Die Kirsche hilft bei Muskelkater
Ob süß als Kirsche oder sauer als Weichsel, seit Ende Mai sind die ersten Sorten der kleinen roten runden Früchte reif und verwöhnen den Gaumen bis in den Sommer hinein. Als frische Früchte helfen sie auf viele Weise der Gesundheit und ihre Kerne sind ideale Wärmespender. Doch Vorsicht, manchmal folgt dem Genuss lästiges Bauchweh.
Frische Kirschen sind ein Hochgenuss. Feinschmecker schätzen den säuerlich-erfrischenden Geschmack reifer Weichseln.

Eineinhalb bis drei Kilo der rot-glänzenden Früchte isst jeder von uns im Jahr, aber um eines muss sich dabei (trotz der manchmal extremen Süße) niemand Gedanken machen. Kirschen machen nicht dick. Einhundert Gramm der süßen Sorten haben zwar mit 13,3 Gramm einen etwas höheren Zucker- und damit auch Kaloriengehalt als Weichseln, doch mit maximal 70 Kalorien sind alle Kirschen gesundes und figurfreundliches Naschobst.

Das liegt freilich auch an ihren wertvollen Inhaltsstoffen, wie die Diätologin Andrea Zarfl aus Wien (www.andrea-zarfl.at) verrät. „Kirschen enthalten eine gute Menge Nährstoffe. Vor allem Vitamin A und Vitamin C sowie Folsäure. Dazu liefern sie viel Kalzium, Kalium, Magnesium, Phosphor, Eisen und Zink. Und ihr roter Farbstoff enthält zellschützende Anthocyane, die entzündungshemmend wirken.“

Freilich, die süßen oder sauren Früchtchen munden nicht nur. Sie sind so etwas wie Medizin vom Baum, denn sie unterstützen unseren Körper mehrfach, kurbeln den Stoffwechsel an und steigern das Wohlbefinden. Wer zum Beispiel zu Verstopfung neigt, darf beherzt zu Kirschen greifen.

So verlockend ihr Geschmack ist, so mancher sollte es mit dem Genuss nicht übertreiben. „Die Früchte liefern zwar nur halb so viele Ballaststoffe wie etwa Äpfel, aber ein übermäßiger Kirschkonsum kann abführend wirken und sogar zu Durchfall führen. Diese Bauchschmerzen können aufgrund des hohen Fruchtzuckergehaltes auftreten. Menschen mit Fruchtzuckerunverträglichkeit können mit Blähungen, Durchfall und Übelkeit reagieren. Wer hier empfindlich ist, sollte nicht allzu große Mengen konsumieren. „Eine Portion am Tag, das sind rund 25 Kirschen, sind dann ausreichend“, sagt Andrea Zarfl und empfiehlt Menschen mit „sensiblem“ Bauch, Kirschen mit anderen Lebensmitteln zu kombinieren, etwa mit Naturjoghurt. „Werden Kirschen verarbeitet und als Kompott oder Kirschkuchen gegessen, sind sie leichter verträglich.“

Prinzipiell sollten Kirschen vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Die seit Generationen ausgesprochene Warnung, Wassertrinken nach einem Kirschgenuss führe zu Bauchweh, hat jedoch keine wissenschaftliche Basis. Vielmehr vermuten Experten, dass einst hygienisch nicht einwandfreies Trinkwasser schuld an diesem Mythos sei.

Kirschen gehören zu den beliebtesten heimischen Obstsorten. Das kommt uns zugute, denn sie fördern nicht nur die Verdauung, sondern auch die Arbeit der Nieren, wie die Diätologin versichert. „Aufgund ihres Kaliumgehaltes wirken Kirschen harntreibend. Wichtig ist daher, ausreichend zu trinken. Ein 70 Kilo schwerer Mensch sollte zwei Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. Das wirkt sich positiv auf die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere aus. Wer unter Gicht leidet, kann mit purinarmer Kost und Kirschen seine Gichtanfälle verringern oder sogar vermeiden. Es gibt allerdings keine ärztlichen Empfehlungen, dass Kirschenextrakt, -saft oder -pulver zum Senken des Harnsäurespiegels konsumiert werden soll. Haben die Kirschen Saison, sind täglich ein bis zwei Portionen sinnvoll.“

Wem nach dem Sport geraten wird, Kirschensaft zu trinken, der hat richtig gehört, weiß Andrea Zarfl und kann den Zusammenhang erklären. „Beim Sport kann es durch Anstrengung und Belastung zu einem Muskelschaden kommen. Wir kennen dies als ‚Muskelkater‘. Die dabei entstehenden Entzündungsprozesse werden von dem in Kirschen enthaltenen roten Farbstoff Anthocyan abgeschwächt. Er hat eine entzündungshemmende und zellschützende Wirkung. Sportler, die nach dem Training Kirschen, vor allem Sauerkirschen genießen, können so ihren Muskelkater abschwächen.“

Ganz nebenbei tut Kirschenessen auch der Seele gut, denn das Naschen der süßen Früchte gehört für viele Menschen zu den schönen Kindheitserinnerungen, vor allem, wenn sie frisch vom Baum in den Mund gelangen …