Die Kraft des Fiebers nützen
In der Erkältungs- und Grippezeit ist Fieber ein natürlicher Begleiter, der uns hilft, die Infektion abzuwehren. Immer öfter jedoch wird Fieber sofort mit Medikamenten bekämpft. Für den Arzt und Immunologen Prof. Ralf Kleef aus Wien ist das verkehrt.
Der Kopf glüht, die Augen sind glasig und unangenehmer Schüttelfrost lässt die Muskeln zittern. Die klassischen Symptome von Fieber signalisieren uns deutlich, das Immunsystem hat „alle Hände voll zu tun“, um eine Infektion durch Viren oder Bakterien abzuwehren. Leider verstehen wir dieses Signal unseres Körpers immer öfter nicht richtig und reagieren falsch, meint Prof. Ralf Kleef, Allgemeinmediziner, Spezialist für Naturheilkunde, Hyperthermie (= Übererwärmung des Körpers) und Krebsmedizin in Wien (www.dr-kleef.at). Er erklärt den Sinn von Fieber und ab welcher Körpertemperatur ein Gegensteuern sinnvoll ist.

Prof. Kleef, Sie sagen, Fieber sei keine Krankheit …
Nein, Fieber wird irrtümlicherweise oft als Erkrankung interpretiert, doch es ist ein Zeichen der Gesundungskraft des Organismus. Werden bei einer Infektion die Erreger zu zahlreich und aggressiv, hat das Immunsystem mit Fieber eine mächtige Waffe. Es ist ein körperliches, zeitlich befristetes, immunologisches Sonderprogramm. Es dient der Abwehr und der Heilung.

Sind fiebersenkende Medikamente falsch?
Zunächst sollte die heilende Kraft des Fiebers wirken können. Hält es zu lange an oder steigt es zu hoch, ist es sinnvoll, kurzfristig fiebersenkende Mittel einzusetzen. Wird diese Immunantwort des Körpers sofort mit fiebersenkenden Medikamenten gehemmt, braucht der Körper länger, um die Krankheitserreger unschädlich zu machen.

Wie verhalte ich mich bei Fieber richtig?
Durch die hohe Temperatur und die Fieber-Ursache wird der Kreislauf belastet. Daher soll sich der Patient schonen. Um den durchs Schwitzen entstandenen Flüssigkeitsverlust auszugleichen, muss viel getrunken werden. Bekleidung und Decken so wählen, dass dem Kranken nicht kalt ist, aber auch kein Hitzestau entsteht.

Was passiert im Körper, wenn er fiebert?
Für die Abwehr- und Heilvorgänge erhöht unser Körper die Kerntemperatur vorübergehend um bis zu vier Grad. Die Blutgefäße verengen sich, sodass über die Haut weniger Wärme abgegeben werden kann. Arme und Beine werden kälter. Die Muskeln können zu zittern beginnen, wodurch noch mehr Wärme produziert wird, es kommt zu Schüttelfrost. Ist das Fieber hoch, steigt das Schlafbedürfnis und der Appetit lässt nach. Auch Muskel- und Gliederschmerzen sind häufige Begleiter. Hat der Körper die Ursache des Fiebers erfolgreich bekämpft, senkt er die Temperatur wieder, indem er durch Schwitzen und erweiterte Gefäße vermehrt Wärme abgibt.

Kinder fiebern öfter als Erwachsene. Was ist dabei zu beachten?
Kinder leiden häufiger an Fieber und fiebern höher. Das liegt daran, dass ihre Temperaturzentrale nicht vollständig entwickelt und stabil ist. Zudem muss ihr Abwehrsystem lernen, sich gegen verschiedene Erreger zur Wehr zu setzen. Schon bei einem kleinen gesundheitlichen Ungleichgewicht erhöht sich ihre Temperatur. Zudem liegt die normale Temperatur aufgrund der höheren Stoffwechselaktivität in den ersten Lebensjahren bei bis zu 38,5 Grad. Hohes Fieber bei Kleinkindern ist deshalb oft noch kein Zeichen einer gefährlichen Erkrankung.

Wann ist dennoch der Arzt gefragt?
Fieber von mehr als 40 Grad können Kleinkinder höchstens zwei Tage ertragen. Dann ist eine ärztliche Kontrolle und Ursachensuche wichtig. Auch bei Säuglingen unter drei Monaten sollte der Arzt aufgesucht werden, sobald Fieber auftritt. Sonst kommt es auf den Zustand des Kindes an. Eltern sollten den Arzt rufen, wenn das fiebernde Kind länger als einen halben Tag nichts trinken mag, sich die Beschwerden nicht bessern, es viel häufiger Wasser lässt, sich ein Hautausschlag zeigt, es ständig weint oder dauernd schläft und nur schwer aufzuwecken ist. Weiters bei Fieberkrämpfen, wo das Kind zuckt, die Augen verdreht und bewusstlos wird oder Kopfweh, ein steifer Nacken, wiederholtes Erbrechen, Durchfall, eine harte Bauchdecke oder Einblutungen in die Haut auftreten.

Ab wann ist auch für die Großen der Arztbesuch wichtig?
Wenn das Fieber zu hoch steigt oder zu lange dauert. Infektiöses Fieber dauert meist nur einige Tage bis Wochen. Tritt Fieber während oder nach einer Reise auf, muss an Krankheitserreger gedacht werden wie Malaria, Typhus oder Virushepatitis. Auch andere Erkrankungen wie eine Schilddrüsen-Überfunktion, können einen Hinweis liefern, wie Fieber entstanden ist. Tritt länger andauerndes Fieber mit Nachtschweiß und Gewichtsverlust auf, kann es sich auch um erschöpfende
Erkrankungen wie Tuberkulose oder Krebs handeln.