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Schönes aus der Opernwelt mit der herausragenden
Elina Garanca, 42
Sie ist eines der Aushängeschilder der Oper. Die aus Lettland stammende Mezzosopranistin Elina Garanca. Die 42jährige Mutter zweier Töchter im Alter von vier und acht Jahren pendelt zwischen ihrer fürsorglichen privaten Rolle und jener der gefeierten Sängerin auf der Bühne hin und her. Ein täglicher Drahtseilakt. Dies hat sie zum Thema ihres neuen Buches „Zwischen den Welten“ gemacht, das im ecowin-Verlag erschienen und jetzt im Handel erhältlich ist. Eine schöne Lektüre, die tiefe Einblicke in das Seelenleben einer Künstlerin gibt. Darüberhinaus singt sie an der Wiener Staatsoper eine schöne Rolle, eine Traumrolle, wie sie sagt, die „Santuzza“ in „Cavalleria Rusticana“ (am 15., 18. und 23. März). Anlass für ein Gespräch über das Schöne im Leben.
Frau Garanca, beginnen wir mit dem aufregend Schönen einer neuen Rolle wie jener der „Santuzza“ in der Oper „Cavalleria Rusticana“. Warum ist das für Sie eine Traumrolle?
Es ist ein Glücksgefühl, Melodien, die ich schon seit vielen Jahren liebe, jetzt in der Kehle zu spüren. Es ist eine schöne Produktion.

Die Santuzza ist eine verschmähte Frau, deren Liebe nicht erwidert wird. Was ist das Schöne daran?
(lacht) Santuzza behält ihre eigene Würde, ihre Moral, was richtig und falsch ist. Sie verkauft sich nicht. Als Ausgestoßene in diesem sizilianischen Dorf, wo die Handlung spielt, könnte sie ja irgendwo ein neues Leben beginnen. Aber sie sagt, nein, das ist falsch, was der Mann macht, und sie stellt sich der Situation. Sie ist keine wilde Rasende, die dem Mann auch nicht den Tod wünscht.

Das aufregend Schöne einer Premiere?
Die Nervosität kommt wellenartig. Da sitze ich beim Frühstück und auf ein Mal spüre ich – oah. Irgendwann komme ich ins Theater, dann schminke ich mich, dann bin ich entspannt. Außer ich bin erkältet. Dann werde ich gerufen und gehe hinter die Bühne. Das geschieht meistens fünf bis zehn Minuten vor dem Auftritt, damit wir pünktlich dort sind. Bis dann der Inspizient sagt: „Achtung“ – das bedeutet, der Auftritt steht unmittelbar bevor. Da schießt das Adrenalin ein. Und die Emotionen schießen von null auf 250. Bis der erste Ton gesungen ist und ich merke, alles ist in Ordnung, ich bin angekommen. Jetzt geht es los.

Sie wirken äußerst ausgeglichen – können Sie streiten?
Oh ja, ich kann streiten und an die Grenze gehen. Aber ich bin kein Mensch, der einem anderen etwas Böses oder gar den Tod wünscht. Da bin ich gleich wie die Santuzza.

Etwas anderes Schönes, die Schönheit der Melancholie. In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie immer wieder den Tränen freien Lauf lassen. Dürfen Ihre Mädchen Katie, 8, und Cristina, 4, diese Tränen sehen?
Wenn ich zu Hause bin, habe ich keine Zeit für Tränen. Alles, was mich persönlich betrifft, wird daheim auf Eis gelegt. Ich schalte mich aus, die Kinder stehen im Mittelpunkt. Aber natürlich haben sie mich weinen sehen, etwa als meine Mutter starb. Emotionen sind wunderschön und wir können nicht nur glücklich sein. Diese Schwermut befällt mich, wenn ich beruflich alleine bin. Wenn ich nach einem langen, harten Arbeitstag zurück in meine angemietete Wohnung komme und mir ein bisschen selbst leid tue.

Würden Sie sagen, dass die Tränen Ihre Seele reinigen?
Ja, doch, es ist ein gewisses Loslassen. In uns entsteht eine Spannung, die irgendwann gelöst werden muss. Es ist wie beim Lachen. Wenn jemand lachen muss und es unterdrücken will. Irgendwann platzt es heraus. So ist es mit den Tränen und der Melancholie.

Wie ist es mit dem anstrengend Schönen, wenn Sie mit Ihren Kindern spielen und am Boden einschlafen …
Das ist mir tatsächlich passiert, ja. Wenn die eine Zähne bekommt und die andere was zu essen möchte, wird die Nacht kurz. Es gibt Tage, da bin ich so müde, dass ich sogar im Bett neben meinem Mann Karel einschlafe und er denkt, mein Gott, die ist jetzt aber sauer (lacht).

Und wie wirkt das beruhigend Schöne des Bügelns?
Für mich ist das was derart mechanisch Schönes, weil ich alle diese zerknitterten Wäschestücke aufarbeite. Es ist ein unglaublich beruhigendes Gefühl. Ich bügle leidenschaftlich gerne. Vor allem vor einer Premiere. Auch beim Auswendiglernen muss ich etwas monoton nebenher tun. Mich nur aufs Lernen zu konzentrieren, funktioniert nicht.

Gelingt es Ihnen, alle Hemden und Bettlaken faltenfrei zu bekommen?
Ich versuche es. Und es dürfte gelingen, mein Mann sagt, niemand bügelt besser als ich. Ich hoffe, dass es wahr ist (lacht). Ein gewisser Hang zum Perfektionismus ist mir aber schon wichtig.

Gilt das für alle Lebensbereiche?
Ja und nein. Ich bin entspannter geworden. Für mich sind heute nur noch eine saubere Küche und ein sauberes Badezimmer wichtig, den Rest kann ich unterdrücken. Kalkflecken auf dem Wasserhahn machen mich verrückt.

Wenn es um schöne Früchte aus dem eigenen Garten geht. Haben Sie für heuer schon in Ihren Beeten im Haus in Spanien Gemüse ausgesät?
Doch, aber nicht alles, weil es noch ein paar kalte Nächte gab. Zwiebel, Rucola und Radieschen, auch Spinat habe ich schon angesetzt. Wenn ich aber Ende März mit meinen
Aufführungen fertig bin, werde ich noch Paradeiser, Auberginen, Salate und anderes Gemüse in die Erde
geben.

Haben Sie keine Scheu, sich schmutzig zu machen?
Ach wo, ich trage bei der Gartenarbeit auch nie Handschuhe. Ich kann damit nicht arbeiten. Ich muss die Erde spüren. Natürlich brauchen die Hände danach sorgsame Pflege.

Und das schöne Gefühl, einmal acht Stunden schlafen zu können?
Die Stimme Elina braucht acht Stunden Schlaf, um wieder Spannung zu bekommen. Die Mama Elina kommt mit sechs Stunden Schlaf aus.