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Soll Impfen zur Pflicht werden?
In Deutschland wird über eine verpflichtende Masern-Impfpflicht diskutiert. In Teilen der Millionenstadt New York (USA) müssen Bürger jetzt nachweisen, dass sie die
Masern-Mumps-Röteln-Impfung erhalten haben. Sonst drohen Geldstrafen bis zu 900 Euro. In Ungarn können Eltern sogar die Kinder vorübergehend entzogen werden, wenn sie die dortige Impfpflicht gegen zehn Erreger nicht einhalten. Bei uns fordert die Ärztekammer eine umfassende Impfpflicht, die Regierungskoalition ist dagegen.
JA: Thomas Szekeres,
Ärztekammerpräsident

Jährlich sterben immer noch etliche Österreicherinnen und Österreicher unnötigerweise, denen eine Impfung das Leben gerettet hätte. Fahrlässig ist es in diesem Zusammenhang, Kinderkrankheiten zu unterschätzen, die bei Verweigerung von Impfungen durch Eltern leider auch zu tödlichen Folgen führen können, die aber durch Schutzimpfungen vermieden werden könnten. Daher trete ich, als der Gesundheit der Menschen verpflichteter Mediziner, für eine generelle Impfpflicht bei allen, im österreichischen Impfplan empfohlenen Impfungen ein. Denn eines ist klar und durch wissenschaftliche Studien zigfach bestätigt: Impfungen retten Menschenleben, schützen vor Infektionskrankheiten und haben in der Vergangenheit gefährliche Infektionskrankheiten unter Kontrolle gebracht oder ausgerottet. Impfungen bringen auch Vorteile für das Gesundheitssystem, da ihm die Kosten für die Behandlung von Infektionskrankheiten erspart werden. Wer sich impfen lässt, übernimmt nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft.“

Nein: Gabriela Schwarz,
ÖVP-Gesundheitssprecherin

„Ich bin für Aufklärung und Gespräche im Vorfeld. Wir wissen aus Untersuchungen und Umfragen, dass sich die Menschen mehr Information auch durch die Ärzteschaft wünschen, vor allem durch die Haus- und Kinderärzte. Es gibt nur äußerst wenige notorische Impfgegner, sondern viele, die dem Impfen positiv oder sehr positiv gegenüberstehen. 46 Prozent der Bürger sehen Impfungen eher positiv, 37 Prozent sehr positiv. 13 Prozent stehen dem Impfen eher negativ gegenüber, drei Prozent sehr negativ. Das Potenzial, das ich sehe, ist, dass wir die Menschen mit einer eher negativen Einstellung davon überzeugen, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen. Und vor allem auch seine Kinder impfen zu lassen. Die drei Prozent, die sehr negativ eingestellt sind, werden schwierig zu erreichen sein. Und ich rechne nicht damit, dass das mit sogenannten Zwangsmaßnahmen möglich ist. Ich glaube aber, dass wir bei der Durchimpfungsrate noch Luft nach oben haben. Auch bei den Gesundheitsberufen gibt es noch Mankos. Gerade in diesem Bereich müsste genügend Verständnis dafür da sein, dass sie sich selbst und andere nicht gefährden.“