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Wenn unser Herz Trauer trägt
Liebe, Trennung, Wut, Trauer, Angst, aber auch Freude und Glück sind Gefühle, die unser Herz verrückt spielen lassen. Der lebenswichtige Muskel kann hüpfen, flimmern und flattern. Und das Herz kann im wahrsten Sinne des Wortes brechen. Das Syndrom des gebrochenen Herzens („Broken-Heart-Syndrom“) kommt häufiger vor als allgemein bekannt.
Naturgemäß ist es die Liebe, die zu den wichtigsten „Motoren“ für ein dynamisch schlagendes Herz zählt. Wenn dieser Motor ins Stottern gerät, sind die Auswirkungen spürbar, die Gründe allerdings auf Anhieb oft nicht erkennbar und nicht zu verstehen. Das ist speziell bei unserem Herzen so. Starke Gefühle, verbunden mit belastenden Erlebnissen, machen vor unserer lebenswichtigen Pumpe nicht Halt.

Schlimmstenfalls können sie sogar das Gebrochene-Herz-Syndrom („Broken-Heart-Syndrom) auslösen. Nachdem die Krankheit erst seit etwa zwanzig Jahren bekannt ist, sind die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt.

Zu den möglichen Auslösern gehören akute emotionale Belastungen. Sie können sowohl positiver Natur, beispielsweise ein Lottogewinn, aber viel mehr noch extrem negative Erlebnisse sein. Daher können der plötzliche Tod des Ehepartners, der Verlust eines nahestehenden Menschen, heftiger Liebeskummer aufgrund einer herben Enttäuschung oder auch starke Gefühle von Wut und Angst als einschneidend erlebt werden.

Ausgelöst werden kann dieses Syndrom auch am Arbeitsplatz, wenn beispielsweise etwas Akutes wie die Konfrontation mit einer Kündigung passiert. Solche Vorfälle führen zur Ausschüttung von Stresshormonen, die den Körper gleichermaßen überfluten.

„Beim Gebrochenen-Herz-Syndrom handelt es sich um eine seltene, plötzlich eintretende Herzmuskelerkrankung, die durch starken Stress ausgelöst wird. Anders ausgedrückt, das seelische Empfinden macht das Herz krank. Das Syndrom veranschaulicht deutlich, wie eng die körperliche und psychische Gesundheit miteinander verwoben sind“,
weist Mag. Katrin Zoncsich, Klinische Psychologin, auf den wichtigen Zusammenhang hin.

Lange Zeit wurde das Syndrom als eher harmlos eingestuft, da sich die Herzfunktion der Betroffenen nach spätestens drei Monaten wieder erholt hat. Tatsächlich, wie aus einer Studie der medizinischen Universität Heidelberg (D) hervorgeht, können allerdings noch Monate danach Folgeerkrankungen auftreten. Den Studienergebnissen zufolge sterben sogar vier Prozent der Patienten an der Diagnose „Gebrochenes Herz“.

Wobei die ersten Anzeichen für das Vorliegen einer vorübergehenden Schwäche des Herzmuskels denen eines Herzinfarktes auffallend ähnlich sind. „Betroffene klagen beispielsweise über Schmerzen in der Brust, haben Herzrasen und Atemnot. Mediziner können allerdings mithilfe bildgebender Verfahren Veränderungen in der linken Herzkammer feststellen, die sich deutlich von denen eines Herzinfarktes unterscheiden. Maßgeblich für das Gebrochene-Herz-Syndrom ist der zeitliche Zusammenhang mit einem vorausgegangenen belastenden Ereignis“, unterstreicht die Psychologin. Anhand der bekannten Fallzahlen sei deutlich erkennbar, dass Frauen mit etwa 90 Prozent deutlich häufiger am gebrochenen Herzen leiden als Männer.

Wie bei allem, was „neu“ ist, braucht es eine gewisse Zeit, um be- und anerkannt zu werden. Das Gebrochene-Herz-Syndrom findet immer mehr Beachtung und wird durchaus ernst genommen. Ein Indiz dafür ist, dass in den vergangenen Jahren immer intensiver in diesem Zusammenhang geforscht wird. Um das Wesen dieses Syndroms weiter zu enträtseln, beobachten Mediziner seit einigen Jahren ganze Gruppe von Patienten und suchen fieberhaft nach Gemeinsamkeiten sowie möglichen Faktoren.

„Da die körperlichen Beschwerden beim Auftreten der Erkrankung vordergründig sind, kommt es in der Regel zuerst zur medizinischen Behandlung“, sagt Katrin Zoncsich. Ihres Erachtens ist es in weiterer Folge ratsam, eine klinisch-psychologische Unterstützung oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Die Betroffenen sollen lernen, besser mit extremen Gefühlen, belastenden Situationen und emotionalen Stressfaktoren umzugehen und sie zu verarbeiten“, empfiehlt die Psychologin. Schon allein aufgrund der beträchtlichen Rückfallrate, die immerhin bei fast zehn Prozent liegt. Natürlich könne sich der Mensch für akut auftretende Ereignisse nur schlecht wappnen. „Aber es lässt sich erlernen, Dinge nicht so nah an sich heranzulassen.“ Regelmäßiges autogenes Training, Yoga und
Entspannungsübungen können beim Bewältigen von Stresssituationen hilfreich sein.