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„Ich ärgere mich nur zehn Schritte lang“
Die Dreharbeiten vor der Kulisse des Wilden Kaisers in Tirol sind in vollem Gang. Die bereits 13. Staffel der beliebten Serie „Der Bergdoktor“ wird bis Dezember fertiggestellt. In der Hauptrolle agiert wieder der Steirer Hans Sigl, von dem es heißt, dass er Abwanderungsgelüste habe. Ein wenig in andere Gefilde hat sich der Schauspieler bereits begeben. Was dabei herauskam, ist am Mittwoch, 3. Juli, ab 20.15 Uhr, ORF2, in dem Alpen-Thriller „Flucht durch das Höllental“ zu sehen. Wenige Tage später, am 7. Juli, feiert Sigl seinen 50. Geburtstag.
Herr Sigl, was sind Ihre Säulen des Lebens?
(überlegt lange) Ich denke, das sind Ehrlichkeit, Achtsamkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe.

Gelten sie für Ihr Privatleben?
Ja, ich komme mit diesen Grundsätzen noch gar nicht in mein berufliches Leben, sondern das sind für mich tatsächlich die Säulen, über die ich in Ruhe meditieren kann. Es sind Säulen, die einen Menschen tragen und die mich gesund sein lassen. Sie machen mich ruhig und bieten mir die Möglichkeit, mich im Hier und Jetzt zu verankern.

Und?
Daraus ergibt sich für mich dann die Kleinigkeit, beruflich so gut arbeiten zu können. In erster Linie geht es darum, in einem gewissen Alter zu erkennen, was es bedeutet, Mensch zu sein, menschlich zu sein. Wichtig ist, nicht abhängig zu sein, frei zu sein. Deswegen sind für mich Ehrlichkeit, Achtsamkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe das Wichtigste im Leben.

Sie sind seit zehn Jahren verheiratet. Wie lautet Ihr Rezept für Ihre glückliche Ehe?
Jeder muss seine Ehe hegen und pflegen. Und der Hochzeitstag sollte nach Möglichkeit nicht vergessen werden. Das sind für mich Dinge, die sich von selbst verstehen. Aufmerksamkeit ist wichtig. Die Partner sollten wach und achtsam durch das gemeinsame Leben gehen und auf den anderen schauen. Das ist mir wichtig. Auch eine gesunde Portion Egoismus gehört in jede Beziehung. Ich meine, nur wenn jemand selber stark ist, kann auch der andere mit einem stark sein. Außerdem ist es in einer Ehe wichtig, viel zu reden, reden und reden.

Sind Sie ein Freund der Ehe?
Ich bin ein totaler Anhänger der Ehe. Seit ich verheiratet bin, schätze ich alles an diesem Bekenntnis. Ich versuche auch, alle meine Freunde davon zu überzeugen, zu heiraten (strahlt).

Wie wichtig ist es für die Partnerschaft, Zeit zu zweit zu organisieren?
Zeit zu zweit ist mir unglaublich wichtig. Denn das ist die Quelle, aus der ich Kraft schöpfe. Junge Eltern vergessen das viel zu oft.

Haben Sie noch andere Kraftquellen?
All das, was ich tue, mache ich gerne und mit großer Freude und Dankbarkeit, dass ich die Möglichkeit habe, mich vielfältig zu verwirklichen. Achtsamkeit ist für mich grundsätzlich eine wichtige Tugend im Umgang mit anderen, aber vor allem auch im Umgang mit mir selbst.

Was bedeutet das?
Manchmal braucht es eine kurze Pause, einen Moment des Innehaltens, Durchatmens, um neue Kraft zu tanken und sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Beim Drehen sind das mitunter nur Minuten, in denen ich bis zum „Und bitte!“ der Regie einen meditativen Moment genieße.

Sind Sie auch einmal garstig zu sich und Ihren Lieben?
Nach einem anstrengenden Drehtag oder wenn ich unrund bin, gehe ich am besten Golf spielen oder ich gehe zum Bogenschießen. Das bringt mich und meine Gefühle am besten wieder herunter.

Wenn Ihnen dabei aber ein Schlag oder ein Schuss misslingt, könnte das obendrein noch eine Enttäuschung geben …
Genau das ist für mich das Schöne an diesen beiden Sportarten. Es gibt diesen wunderbaren Spruch: Es ist niemals der Pfeil, sondern immer der Schütze, wenn etwas misslingt. Beim Golf ist es auch so, dass es nie der Schläger oder der Ball ist, sondern der Spieler selbst. Ich kann natürlich aus Frust den Schläger aus dem Sand-Hindernis 20 Meter herausschleudern. Der Nachteil ist, ich muss ihn wieder holen. Ebenso nachteilig ist, dass so ein Verhalten recht peinlich wirkt, insofern lasse ich es besser.

Was machen Sie also stattdessen?
Ich halte mich an den Golfspieler Tiger Woods, der gesagt hat, er ärgere sich niemals länger als zehn Schritte. Das ist eine Zeiteinheit, die ich für mich persönlich gut adaptieren kann, auch beim Drehen oder zum Entspannen.

Steckt dahinter die Weisheit des Alters?
Der Mensch kann alles in zehn Schritten erledigen. Ich kann diese zehn Schritte geradeaus oder auch im Kreis gehen, ich kann sie auch auf der Stelle tun, aber damit kann sich jeder Mensch wunderbar abreagieren. Um das Thema mit einem Zitat von Wilhelm Busch zu beschließen: Wenn du dich ärgerst, zähle bis vier, wenn du das nicht schaffst, dann explodier‘.