Biblische Plage am Schwarzen Kontinent
Die verheerenden Buschbrände in Australien werden langsam eingedämmt. Doch auf der anderen Seite der Erde bahnt sich nun die schlimmste Wüstenheuschrecken-Plage seit mehr als 25 Jahren an. Die afrikanischen Behörden sind mit der Bekämpfung der gefräßigen Gesellen heillos überfordert – eine massive Hungersnot könnte der leidgeprüften Bevölkerung drohen.
Die Viecher zerstören meine Farm, die Weide und die Vegetation auf meinem Land. Damit wird der Hof nutzlos und meine Familie wird bei Dürre noch mehr Hunger leiden“, klagt der Kleinbauer Theophilus Mwendwa aus Kenia (Bild).

Heuschreckenplagen sind am Schwarzen Kontinent eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch in diesem Jahr hat die Anzahl der Tiere apokalyptische Ausmaße angenommen.

Mitverantwortlich für diese Notlage ist laut Klimaforschern die zyklische Schwankung der Meerestemperaturverteilung im Indischen Ozean. Ein Wetterphänomen, das heuer Australien extreme Hitze und Ostafrika viel Regen beschert hat.

„Die feuchte Erde ist ideal für die Vermehrung der Heuschrecken. Die Insekteninvasion hat deshalb eine Dimension erreicht, die weit über die Norm hinausgeht und die wir in Afrika seit 25 Jahren nicht mehr gesehen haben“, weiß Daniele Donati von der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Doch es geht noch weitaus schlimmer.

„Sollte der Ausbruch nicht unter Kontrolle gebracht werden, könnte die Zahl der Heuschrecken bis Juni noch auf das Fünfhundertfache anwachsen“, sagt der Experte. Allerdings sind schon die aktuellen Zahlen erschreckend und besorgniserregend genug. So erreicht in Äthiopien der Schwarm der fingergroßen Tiere bereits Ausmaße von 60 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite.

„Solche riesigen Heuschreckenwolken mit mehreren hundert Millionen Individuen wiegen bis zu 1.500 Tonnen. Da die etwa zwei Gramm schweren Tiere jeden Tag ihr eigenes Körpergewicht fressen, bleibt dort, wo sie Halt machen, kaum ein Grashalm übrig“, berichtet Donati.

Auch ein Schwarm in Kenia ist zur Zeit fast 2.400 Quadratkilometer groß, was der Fläche von ganz Vorarl-
berg entspricht. „Doch allein die Insekten, die sich auf einem Quadratkilometer tummeln, verputzen so viel Nahrung wie zehn Elefanten, 25 Kamele oder 2.500 Menschen“, mahnt der Experte. Kein Wunder also, dass schon in der Bibel von der sechsbeinigen Plage berichtet wird.

Weltweit gibt es etwa zehn Heuschreckenarten, die zu Massenansammlungen neigen. Die wohl berüchtigste Art ist die Wüstenheuschrecke, die etwa zwei bis fünf Monate lebt und nun in Ostafrika alles frisst, was ihr zwischen die Kauwerkzeuge kommt. Doch normalerweise verhalten sich diese Insekten vollkommen unauffällig und hüpfen oder fliegen als Einzelgänger über die Wiesen. Wenn allerdings das Futter knapp wird, sind die harmlosen „Grashüpfer“ plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen und stellen ihr Verhalten innerhalb weniger Stunden vollkommen auf den Kopf.

„Sie wechseln dann von einem grün-bräunlichen zu einem gelben oder roten Gewand (Bild unten li.) und verschmelzen zu einem gigantischen Schwarm, der bis zu 200 Kilometer am Tag zurücklegen kann“, erklärt Donati. Und ist so eine Masse erst einmal unterwegs, erweisen sich meist alle Bekämpfungsmaßnahmen – auch das Versprühen von Insektiziden – als wirkungslos. Bei der vorigen großen Plage in Afrika stoppte daher erst das Wetter in Form einer anhaltenden Trockenperiode den Vormarsch des gefräßigen Heeres. Auch in der Bibel bringen klimatische Einflüsse die Erlösung – Gott treibt die geflügelten Plagegeister mit einem starken Westwind ins Meer. Hwie