Jetzt anmelden
Der Tod aus dem Sportgeschäft
Die skandinavische Sporthandelskette „XXL Sports and Outdoor“, die hierzulande mit fünf Filialen vertreten ist, bietet neben Fußbällen, Schiern und Fahrrädern auch Waffen wie Jagd- und Sportgewehre sowie Äxte und Messer an. Sie befinden sich unmittelbar neben einer Kinderabteilung, was zahlreiche empörte Eltern auf den Plan gerufen hat. Mittlerweile wurde im Internet die Petition „Keine Waffen im Kaufhaus“ ins Leben gerufen, die von mehr als 400 Menschen unterstützt wird.
Seit Anfang April lockt das Geschäft „XXL Sports and Outdoor“ vor allem Natursportbegeisterte in das vor 140 Jahren gegründete Wiener Traditionskaufhaus Gerngross auf der Mariahilfer Straße. Die Gänge des 3.500 Quadratmeter großen Geschäftes schlängeln sich vorbei an trendiger Sportbekleidung, Fußbällen, Schiern und Schlittschuhen.

Unmittelbar neben der Kinder- und Jugendabteilung sticht dem Besucher jedoch ins Auge, dass hier auch Flinten und Büchsen angeboten werden, das sind Jagd- und Sportgewehre. Sie können, im Gegensatz zu Faustfeuerwaffen wie Pistolen und Revolver, für die ein psychologisches Gutachten notwendig ist, frei ab dem 18. Lebensjahr erworben werden. Zudem sind die Flinten und Büchsen im Geschäft nur unweit von Fahrrädern und Mini-Tretrollern aufbewahrt, die bei Kindern reißenden Absatz finden.

Die Gewehre, die es ab rund 1.000 Euro zu kaufen gibt, sowie die dazugehörige Munition sind zwar in einem versperrbaren Raum, abgeschirmt hinter nicht durchsichtigem Milchglas, deponiert, der erst ab 18 Jahren und nur in Begleitung eines Verkäufers betreten werden kann. Unmittelbar davor gibt es jedoch auch Äxte, Jagdmesser sowie Pfeil- und Bogen-Sets, die für alle Geschäftsbesucher, auch für Kinder, frei ersichtlich sind.

„Das sind amerikanische Verhältnisse. Wie in Supermärkten in den Vereinigten Staaten (USA) werden hier Waffen gleich neben bunten Kinderartikeln angeboten“, kritisiert die dreifache Mutter Astrid Sodomka aus Wien. Sie hat im Internet die Petition „Keine Waffen im Kaufhaus“ initiiert, die mittlerweile von mehr als 400 Menschen unterstützt wird. „Wenn Kinder Waffen vor der Nase haben, werden diese zu etwas Alltäglichem. Letztendlich betrifft es uns alle, denn es passieren immer wieder schreckliche Dinge mit Waffen“, ist Sodomka überzeugt.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Sporthandelskette „XXL Sports & Outdoor“ um ein skandinavisches Unternehmen mit Sitz in Oslo (Norwegen), das seit dem Jahr 2001 mit mehr als 80 Filialen in Schweden, Finnland und in unserem Land vertreten ist. Hierzulande eröffnete 2017 das erste Geschäft, mittlerweile sind es fünf. Neben der Wiener Mariahilfer Straße gibt es Filialen in Pasching (OÖ), Seiersberg (Stmk.), in Vösendorf (NÖ) auf dem Gelände des Einkaufszentrums Shopping City Süd und in der Donaustadt in Wien.

Unser Land haben die Betreiber als Standort ins Auge gefasst, „weil der Markt und die Werte der Menschen hierzulande ähnlich sind wie in Skandinavien, genau wie das Klima und die Vorliebe der Menschen für Natursport.“ Zudem sei die Jagd hierzulande ebenfalls weit verbreitet, erklärt die Sprecherin des Unternehmens, Rafaela Stangl.

Bezüglich des Waffensortiments in den Sportgeschäften versucht Stangl zu beruhigen. „Wir verstehen die Aufregung, sind aber bemüht, niemanden zu verärgern. Grundsätzlich sind alle Waffen, selbstverständlich auch Messer, Pfeil und Bogen sowie Luftdruckgewehre erst ab 18 Jahren erhältlich, womit das Unternehmen gesetzeskonform ist.“

Weil sich Kunden der Filiale in der Mariahilfer Straße über die frei ausgestellten und somit auch für Kinder ersichtlich gewesenen Luftdruckgewehre aufgeregt haben, seien diese mittlerweile ebenfalls in den versperrten Waffenbereich verlegt worden, erklärt Stangl.

Umso mehr regt die Kundin der Paschinger Filiale, Julia Holzbauer, 24, auf, „dass Luftdruckgewehre hier noch immer für alle Geschäftsbesucher frei ersichtlich ausgestellt sind. Ich werde meinen Sohn Niklas, der jetzt eineinhalb Jahre alt ist, davor schützen. Wir werden diese Abteilung meiden.“

„Rechtlich gesehen sind Waffen in einem Sportgeschäft kein Problem, sofern eine Waffengewerbeberechtigung vorliegt“, erklärt der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Wolfgang Schneider.

Erteilt wurde sie von der Magistratsabteilung (MA) 63. Eine Sprecherin bestätigt, „dass seitens der Sporthandelskette ein waffengewerblicher Befähigungsnachweis erbracht wurde und alle gesetzlichen Auflagen erfüllt werden“.

Der Wiener Waffenhändler Markus Schwaiger verweist darauf, „dass sämtliche Waffen inklusive Messern und Luftdruckgewehren in Geschäftsräumlichkeiten ausgestellt werden dürfen, zumal teils auch Waffengeschäfte ihre Ware frei ersichtlich für alle Passanten in Schaufenstern zur Schau stellen.“ Zudem dürften auch jene, die jünger als 18 Jahre alt sind, Waffengeschäfte betreten. rb