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STÖR sie nicht
Seit mehr als 200 Millionen Jahren schwimmt der Stör durch unsere Gewässer. Geschätzt und gejagt vor allem wegen der kostbaren und schmackhaften Eier der weiblichen Tiere – dem Kaviar. Mittlerweile sind fast alle Störarten gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht, weshalb Artenschützer versuchen, die „Urfische“ durch Aussetzen von Jungtieren zu retten.
In den nächsten Tagen werden die jungen Störe einen geeigneten Futterplatz finden und noch ordentlich wachsen, bevor sie sich flussabwärts auf den Weg zum Schwarzen Meer machen“, erklärt Jutta Jahrl, während der Wassertank auf der Ladefläche des Lastwagens geöffnet wird. Mehr als 25.000 Störbabys der „Waxdick“-Art ergossen sich mit einem Wasserschwall vor wenigen Tagen in die Donau in Bulgarien und damit in die Freiheit.

„Es wird mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis die jetzt freigelassenen Störe dann wieder in die Donau zurückkehren um sich fortzupflanzen“, berichtet die Leiterin des internationalen Störprojektes der Naturschutz-Organisation World Wide Fund For Nature (WWF). Schließlich werden Störe, die „wild“ in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten aufwachsen, erst spät geschlechtsreif.

Besonders die Weibchen der großen „Beluga“-Arten benötigen fast 20 Jahre, bis sie zum ersten Mal ablaichen können. Dafür können die bis zu sieben Meter langen und mehr als 1.000 Kilo schweren Süßwassergiganten auch 150 Jahre alt werden.

Es sei denn, sie fallen vorher Wilderern zum Opfer, die durch die astronomischen Kaviarpreise – 6.000 Euro pro Kilo – angetrieben werden. Zum Bedauern der Artenschützer erfolgt der Störfang auf brutale Weise mit einem mit Widerhaken bestückten Seil, das mit Gewichten am Flussgrund gehalten wird. In diesen Haken verfangen sich die großen Fische und verenden qualvoll.

„Neben der illegalen Fischerei stellen aber auch die Verschmutzung der Gewässer, die Verbauung der Ufer sowie die Unterbrechung der Wanderrouten weitere wesentliche Bedrohungen dar“, erklärt Jahrl.

Vom Schwarzen Meer die Donau hinauf bis nach Wien schaffen es die Störe deshalb schon lange nicht mehr. Spätestens am Eisernen Tor, einem in den 70er Jahren errichteten Donaukraftwerk zwischen Rumänien und Serbien mit einer 60 Meter hohen Staumauer, ist ihre Reise vorzeitig zu Ende.

Weltweit gibt es noch 25 Störarten, sechs davon lebten ursprünglich in der Donau. Der „Beluga“-Stör ist dort bereits so gut wie ausgestorben. Nur der kleine „Sterlet“ verbringt sein ganzes Leben im Süßwasser und wandert nicht ins Meer, wodurch er auch in unserem Land noch überlebensfähig ist. Allerdings kommt auch er hierzulande nur noch in einem einzigen, winzigen Gebiet vor, einem 15 Kilometer langen Abschnitt der Donau bei Aschach in Oberösterreich. Wie seine nächsten Verwandten wirkt der knapp einen Meter große und etwa 16 Kilo schwere „Sterlet“ wie ein Relikt aus alter Zeit. Denn mit einer Stammesgeschichte, deren Dauer jene des modernen Menschen um das zweitausendfache übertrifft, schwammen diese Fische bereits in den Gewässern umher, als die ersten Dinosaurier die Erde besiedelten.

In dieser langen Zeit hat sich ihr Aussehen kaum verändert. So besteht das Skelett des Störs nicht aus Knochen, sondern wurde wie bei den Haien durch ein Knorpelskelett ersetzt. „Im Gegensatz zu anderen Fischen hat der Stör auch keine Schuppen, sondern eine glatte, dicke Haut, die mit fünf Reihen aus Knochenplatten besetzt ist und ihm ein wehrhaftes Äußeres verleiht“, weiß Artenschützerin Jutta Jahrl. Scharfe Zähne besitzt der Stör jedoch nicht, dafür aber ein ausstülpbares Maul mit fadenartigen Barteln. „Diese Sinnesorgane helfen beim Aufspüren von Bodenkleintieren wie Würmern, Krebsen und kleinen Fischen“, so die Expertin.

Der mächtige Belugastör gibt sich mit solchem „Kleingetier“ freilich nicht zufrieden. Er ist ein Räuber, der mit seinem gewaltigen Maul selbst große Fische wie Hechte oder Karpfen verschlingen kann. Hwie