Aufs richtige Pferd gesetzt
Im wahrsten Sinne des Wortes umgesattelt hat Matthias Ullmann. Sein ursprüngliches Vorhaben, auf die Universität zu gehen und zu studieren, verwarf der 18jährige, um aufs Pferd zu setzen. Der Oberösterreicher ließ sich zum Huforthopäden ausbilden und pflegt, säubert und korrigiert nun die „Fingernägel“ der edlen Reittiere.
So ist es gut. Komm, noch ein Stück. Bist ein braves Mädchen“, sagt Matthias Ullmann, 18, mit ruhiger Stimme, während er seine Stute „Rahealy“ am Halfter aus der Stallung führt. Sein Tonfall passt zum Umfeld, denn idyllisch am Waldesrand in Leopoldschlag, einer kleinen Marktgemeinde in Oberösterreich, befindet sich der Stall. Gefühlvoll nimmt er den Vorderlauf des Pferdes und beginnt, sorgsam den Huf zu säubern. Dann stellt Ullmann den Pferdefuß auf eine Art Bock und bearbeitet den Huf mit einer groben Feile. Eine Tätigkeit, mit der er nicht nur seinen Lebensunterhalt verdient.

Der junge Mann hat seine akademischen Pläne über den Haufen geworfen, um mit den Tieren zu arbeiten, die seit acht Jahren sein Leben bestimmen. „Seit meinem zehnten Lebensjahr befasse ich mich intensiv mit Pferden“, berichtet Ullmann. Mittlerweile sind drei Stuten in seinem Besitz, die er hegt und pflegt. „Meine Jungstute ‚Madonna‘ war noch kein Jahr alt, als sie eine Fehlstellung entwickelte. Ich holte mir die Meinung einer Huforthopädin ein. Sie behandelte meine Stute über Monate und ich wurde immer neugieriger und mein Interesse an diesem Beruf wuchs.“ So sehr, dass er sein Vorhaben, in Linz (OÖ) zu maturieren und Physik und Chemie zu studieren, für seine Leidenschaft verwarf. „Und ich entschied mich dazu, in Bayern (Deutschland) die Ausbildung zum Huforthopäden zu absolvieren.“ Seit Jänner arbeitet Ullmann nun selbstständig und ist einer von nur acht Huforthopäden unseres Landes.

Die Huforthopädie greift steuernd in den Hornabrieb des Hufes ein. Um einen gleichmäßigen Abrieb zu gewährleisten, werden die Hufe so bearbeitet, dass sich das Horn in weniger belasteten Bereichen schneller abreiben kann und in mehr belasteten Bereichen verzögert abgerieben wird. Damit wird verhindert, dass der Huf des Pferdes ungemütlich schief wird. Aber der Fachmann arbeitet nicht nur prophylaktisch. „Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass auch bereits schief gewordene Hufe mit Hilfe gezielter Abreibsteuerung wieder saniert werden können“, sagt der 18jährige. Dabei geht er systematisch vor. „Zuerst informiere ich mich, wie das Pferd gehalten wird. Steht es im Stall oder auf der Weide, wie oft wird es geritten, wie sehr werden die Hufe belastet, und ich hole mir einen Eindruck vom Allgemeinzustand des Tieres. Danach schaue ich mir an, wie das Pferd seine Beine abstellt. Nachdem ich den Huf, den Bewegungsablauf und den Gang analysiert habe, lege ich fest, wie die Hufe bearbeitet und gefeilt werden müssen, damit der Huf bestmöglich dem Pferd angepasst ist. Denn jedes Pferd ist individuell, auch die Behandlung richtet sich danach aus“, schildert er seine Herangehensweise. „Pferde sind keine Nutztiere mehr wie früher, als sie noch für landwirtschaftliche Tätigkeiten eingesetzt wurden, darum sollte auch diesbezüglich die Versorgung der Hufe adaptiert werden.“ Einzig, wenn ein Pferd täglich viele Stunden am Asphalt trabt, etwa bei Kutschenfahrten, ist ein Eisen- oder Klebebeschlag für Ullmann denkbar. Ansonsten gibt es für ihn viele Argumente gegen das Hufeisen.

„Der Huf wächst, das Hufeisen ist aber komplett starr. Die ‚Fühligkeit‘ wird ausgeschaltet und die Hufe werden desensibilisiert. Stellungsfehler bei Gelenken werden provoziert und es erhöht sich die Verletzungsgefahr beim Umgang mit Artgenossen.“ Als gute Alternative zum Hufeisen empfiehlt der Fachmann Hufschuhe, die etwa nach einer Eisenabnahme wertvolle Dienste leisten. Sie dienen in der Zeit der Umstellung zum Schutz und Aufbau der Hufe.

Ein bis zwei Stunden arbeitet Ullmann an den Hufen eines Pferdes. Die Kosten liegen zwischen 45 und und 65 Euro pro Behandlung. Vergleichsweise günstig, denn für das Beschlagen mit Eisen werden um die 100 Euro fällig. Hufschuhe sind ab 100 Euro erhältlich und können zwei Jahre lang verwendet werden.

Mit nur wenig Aufwand können Pferdebesitzer ihrem Tier etwas Gutes tun. „Die Hufe sollten täglich ausgekratzt und, wenn sich die Gelegenheit bietet, täglich mit Wasser gewaschen werden. Bei fauliger Blättchenschicht oder ähnlichen Fäulnisproblemen ist eine intensivere Pflege wichtig. Dazu sind aber keine teuren Öle oder Wundermittel notwendig. Täglich mindestens einmal gut auskratzen, mit Wasser und Desinfektionsmittel reinigen, das reicht in den meisten Fällen schon aus“, sagt Ullmann, der für jegliche Information telefonisch unter 0650/9927563 oder via Mail m.huforthopaedie@gmail.com erreichbar ist. Neben seiner wichtigsten Aufgabe, die Hufe seiner galoppierenden Kunden gesund zu erhalten, hat er noch höhere Ziele. „Als nächsten Schritt mache ich eine Ausbildung zum Pferdeosteopathen“, berichtet der Pferdefreund, während er den Stall ausmistet.