millionen Schweißdrüsen verteilen sich über unseren Körper. Die meisten sitzen an den Händen und Fußsohlen, mit 55 Stück pro Quadratzentimeter sind es im Vergleich nur wenige am Rücken. Wird der Körper zu warm, befeuchten sie mit wässrigem Sekret die Haut. Es verdunstet und kühlt so den Körper.

Doch Schwitzen wird für viele Menschen im Laufe des Lebens zur Plage. Plötzlich rinnt der Schweiß unabhängig von Temperatur oder Aktivität und fließt in sprichwörtlichen Strömen.

Schweißnass im Gesicht oder am Kopf zu sein, ist besonders unangenehm. Das Problem ist für jeden sichtbar und lässt sich nicht kaschieren. „Im Abstand von einer halben bis zwei Stunden, bei Tag und bei Nacht, kommt eine Hitzewelle vom Kopf bis zum Unterkörper, verbunden mit einem enormen Schweißausbruch. Vom Gesicht tropft das Wasser“, schildert eine 87jährige Niederösterreicherin ihr jahrelanges Leiden und hofft auf rasche Hilfe. Doch so einfach ist das meist nicht. Die Ursachen für vermehrtes, unkontrolliertes Schwitzen sind vielfältig, geschieht es aufgrund einer dahinterliegenden Krankheit, ist es noch am ehesten in den Griff zu bekommen, erklärt der Internist Dr. Thomas Schwingenschlögl aus Wiener Neudorf (NÖ).

„Starkes Schwitzen am Kopf und im Gesicht, das häufig noch weitere Körperstellen betrifft, kann durch die Zuckerkrankheit, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Herz- und Kreislaufprobleme oder Veränderungen im Gehirn und Zentralnervensystem verursacht sein. Daher ist eine genaue internistische Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems mit einer Stoffwechsel- und Hormonanalyse im Blut wichtig.“ Deckt die Untersuchung eine ursächliche Krankheit für das Schwitzen auf, wird sie behandelt. „Starkes Schwitzen kann eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente sein wie Kortison, Beta-Blocker und Salicylsäure. Bei Frauen wird verstärktes Schwitzen durch die hormonelle Umstellung ab dem Beginn der Wechseljahre ausgelöst. Betroffene leiden dann drei bis fünf Jahre verstärkt an Schweißausbrüchen, manchmal wesentlich länger“, weiß der Mediziner. Weiters können neurologische Störungen wie das Parkinsonsyndrom und seltene Krankheiten sowie Krebsleiden vermehrtes Schwitzen verursachen.

Ob, wie stark und wie lange unsere Schweißdrüsen Sekret bilden, wird durch das innere, vegetative Nervensystem, durch Hormone, unsere psychische Verfassung und die Ernährung gesteuert. Einen Labor- oder Messwert, der klar aussagt, ob Schwitzen noch normal oder schon krankhaft ist, gibt es nicht. Normalerweise erkennt der Arzt durch die typischen, geschilderten Symptome das Krankheitsbild.

Wer von ungebremstem Schwitzen oder extremen Schwitzattacken geplagt wird, hat häufig eine generell erhöhte Bereitschaft zum Schwitzen. Nicht selten spielt bei gesunden Menschen, die ohne Grunderkrankung stark schwitzen, die Vererbung mit eine Rolle oder Stress sowie psychische Belastungen.

„Krankhaft verstärktes Schwitzen, mit oder ohne Grunderkrankung wird zusätzlich oder allein mit verschiedenen Behandlungen eingedämmt. Bei schwachen Schwitzattacken lohnt sich der Versuch mit pflanzlichen Mitteln wie Salbei, Eichenrinde, Walnussblättern oder Kampfer. Tabletten aus der Apotheke sind hierbei Tees vorzuziehen, weil sie mit einer ausreichenden Menge der wertvollen Extrakte angereichert sind“, verrät der Internist und rät Betroffenen, scharfes Essen, scharfe Gewürze, Kaffee und Alkohol zu meiden.

In hartnäckigen Fällen kommen Antitranspiranzien zum Einsatz, die Aluminiumsalze enthalten. In Arzneimitteln erreichen sie bis zu 25 Prozent. Für Anwendungen bei Gesichtsschwitzen bevorzugen Betroffene einen Deo-Schaum, -Tücher, Cremes oder Lotionen. Ihre Inhaltsstoffe „dichten“ die Schweißdrüsen ab.

Hilft das nicht, kann mit Anticholinergika, einer speziellen Medikamentengruppe, großflächiges übermäßiges Schwitzen eingedämmt werden. Ihre Wirkstoffe hemmen das Acetylcholin, dem Überträgerstoff im Nervensystem, der die Schweißdrüsen zur Produktion und Sekretion von Schweiß anregt. Leider sind Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnverhalt und Verstopfung zu befürchten.

„In schweren Fällen kann das Nervengift Botulinumtoxin A unter betroffene Hautstellen, auch an der Kopfhaut, gespritzt werden. Es lähmt die Schweißdrüsen“, erklärt Dr. Schwingenschlögl. Botox-Injektionen sind die wirkungsvollste nicht operative Therapie bei örtlich begrenzten Schwitzattacken in Handflächen, unter den Achseln oder am Kopf. Die Wirksamkeit liegt zwischen vier und sieben Monaten, doch ihr Nachteil liegt im hohen Preis der Präparate und der Schmerzhaftigkeit der Injektionen, von denen mehrere notwendig sind. Die allerletzte Karte, die Ärzte im Kampf gegen großflächiges starkes Körperschwitzen ziehen, ist das operative Durchtrennen der verantwortlichen Nerven.

„Dies ist nur in wenigen Fällen von Kopfschwitzpatienten geeignet, aufgrund der Schwere des Eingriffes und
möglicher Komplikationen. Dazu kann es passieren, dass Schweißdrüsen an anderen Stellen mit einer Überreaktion ‚antworten‘.“ Bevor dieser Schritt gewagt wird, so Dr. Schwingenschlögl, müsse jede andere Therapie zuerst angewendet werden.