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Holland im Rausch der Blüten
In den Niederlanden dreht sich im Frühjahr alles um die Blumen. Im Keukenhof in Lisse findet die größte Blumenschau der Welt statt, in Aalsmeer die größte Blumenversteigerung der Welt und in der Provinz Flevoland fahren Besucher auf der Tulpenroute durch das größte Blumenzwiebelfeld des Landes.
Den schönsten Stau in den Niederlanden gibt es am 13. April. An diesem Tag rollen Blumenbeete durch die Straßen. Dieses duftende Farbspektakel nennt sich Blumenkorso. Aus Tausenden Blumen zaubern die Niederländer originelle Motive, die auf prunkvoll geschmückten Wagen durch die Landschaft gezogen werden.

Der Umzug beginnt recht früh in Noordwijk und rollt bis ins 40 Kilometer entfernte Haarlem. Unterwegs kommt der Blumenkorso beim Keukenhof in Lisse vorbei. Es ist der größte Blumengarten Europas, der vor allem der bekanntesten Blume der Provinz Südholland, der Tulpe, gewidmet ist.

Blütenpracht im Keukenhof

Er hat jährlich nur acht Wochen lang geöffnet. Seit Mitte März können ihn Besucher bestaunen, geschlossen wird er am 19. Mai. Vierzig Gärtner pflanzen jedes Jahr sieben Millionen Blumenzwiebeln an. Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und Krokusse. „Nach der Saison werden die Blumenzwiebeln aus dem Boden genommen und im Frühling neu verlegt. So entstehen immer neugestaltete Beete“, erzählt Alexandra Johnen vom Holländischen Tourismusverein.

Die Zwiebeln werden in mehreren Schichten übereinander gepflanzt. Oben kommen die Frühblüher hin, darunter die Spätblüher. „Auf diese Weise gewährleisten
wir ein zweimonatiges Farbenspektakel“, erzählt die Niederländerin. In diesem Jahr feiert der Park sein 70jähriges Jubiläum. Ein Höhepunkt ist das Blumenmosaik „Flower Power“. Es zeigt eine junge Frau mit Blumen im Haar.

Die eindrucksvollsten Züchtungen finden sich im „Königlichen Beet“, in dem auch die im Jahr 1912 vorgestellte Tulpe „La Reine Máxima“ blüht. Der Züchter muss ein Hellseher gewesen sein, denn die heutige Königin der Niederlande trägt denselben Namen.

An vielen Stellen wird die enge Verbundenheit mit dem Königshaus deutlich. Die Pavillons, in denen Orchideen, Lilien, Narzissen und Nelken erblühen, tragen etwa die Namen von König Willem-Alexander, Prinzessin Beatrix und Prinzessin Juliana.

Auf dem Fahrrad die Tulpenfelder erkunden

Wer sich an dieser Blumenpracht nicht satt sehen kann, mietet sich beim Keukenhof ein Fahrrad (15 Euro pro Tag) und radelt entlang der umliegenden Tulpenfelder. Es gibt vier verschiedene Routen, die zwischen fünf und 40 Kilometer lang sind.

Obwohl den Blumen nirgendwo derartig gehuldigt wird wie im Keukenhof, ist er trotzdem nicht das größte Blumenzwiebel-Anbaugebiet der Niederlande. Das befindet sich in der Provinz Flevoland. Auf der Tulpenroute können Besucher im Auto, auf dem Fahrrad oder zu Fuß die Frühlingsblüher bestaunen. Die Routen sind während des Tulpenfestivals von 13. April bis 5. Mai ausgeschildert. „Es gibt mehr als 100 Kilometer lange, farbenprächtige Felder zu entdecken. Die Besucher können an einigen Aktivitäten teilnehmen. Sie dürfen sich in Pflückgärten ihren eigenen Tulpenstrauß zusammenstellen oder sich von den Bauern in die Geheimnisse der Tulpenaufzucht einweihen lassen“, erzählt Johnen.

Die weltweit größte Blumenversteigerung

Die Züchter legen viel Wert darauf, dass ihre Blumen eine gute Qualität haben. Denn die duftenden Pflanzen kommen bei der größten Blumenversteigerung der Welt unter den Hammer. Täglich werden in Aalsmeer, nahe des Amsterdamer Flughafens, 30 Millionen Stück Blumen versteigert.

Die Mitarbeiter wuseln auf kleinen Elektrofahrzeugen durch die riesige Halle. Sie ziehen Kartons gefüllt mit Blumen hinter sich her, die zum Verkauf angeboten werden. Die Besucher können die Versteigerung verfolgen. Der Blick der Käufer richtet sich auf die Versteigerungsuhr, die Auskunft über die zu verkaufende Blume und den Preis gibt. Wer als Erster auf den Kaufknopf drückt, erhält den Zuschlag.

Die Anreise zur Versteigerung, dem Keukenhof und zur Tulpenroute gelingt bequem von Amsterdam, entweder mit dem Zug oder dem Bus. Die quirlige Hauptstadt der Niederlande ist bekannt für ihre Grachten. Die Kanäle sind die Lebensader der Stadt. Besucher können bei einer Fahrt die Stadt von einer anderen Perspektive aus erkunden. „Bei manchen Brücken müssen sie aber den Kopf einziehen“, schmunzelt die Niederländerin, die für Lauffaule einen Tipp parat hat. „Steigen Sie in die Straßenbahnlinie Nummer 2 ein. Sie führt an den beliebtesten Sehenswürdigkeiten wie dem Königlichen Palast, dem Van Gogh Museum und am Eingang zum Vondelpark, dem größten Stadtpark, vorbei.“

Am Nationalfeiertag, dem Königstag am 27. April, gehört der Vondelpark den Kindern. Sie veranstalten einen Flohmark und verkaufen ihre alten Spielsachen und Kleidungsstücke. Manche unterhalten die Besucher auch mit musikalischen Darbietungen. widlak