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Rheuma kennt kein Alter
Der Irrtum ist gewaltig und führt fast immer dazu, dass die richtige Diagnose viel zu spät gestellt werden kann. Dabei gilt, je eher Rheuma erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf ein beschwerdefreies Leben. Entscheidend ist, die ersten Anzeichen zu erkennen.
Die Diagnose „Rheuma“ gehört zu den häufigsten Befunden im Land. Das ist kein Wunder. Bis zu vierhundert Leiden des Bewegungsapparates gehören zu diesem Krankheitsbild. „Rheuma ist nur ein Oberbegriff“, klärt der Internist und Rheumatologe Dr. Thomas Schwingenschlögl aus Wr. Neudorf auf (Tel.: 02236/865910, www.dr schwingenschloegl.at ).

Wer länger als drei Wochen an unklaren Schmerzen und Schwellungen an den Gelenken, Morgensteifigkeit, Bewegungseinschränkungen oder Kraftverlust leidet, sollte rasch einen Rheumaspezialisten aufsuchen, gleich, wie alt er ist. Hinter diesen Symptomen kann immer Rheuma stecken.

Kinderrheuma: Große Gelenke sind betroffen

Rheuma bei Kindern ist weit verbreitet und vielseitiger als bei Erwachsenen. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Gelenksentzündungen, die unter dem Begriff „juvenile idiopathische Arthritis“ zusammengefasst werden. Bei manchen Rheuma-Formen sind nur die großen Gelenke wie Knie und Sprunggelenke betroffen und keine Rheumafaktoren im Blut nachweisbar. Bei anderen Formen sind die kleinen Finger- und Zehengelenke angegriffen und Rheumafaktoren im Blut positiv. Wieder andere Formen verursachen dazu Entzündungen der Sehnen und Schleimbeutel oder treten gemeinsam mit Schuppenflechte auf. Schließlich gibt es schmerzhafte Entzündungen, vorwiegend der Wirbelsäule. Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass Rheuma bereits im ersten Lebensjahr auftreten kann, bei Mädchen generell häufiger als bei Buben.

Behandlung: Basismedikamente, Biologika, Kortison sowie entzündungs- und schmerzstillende Antirheumatika zur Behandlung entzündlichen Rheumas, Physio- und Ergotherapie. Derzeit bei Kindern nicht zugelassen: „small molecules“ (= Wirkstoffe, die in Zellen eindringen, das Immunsystem beruhigen).

Junge Erwachsene: Leiden an Wirbelsäule häufen sich

Rheuma aufgrund von Abnützungen tritt in diesem Alter selten auf. Wenn, dann nach schweren Verletzungen oder hochgradigen Fehlstellungen.

Führend sind nun Autoimmun-Erkrankungen, die zu Gelenks- und Wirbelsäulenentzündungen führen. Ab der Pubertät leiden vor allem Burschen an schmerzhaften Entzündungen der Wirbelsäule im Sinne eines Morbus Bechterews, der früh behandelt werden muss, um das Versteifen des Rückens zu verhindern.

Behandlung: Basismedikamente, entzündungs- und schmerzstillende Antirheumatika, Kortison, Biologika und „small molecules“, um die ausufernden Entzündungen des Immunsystems zu bremsen; Heilgymnastik, Wärmeanwendungen, Ergotherapie.

Erwachsene: rheumatoide Arthritis an erster Stelle

Mit dem Alter gewinnen die Abnützungen an Einfluss. Bei den Entzündungen steht aber die rheumatoide Arthritis an erster Stelle. Gefolgt von Psoriasisarthritis und Entzündungen der Wirbelsäule. Viele andere Autoimmun-Erkrankungen mit unterschiedlichen Symptomen kommen vor. Erwachsene haben dazu vermehrt Stoffwechselstörungen (etwa Gicht), die zu Gelenks-
problemen führen. Weichteilrheumatismus ist in dieser Altersklasse im Vormarsch. Die Palette reicht vom Tennisellbogen über Schleimbeutelentzündungen zu Problemen der Achillessehne und Schulter-Arm-Syndrom. Häufig finden sich Schmerzen am ganzen Körper, wie die Fibromyalgie.

Behandlung: Basismedikamente, entzündungs- und schmerzstillende Antirheumatika, Kortison, Immuntherapie mit Biologika und „small molecules“; bei Weichteilrheuma dazu Wärmeanwendungen, Ultraschall, Elektrotherapie, konsequente Heil- und Unterwassergymnastik.

Im Alter: Abnützung in Gelenken

Wer die „80“ erreicht hat, wird in dem einen oder anderen Gelenk oder an der Wirbelsäule schmerzhafte Abnützungen spüren. Ebenso nehmen im hohen Alter die Probleme an Sehnen und Muskeln zu wie auch Stoffwechselerkrankungen. Entzündungen treten weniger häufig auf. Dennoch kann eine rheumatoide Arthritis oder eine Schuppenflechte über Nacht Probleme bereiten. Manche Entzündungen kommen spezifisch bei älteren Menschen vor wie die Polymyalgia rheumatica, eine
schmerzhafte Muskelentzündung des Schulter- und Beckengürtels.

Behandlung: Basismedikamente, entzündungs- und schmerzstillende Antirheumatika, Kortison, Biologika, „small molecules“, dazu Knorpelaufbaupräparate wie Chondroitin- und Glucosaminsulfat, regelmäßige Heilgymnastik- und Ergotherapie.