Die Vögel pfeifen aufs Futterhaus
Die „Stunde der Wintervögel“ hat geschlagen. Im elften Jahr der landesweiten „Birdlife“-Zählung besuchten mit nur knapp 31 Vögeln pro Garten so wenige wie noch nie die heimischen Futterhäuschen. Die Schnabelspitze vorne hat diesmal die Kohlmeise. Der Grünfink musste dagegen ordentlich Federn lassen, da er noch immer mit Parasiten zu kämpfen hat.
Auch heuer waren die Menschen in unserem Land rund um das Dreikönigswochenende von 4. bis 6. Jänner aufgerufen, eine Stunde lang Vögel im eigenen Garten, beim Futterhäuschen oder im Park zu zählen und die Ergebnisse an die Vogelschutzorganisation „Birdlife“ weiterzuleiten.

„Wir wissen leider noch relativ wenig über unsere Wintervögel, deshalb ist es uns wichtig, dass viele Menschen bei der Beobachtung mitmachen“, erklärt der „BirdLife“-Geschäftsführer Gábor Wichmann. Schließlich versprechen sich die Wissenschaftler durch diese Mitmachaktion wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich die heimischen Vögel der kalten Jahreszeit anpassen, welche Arten durch die Winterfütterung gefördert werden und wie sich die Klimaerwärmung auf unsere gefiederten Freunde auswirkt. Etwa 14.000 Hobbyforscher haben sich heuer an der Aktion beteiligt und dabei mehr als 330.000 Vögel in 11.000 Gärten gezählt. Die Schnabelspitze vorne hat diesmal mit 57.870 gesichteten Tieren die Kohlmeise (2019: der Spatz). „In neun von zehn Gärten wurden durchschnittlich 5,3 Individuen gezählt. Kohlmeisen sind extrem anpassungsfähig und fühlen sich sowohl im Wald als auch in Gärten, Parks und sogar im innerstädtischen Bereich pudelwohl“, erklärt der Ornithologe ihr häufiges Auftreten.

Der Spatz (Haussperling) sowie der Feldsperling wurden in diesem Jahr mit 43.076 und 42.704 gezählten Exemplaren zu den zweit- und dritthäufigsten Vogelarten in den Gärten gekürt. Allerdings ging die Gesamtzahl aller beobachteten Vögel in fast allen Teilen unseres Landes deutlich zurück. Nur in Kärnten stieg die Zahl der Vögel pro Garten um 14 Prozent auf knapp 37 Exemplare an, was mit der ungleich verteilten Schneemenge zur Beobachtungszeit zusammenhängen könnte. „Gibt es weder Frost noch eine dicke Schneedecke, verbleiben die Vögel außerhalb der Städte, wo ausreichend Nahrung für sie vorhanden ist. Finden die Vögel hingegen durch den Frost und Schnee weniger Futter, drängen sie in die Siedlungsräume“, erklärt Gábor Wichmann.

Ziemlich rar gemacht hat sich bei der aktuellen Vogelzählung vor allem der Grünfink. Im Jahr 2012 gehörte der typische Hecken- und Gebüschbrüter mit rund 235.000 Brutpaaren noch zur Oberliga der heimischen Flattermänner. Doch seither haben sich seine Bestände nahezu halbiert. „Die aktuelle Auswertung ergab die niedrigste Anzahl an Grünfinken pro Garten seit Beginn unserer Zählungen“, sagt Wichmann.

Ursache dürfte die vor acht Jahren aufgetretene Parasitenerkrankung „Trichomoniasis“ sein. Die mit freiem Auge nicht erkennbaren Geißeltierchen treten meist dort gehäuft auf, wo gefüttert wird, weil an diesen Orten viele Vögel zusammenkommen, die sich gegenseitig anstecken. Und ist das Federvieh erst einmal infiziert, ist das ihr Todesurteil. „Erkrankte Vögel wirken matt, apathisch und wollen nicht mehr wegfliegen. Im weiteren Verlauf können die Tiere kein Futter mehr zu sich nehmen und sind in zwei bis drei Tagen tot“, weiß der Vogelkundler. Daher ist es die beste Maßnahme bei Auftreten dieser Krankheit, die Fütterung sofort einzustellen und Futtergeräte, Vogeltränken sowie Futterreste vom Boden zu entfernen und mit heißem Wasser zu reinigen. „Derzeit ist das Auftreten von Trichomoniasis fast ausschließlich auf Grünfinken beschränkt. Warum gerade diese Art so sensibel darauf reagiert, ist noch unklar“, sagt Gábor Wichmann. Hwie