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„Hausi“ sammelt alles
Wer gerne eine Reise in die Vergangenheit machen möchte, für den empfiehlt sich das Museum der Alltagsgegenstände in Stallhof (Stmk.). Von historischen Radios über Uhren, Postuniformen, Spielzeug und sogar Mopeds hat Manfred Hausegger Tausende von Gegenständen gesammelt, die unser Leben über die Jahrzehnte geprägt haben.
Der ist mehr als 40 Jahre im Einsatz gewesen und war dann in Zeltweg (Stmk.) im Militärluftfahrtmuseum zu sehen. Aber jemand hat erkannt, dass er kein militärisches Luftfahrzeug ist, daher hab‘ ich ihn bekommen“, sagt Manfred Hausegger, vor einem riesigen Korb stehend, der in aktiver Zeit an einem noch riesigeren Ballon hing, und erzählt schmunzelnd die Geschichte, wie er zu diesem guten Stück gekommen ist. Brauchen tut er den Korb nicht, denn der 55jährige ist kein Ballonfahrer. Wie er übrigens keines der Dinge braucht, die in seinem Museum zu finden sind. „Beim Sammeln geht es eben nicht ums Brauchen, sondern ums Besitzen“, lacht Hausegger. Und er besitzt einiges. Auf einige tausend Exponate schätzt der Steirer seine Sammlung. Es sind die Dinge des täglichen Lebens, die der gelernte Automechaniker im Laufe der Jahrzehnte angesammelt hat. Die aber eine vergangene und verloren geglaubte Zeit wieder zum Leben erwecken.

„Ich habe in den 1980er Jahren mit dem Sammeln angefangen“, erinnert sich Hausegger. „Zuerst waren es nur kaputte alte Radios, die mich interessiert haben. Die habe ich alle repariert, bis sie wieder funktioniert haben.“ Auch alle historischen Rundfunkempfänger, von denen er allein mehr als 80 Stück in den Regalen stehen hat, sind noch immer funktionsfähig. Eines seiner Prunkstücke ist ein sogenannter Detektor. Der unspektakulärer kaum sein könnte, da ein schwarzer Würfel mit etwa 15 Zentimeter Seitenlänge schon optisch nicht besonders auffällig ist. „Darin sind aber ein Empfangsteil und ein Lautsprecher verbaut. Eine Frequenzskala war ja nicht nötig, da es damals nur einen Sender gegeben hat“, weiß der Sammler zu berichten. „Als Antenne wurde einfach die Dachrinne verwendet.“

Auch der Sohn des leidenschaftlichen Sammlers, Christopher Hausegger, schätzt die Fundgrube, die sich laufend vergrößert. „Das ist wie eine Entdeckungsreise. Oft gehe ich rein, sehe wieder etwas Neues und beschäftige mich damit. Ich schaue im Internet nach und informiere mich, wofür es einmal war“. Zum Beispiel über einen sogenannten Scharolographen, den Hausegger senior auf einem Flohmarkt gefunden hat. „Das ist der Vorgänger der heutigen Kopiergeräte“, erklärt der Junior mit demselben Leuchten in den Augen wie sein Vater, wenn es um alte Technik geht.

Der 55jährige ist stets auf der Jagd nach neuen alten Dingen, von der Schuhpasta bis zum Kult-Holzspielzeug Matador. Ein Vorbeigehen an Gegenständen aus dem Jahre Schnee, ohne sie mitzunehmen fällt dem Sammler schwer. „Das ist angeboren, vererbt von meinem Großvater, der auch gesammelt hat. Er war eigentlich Uhrmacher, hat aber auch alles reparieren können.“

Ein Domizil für seine Schauobjekte hat der Steirer in einem umgebauten Stadl beim Kirchenwirt in seiner Heimatgemeinde Stallhof (Stmk.) gefunden. „Nachdem mir meine Frau angedroht hat, dass sie mich mit meinem ganzen Klumpert vor die Tür setzt“, lacht Hausegger. Der „Kirchenwirt“-Besitzer Bernhard Rößl half seinem Freund aus der Patsche und stellte ihm die Räumlichkeiten zur Verfügung.

Besucher können dank der großen Aufschrift „Museum“ schon von Weitem erkennen, wo diese außergewöhnliche Sammlung von Alltagsgegenständen zu finden ist. Auch genügend Platz ist vorhanden. Oder besser, war vorhanden. Denn die etwa 100 Quadratmeter, aufgeteilt auf zwei Räume, lassen es zwar zu, dass alles schön nach Themen geordnet ist, viel Platz ist aber nicht mehr. Denn die Sammelleidenschaft des Steirers ist ungebrochen. „Ich muss einfach stehen bleiben und nach dem Preis fragen, wenn ich etwas Interessantes am Fetzenmarkt sehe“, sagt Hausegger, den seine Freunde einfach „Hausi“ nennen.

Es sind vor allem die großen Objekte, die viel Platz brauchen. Der Mechaniker hat zum Beispiel einige Puch Mofas und Roller restauriert. Wer sich also noch an die Zeit erinnert, als die himmelblauen DS 50 blaue Wolken nach sich ziehend die Luft verpestet haben, kann in „Hausis“ Museum ein Exemplar bewundern, das aussieht, als wäre es gerade erst von der Fertigungsstraße gerollt.

Zum Glück hat der Sammler sein liebstes historisches Gebrauchsobjekt gar nicht im Museum stehen, sonst wäre der Platz noch knapper. „Ich habe ein altes Puch 500 Cabrio, Baujahr 1962, renoviert“, sagt Hausegger. „Aber das ist noch angemeldet. Mit dem fahre ich jetzt, wenn es wieder wärmer wird, noch selbst herum“, lacht der Sammler.

Für das er immer wieder Anfragen bekommt, ob er es denn nicht verkaufen möchte. Wie er auch schon für seine ganze Sammlung Angebote erhalten hat. Aber das kommt für ihn nicht infrage. „Ich brauch‘ das Geld nicht. Ich bin ja Sammler, kein Händler. Geld macht keinen Spaß, hier im Museum an die Geschichten zu denken, die mir diese Objekte erzählen, schon“, sagt der Steirer und streicht liebevoll mit der Hand über den Puch-Roller. Voranmeldung zur Besichtigung unter Tel.: 0664/4739695 oder beim Kirchenwirt Rößl in Stallhof.