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Zwei Kärntnerinnen im Lavanttal machten aus der Not eine Tugend. Weil maschinell hergestellte Körbe das Gewicht ihrer Produkte nicht tragen konnten, tat sich die Landwirtin Sonja Tauscher mit der Floristin Ulrike Potocnik zusammen. Gemeinsam ließen sie das alte Handwerk des Korbflechtens wiederauferstehen.
Der wird ungefähr 20 Zentimeter hoch“, zeigt Ulrike Potocnik ein Gebilde, das im Moment noch wie ein Igel mit Haarausfall aussieht. Aus einer Sperrholzplatte ragen aus Löchern, die am Rand gebohrt sind, etwa einen Zentimeter dicke Zweigerln empor. Was jetzt noch etwas traurig aussieht, wird unter den geschickten Händen der 56jährigen Kärntnerin ein schöner Osterkorb. Vor drei Jahren hat die Floristin das alte Handwerk des Korbflechtens erlernt. „Schuld“ daran war Sonja Tauscher, Landwirtin in St. Johann im Lavanttal (K).

„Maschinell hergestellte Geschenks-Körbe haben das Gewicht unserer Produkte einfach nicht getragen. Deshalb suchte ich nach einer anderen Lösung. In Ulrike habe ich dann die perfekte Geschäftspartnerin gefunden, weil sie es genauso liebt wie ich, schöne Dinge zu gestalten“, erzählt die Bäuerin, die auf ihrem Raderbartel-Hof Apfelsaft, Edelbrände, Essig und Most herstellt, aber auch Sirup und Zwetschken- sowie Beerenmarmeladen. Dank Potocniks Fingerfertigkeit kann die 46jährige ihre Naturprodukte nun passend präsentieren.

Dazu ist einiges an Wissen nötig. Das fängt schon bei der Auswahl des Materials an. „Perfekt zum Korbflechten eignet sich die Kopfweide, deren Äste weich und biegsam sind. Diese Baumart wächst bei uns im Lavanttal“, erklärt Potocnik. „Wenn ich sie stutze, bilden sie wieder neue Ruten aus.“ Was im Sinne der Nachhaltigkeit ohnehin zu begrüßen ist, ist im Fall der Kopfweiden aber noch wichtiger, denn diese Pflanzen sind mittlerweile selten geworden und die beiden Frauen wollen sich ja durch Raubbau nicht ihre Geschäftsgrundlage selbst entziehen. „Ungefähr 50 Ruten, wobei jede an die 150 Zentimeter lang ist, benötige ich für einen Korb, der eine Größe von 25 Zentimetern Durchmesser hat“, erklärt Potocnik.

Zu Bündeln gebunden lagern die Ruten aufgestellt an der Wand von Tauschers schmuckem Bauernhaus. „Es ist wichtig, dass die Äste im Schatten stehen, denn durch die Sonneneinstrahlung würden sie sich verbiegen. Ungefähr zwei Monate dauert es, bis die Weidenruten ganz durchgetrocknet sind. Das ist für das Flechten des Korbes notwendig, denn nur auf diese Weise wird er kompakt und hat keine Lücken“, erklärt die Landwirtin.

Bevor sich die Floristin Potocnik ans Flechten macht, müssen die Ruten bis zu zehn Tage ins Wasser. Dafür haben die beiden Damen einfach einen alten Schweinetrog umfunktioniert. Damit die Äste auch unter Wasser bleiben, beschwert sie Potocnik mit einem Eisengitter. „Ich werde immer wieder gefragt, was das für einen Sinn macht, die Ruten zuerst zu trocknen und anschließend wieder ins Wasser zu legen. Der Hintergrund ist, dass die Äste damit die perfekte Feuchte für die Weiterverarbeitung haben. Würden sie gleich nach dem Schneiden geflochten, bekäme ich einen ganz verzogenen Korb. Und das will doch auch niemand“, schmunzelt die 56jährige.

Und dann muss es schnell gehen. „Pro Korb darf ich nicht länger als 15 Minuten brauchen, sonst trocknen die Ruten wieder“, erklärt die Expertin, die zuerst für den Bodenkorb eine runde oder ovale Sperrholz-Platte ausschneidet. Danach bohrt sie eine ungerade Anzahl von Löchern am Rand hinein. Für diese Löcher wird dann die Zahl der erforderlichen Ruten ermittelt. „Die Äste führe ich dann von unten durch die Löcher und zwar so, dass Schlaufen entstehen. Die letzte Rute wird dann anschließend noch zur Sicherung der restlichen Äste durch die Schlaufen am Boden geflochten. Dadurch kann nichts mehr herausrutschen“, erklärt Potocnik die ersten Arbeitsschritte. Das Flechten selbst beginnt sie an einer beliebigen Stelle. Dabei legt sie nun abwechselnd einen Weidenzweig von vorne und von hinten um die hochstehende Rute. Nach jedem Schlag schiebt sie das Flechtwerk fest nach unten, damit ein stabiles Geflecht entsteht. Ist die Floristin schließlich an der gewünschten Höhe angelangt, verlegt sie die herausragenden Enden der stehenden Ruten in das Geflecht. „Jetzt wird er nur noch mit Olivenöl imprägniert und dann ist der Korb fertig“, sagt sie und hält zufrieden ihr Werk in den Händen.

Um ihren Körben eine eigene Note zu geben, hat sich die Kärntnerin einiges einfallen lassen. „Oft binde ich einen Hartriegel-Zweig mit ein. Der hat eine äußerst schöne, rötlich Farbe. Und für den Griff verwende ich gerne die außergewöhnlich geschwungenen Äste einer Korkenzieherweide“, sagt Potocnik. Zwischen € 20,– und
€ 35,– kosten die Weidezweig-Körbe. „Früher waren Körbe in Haus und Stall nicht wegzudenken. Mit unseren handgemachten Weidenkörben lebt diese alte Tradition wieder auf. Ob als Osterkorb, Obstkorb oder Blumentopf – die Verwendungsmöglichkeiten sind vielseitig“, sagt Sonja Tauscher, die ein weiteres Naturprodukt für sich entdeckt hat. Aus Heu fertigen die beiden Frauen auch Osterhasen, Küken, Eulen, Katzen oder sogar Elefanten. „Die Ideen gehen uns nicht aus“, lacht Potocnik.