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Ein Riese drängt ins Revier
Die aus Nordamerika stammenden Grauhörnchen beginnen sich immer stärker auf Kosten der in Europa heimischen roten Eichhörnchen auszubreiten. In Großbritannien machen die „Grauen“ schon 95 Prozent der gesamten Hörnchenpopulation aus. Und auch bei uns könnten sich die Fremdlinge bald pudelwohl fühlen.
Grauhörnchen sind in London (England) bereits allgegenwärtig. Spaziergänger im Sankt James‘s Park nahe des Buckingham Palastes müssen nicht lange warten, bis ihnen eines der putzigen Tiere über den Weg läuft.

Viele Engländer sind auf die grauen „Puschel“ jedoch gar nicht gut zu sprechen. Denn nach Schätzungen leben nur noch 140.000 rote Eichhörnchen im Vereinigten Königreich, aber mehr als zweieinhalb Millionen Exemplare der grauen Art. Eine eigenverschuldete Misere. Schließlich schleppten Adelige diese Tiere Ende des 19. Jahrhunderts von ihren Reisen aus Nordamerika selbst ein.

„Sie wurden in Käfigen als Haustiere gehalten. Doch so manch einer ließ die Nager frei, wenn er ihrer überdrüssig wurde“, weiß die Biologin Stephanie Johnston. Es dauerte also nur etwas mehr als hundert Jahre, bis die robusteren und größeren Fremdlinge die einheimischen Hörnchen verdrängt hatten. Die Briten nehmen diese Invasion aber keineswegs tatenlos hin. Selbst Prinz Charles kann „den Gedanken nicht ertragen“, dass die „Roten“ wegen der „Grauen“ eines Tages aussterben könnten. Der Thronfolger unterstützt deshalb eine Initiative, die die Grauhörnchen einfangen und medikamentös unfruchtbar machen
will. Andere „wohlmeinende“ Menschen verfolgen rabiatere Ansätze und greifen zur Flinte.

Einige britische Restaurants haben die tierischen Zuwanderer sogar auf ihre Speisekarte gesetzt und bieten „Grauhörnchen in Rotweinsoße“ an. Diese dramatische Entwicklung lässt aufhorchen. Vor allem im Wissen darum, dass es auch in Italien importierte Grauhörnchen gibt.

„Von dort könnten sie sich auch bald in die Schweiz und nach Österreich ausbreiten“, warnt der Biologe Sandro Bertolino, der die Grauhörnchenpopulation in Norditalien untersucht.

Tatsächlich trennen die grauen Riesen derzeit nur noch 15 Kilometer Luftlinie von der Schweiz. Weshalb in Italien die Tiere nun verstärkt gefangen und mit Kohlendioxid eingeschläfert werden.

„Es ist die einzige Möglichkeit, das einheimische Eichhörnchen langfristig zu retten“, betont Bertolino. Zumal Grauhörnchen auch Träger eines Virus sind, der bei ihnen selbst keine Krankheit auslöst, für das europäische Eichhörnchen jedoch tödlich ist.

Laut der Wildtierhilfe in Wien gibt‘s bei uns noch keine Grauhörnchen. „Die Tiere schaffen es derzeit noch nicht über den Alpenbogen“, heißt es. Doch fälschlicherweise nehmen Menschen bereits an, dass ein Hörnchen, das nicht bilderbuchmäßig kastanienbraun ist, automatisch eines von den „Bösen“ ist.

Unsere „Eichkatzerln“ sind allerdings von Natur aus eine bunte Truppe. Am bekanntesten ist freilich das rotbraun gefärbte. Es hat einen weißen Bauch, der sich nie verfärbt. Im Winter wechselt die Fellfarbe dieser Tiere jedoch häufig ins Graue. Es gibt auch europäische Eichhörnchen, die dunkelbraun und fast schwarz gefärbt sind. „Die vermeintlichen Grauhörnchen-Sichtungen haben sich letztendlich stets als Eichhörnchen mit grauer Fellfärbung herausgestellt“, erklärt ein Sprecher der Wildtierhilfe. Hwie