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Bestechende Vielfalt in Gefahr
Die Honigbiene kennt fast jedes Kind. Aber in unserem Land leben auch hunderte verschiedene Wildbienenarten. Wie zum Beispiel die Holz-, Mörtel- oder Wollbienen. Die Vielfalt ist groß. ​Doch die Hälfte von ihnen gilt als gefährdet.
Die Honigbiene ist, nicht zuletzt dank „Biene Maja“, eines unserer bekanntesten Nutztiere. Was jedoch nur wenige wissen, ist, dass es bei uns noch 697 Wildbienenarten gibt, zu denen auch die „schweren Brummer“, die Hummeln gehören. „Weltweit wurden schon 20.214 Wildbienenarten beschrieben. Und viele sind noch unbekannt“, erklärt der Landschaftsökologe DI Heinz Wiesbauer in seinem Buch „Wilde Bienen“ (Ulmer-Verlag).

Biologisch betrachtet gehören Wildbienen wie Wespen und Ameisen zur Gattung der Hautflügler, einer besonders artenreichen Insektenordnung. Die fleißigen Blütenbestäuber sind demnach keine geflüchteten Honigbienen, sondern wildlebende Verwandte mit den unterschiedlichsten Lebensweisen. „Es gibt Generalisten, die mehrere Blüten nutzen, und Spezialisten wie die Zaunrüben-Sandbiene, die auf nur eine Pflanze als Pollenquelle angewiesen sind“, weiß der Fachmann.

Viele von ihnen erkennt auch der Laie sofort als „Bie-
ne“, wenn sie auch kleiner und oft anders gefärbt sind.

Einige werden dem Aussehen nach gerne mit anderen Insekten verwechselt. „Die Steppenbiene ist mit nur vier Millimetern Länge die kleinste Wildbiene in unserem Land und wird manchmal für eine Fliege gehalten. Die größte ist die blauschwarze Holzbiene. Sie kann drei Zentimeter groß werden und wiegt das 700fache der Steppenbiene“, sagt
Wiesbauer. Doch anders als Honigbienen sind die meisten Wildbienenarten nicht staatenbildend, sondern leben solitär. Das heißt, die Weibchen bauen ihre Nester allein und haben nur wenige Nachkommen. „Sie errichten in ihrer kurzen Lebenszeit von drei bis vier Wochen meist nur etwa zehn bis zwanzig Brutzellen“, erklärt der Experte.

Eine Ausnahme stellen die Hummeln dar, die in großen Völkern mit bis zu mehreren hundert Tieren leben. Je nach Art nisten Wildbienen entweder in Erdhöhlen, Totholz, Felswänden oder sogar in Schneckenhäusern. „Rund ein Viertel unserer Wildbienenarten baut jedoch gar keine eigenen Nester, sondern schummelt die Eier in die Brutzellen anderer Wildbienen“, erklärt der Buchautor. Zu solchen „Schmarotzerbienen“ gehört etwa die Große Blutbiene mit ihrem roten Hinterleib. Fürchten müssen sich Spaziergänger vor Wildbienen freilich nicht. Sie sind friedliebend und stechen nur, wenn ihr eigenes Leben bedroht ist. Zudem ist ihr Stich auch nicht so schmerzhaft wie der einer Honigbiene. „Viele kleinere Arten, wie etwa die Sandbienen, sind auch gar nicht in der Lage, mit ihrem kurzen Stachel die menschliche Haut zu durchdringen“, weiß Wiesbauer. Die bestechende Vielfalt der Wildbienen ist jedoch in Gefahr, da bereits die Hälfte der knapp 700 heimischen Arten als gefährdet gilt. Vor allem die industrielle Landwirtschaft, Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden sind für das Wildbienensterben verantwortlich.

„Wo es früher häufig surrte, summte und brummte, bleibt es heute immer öfters still. Wertvolle Strukturen wie Sandwege, alte Hecken, Totholz- oder Steinhaufen sind in vielen Regionen verschwunden und im Spätsommer fehlt es an Nahrungsquellen“, kritisieren Umweltschützer. Dabei sind Wildbienen in der Natur unentbehrlich und können in Regionen ohne Imker auch einen vollwertigen Ersatz beim Bestäuben der Obstbäume bieten.

Findige Bauern stellen daher neben ihren Feldern immer öfters Nisthilfen für Wildbienen auf und erzielen damit eine bessere Ernte. Hwie