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Der Wildfang vom Hallstätter See
Wie nachhaltiger Fischfang geht, zeigen Maximilian Peinsteiner und Hubert Wimmer. Jeden Tag in der Früh fahren die beiden Fischer auf dem Hallstätter See (OÖ) aus, um ihre Netze einzuholen. Gefischt werden nur Reinanken, die mindestens sechs Jahre alt sind, die kleineren schwimmen durch die Maschen. Andere Fische kommen zurück ins Wasser.
Um diese Zeit ist der See am schönsten“, sagt Maximilian Peinsteiner, als er mit wenigen Handgriffen die Vertauung des Bootes löst, den Außenbordmotor startet und aus dem urigen Bootshaus heraus die ersten Wellen in die spiegelglatte Oberfläche des Hallstätter Sees (OÖ) pflügt. Vom hektischen touristischen Treiben im „schönsten Seeort der Welt“, wie Hallstatt einmal vom Forscher und Weltreisenden Alexander von Humboldt Anfang des 19. Jahrhunderts betitelt wurde, ist noch nichts zu bemerken, wenn der 29jährige seinen Arbeitstag beginnt. Um sechs Uhr in der Früh schippert der Fischereimeister der Bundesforste an einem Montag über das Wasser, um die Früchte seiner Arbeit zu ernten, die schon tags zuvor begonnen hat.

„Am Sonntag gegen 17 Uhr legen wir die Netze aus“, sagt Peinsteiner, während er das Boot in Richtung jener weißen Bojen steuert, die schon als Punkte am Wasser zu erkennen sind. Die Sonne steht noch tief und lugt gerade hinter den Berggipfeln hervor, als der Fischereimeister mit seinem Gesellen Hubert Wimmer beginnt, die grünen Netze einzuholen. Es dauert nicht lange, bis der erste zappelnde Fisch zu sehen ist, der sich in den feinen Maschen verfangen hat. „Deswegen sind wir hier“, sagt der 29jährige. Mit nahezu einem halben Kilo Lebendgewicht, befreit er die Reinanke mit routinierten Griffen. Und es sollen noch viele Exemplare der Wildfang-Delikatesse an diesem Tag ins Boot folgen.

Etwa 20 Reinanken sind die Ausbeute nach 70 Metern, die das erste Netz lang ist. Aber es folgen noch drei weitere Netze, die sich in zwei Metern Tiefe im Wasser befinden und neun Meter nach unten reichen. Auch im nächsten scheinen sich nur wenige Fische verfangen zu haben, bis es im Wasser silbrig zu schimmern beginnt. „Ah, da wird sich ein kleiner Schwarm verfangen haben“, freut sich Peinsteiner, während er unter tatkräftiger Mithilfe seines Gesellen ein Teilstück mit etwa 30 Reinanken an Bord zieht. Die beiden Männer haben alle Hände voll zu tun, denn sofort nachdem die Fische aus dem Netz befreit wurden, müssen sie mit einem Holzstock abgeschlagen und in Kühlboxen auf Eis gelegt werden. Beifang gibt es dabei so gut wie keinen. Und wenn doch, wird er wieder dem See übergeben, wie eine Seeforelle, die sich im Netz verirrt hat und von Wimmer vorsichtig befreit wird.

Und was eher spärlich begonnen hat, endet nach gut drei Stunden schweißtreibender Arbeit mit einem guten Fang. Etwa 200 Fische sind die Ausbeute des Tages. Die durchwegs etwa einen halben Kilo auf die Waage bringen. „Die Maschenweite unserer Netze von 40 Zentimetern stellt sicher, dass wir keine jungen Reinanken fangen“, erklärt Peinsteiner. „Exemplare, die uns ins Netz gehen, sind sechs bis acht Jahre alt und haben schon drei, vier Mal abgelaicht.“ Das ist mit ein Grund, warum es im Hallstätter See von Leben nur so wimmelt. „Wir haben hier einen Fischbestand von etwa 200 Kilo pro Hektar. Üblich wären um die 130 Kilo“, weiß der Fischereimeister. „Wir könnten also wesentlich mehr Fische entnehmen.“ Ein weiterer Grund ist die strenge Reglementierung des kommerziellen Fischfanges.

Denn Wimmer und Peinsteiner sind die einzigen gewerblichen Fischer am Hallstätter See. Dass diese Einschränkung durchaus ihren Sinn hat, zeigt das Beispiel des Traunsees. „Dort gibt es 52 Fanglizenzen und im Traunsee darf dieses Jahr gar nicht gefischt werden, damit sich der Bestand erholt“, berichtet der 29jährige, der nun, bevor der Fang an Land und zur „Fischerei Ausseerland“ zur Weiterverarbeitung gebracht werden kann, noch eine anstrengende Arbeit vor sich hat. „Wir müssen noch den Ankerstein einholen, an dem das Seil befestigt ist, das die Schwebnetze trägt. Da sich die Reinanke von Plankton ernährt, können wir die Fische nicht anfüttern, sondern müssen mit den Netzen dorthin, wo wir sie vermuten.“

Die Stelle kennzeichnet die einzige rote Boje am Wasser. „Gäste, die mitfahren, dürfen den Stein einholen“, sagt Peinsteiner mit einem Schmunzeln in Richtung des Streifzüglers. Wird wohl kein Problem sein, so ein Steinchen aus dem Wasser zu ziehen. Also eine grüne Plastikschürze wie die Kollegen angelegt. Wie schwer? „30 Kilo wird er wohl wiegen.“ Was sich als gar nicht so schwer erweist. Jedenfalls zu Beginn. Was der Fischer aber „vergessen“ hatte zu erwähnen, war, dass sich der Stein in ca. 100 Meter Tiefe befand. Nach etwa einer Viertelstunde und geschätzter halber Wegstrecke übernahm schließlich Wimmer das Seil von einem Streifzügler, dessen Kopf rot und die Plastikschürze innen mindestens so nass war wie außen.

Im Wissen, mit welch großem Aufwand der Fang der Delikatesse verbunden ist, erscheint der Preis gerechtfertigt. Bei „Fischerei Ausseerland“ kostet ein Kilo als küchenfertiger Frischfisch 26,90 Euro, ein Kilo Reinanken-Filet kommt auf 47,90 Euro. Die es nicht nur an drei Fischereiläden in Kainisch (Tel. 03624/289), am Grundlsee (Tel. 03622/8513) und in Bad Aussee (Tel. 03622/53760) gibt. Saibling, Reinanken und See-/Bachforellen können seit Kurzem auch in Kleinmengen ins ganze Land geliefert werden. Infos und Bestellungen im Internet über www.flossenbox.at.