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„Frauen werfen mir noch Schlüpfer auf die Bühne“
Weiter, immer weiter. Am Montag, dem 18. März, wird Peter Kraus 80 Jahre alt. Doch der gebürtige Münchener (D), der einst als Teenager den Rock ‘n’ Roll in den deutschsprachigen Raum brachte, denkt gar nicht daran, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Lieber rüstet er sich für seine nächste große Tournee …
Herr Kraus, vor fünf Jahren waren Sie unter dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ auf Tournee. Jetzt folgt „Die Große Jubiläumstour“ auf Basis Ihres Programmes „Schön war die Zeit! Die Kulthits der wilden 50er & 60er“. Haben Sie es aufgegeben, Ihren Abschied von der Bühne zu verkünden?
Meine Anhänger lassen mich nicht aufhören. Vor fünf Jahren hatte ich wirklich den Gedanken, es langsam ausklingen zu lassen. Aber dann kam die Idee, eine Tournee mit meinen liebsten Klassikern aus den 50er und 60er Jahren zu machen, darunter sind Stücke von Bill Ramsey, Tom Jones oder Vico Torriani und natürlich auch einige von mir. Es macht mir viel Spaß, die alten Lieder zu singen. Im Programm werden wir auch „Die Straße der Vergessenen“ haben, das ist das erste Lied, das ich überhaupt in meinem Leben aufgenommen habe. Das war im Jahr 1956.

Aber ernsthaft wollen Sie auch gar nicht Schluss machen, oder?
Nein, eigentlich nicht. Aber in meinem Alter kann immer was passieren, und wenn ich es auf der Bühne nicht mehr bringe, den Hüftschwung nicht mehr packe, dann höre ich wirklich auf. Nur dafür bewundert zu werden, noch gerade stehen zu können, das ist nicht mein Ziel. Jetzt freue ich mich jedenfalls, die alten Nummern aufleben zu lassen. Dann schauen wir einmal. Irgendwann muss ja einmal Schluss sein, sonst kriege ich Ärger mit meiner Frau. Sie ist auf Tourneen immer mit dabei und die gute Seele im Hintergrund. Allerdings hat sie vom Tingel-Tangel-Leben langsam die Nase voll. In letzter Zeit sagt sie öfter: „Langsam pack ich es nicht mehr, jetzt reicht‘s dann.“

Ist für Sie das Gefühl oben auf der Bühne noch das gleiche wie mit 17 Jahren?
Ja. Das verändert sich nicht. Zu singen und in die Gesichter glücklicher Frauen zu blicken, das ist mit 80 genauso schön wie als Teenager. Es fliegen sogar noch Schlüpfer auf die Bühne. In allen erdenklichen Größen (lacht).

Wundern Sie sich manchmal, wie schnell die Zeit vergangen ist?
Ja, aber ich kann sagen, dass ich mein Leben bis hierher ausgekostet habe. Ich habe wirklich viel erlebt. Das Leben war und ist bunt.

Sie waren in den 50er Jahren mit dafür verantwortlich, dass der Rock ’n’ Roll auch im deutschsprachigen Raum populär wurde.
Was war der Rock ’n’ Roll für Sie?
Ein Aufstand. Eine Revolution. Plötzlich mussten wir nicht mehr die Musik unserer Eltern hören, sondern hatten unsere eigenen Hits. Ich habe den Rock ‘n‘ Roll mit 15 Jahren entdeckt und war sofort begeistert. Mit 16 wollte ich zusammen mit Freunden eine Band gründen. Es gab noch nicht einmal elektrische Gitarren, also habe ich mir meine erste Gitarre selbst gebastelt, mit einem zum Verstärker umgebauten Radio. Das war ein Riesenspaß. Dann kam die Schauspielerei, und eigentlich wollte ich ja am liebsten Regisseur werden. Dass ich im reifen Alter noch auf der Bühne stehen und Rock-‘n‘-Roll-Songs singen würde, hat sich damals niemand vorstellen können – ich auch nicht. Doch ich bin immer wieder zu dieser Musik zurückgekommen, und nach wie vor gefällt sie mir besser als alles andere.

Welche Musik hören Sie im Auto?
Gar keine. Ich kann mich beim Musikhören nicht auf andere Dinge konzentrieren. Untermalungsmusik läuft bei uns zuhause nicht, und im Auto schon gar nicht. Ich mag Ruhe. Ich meide auch Kaufhäuser, in denen ich mit Musik berieselt werde.

Würden Sie sagen, dass Ihr Leben als Teenager ein Traum war?
Ja, schon. Ich habe das genossen. Heute hast du ja schon Neunjährige, die auf der Internet-Plattform YouTube schwerreich werden. Aber damals war so eine Karriere für einen 16jährigen eine Sensation. Ich habe viele schöne Erinnerungen, auch an meine Arbeit als Schauspieler. Größen wie Heinz Rühmann und Hans Albers waren gewissermaßen meine Lehrer. Ich sehe mir meine alten Filme aber nicht an.

Sie werden am 18. März 80 Jahre alt und feiern am 1. Oktober mit Ihrer Frau Ingrid die Goldene Hochzeit, also 50 Jahre Ehe.
Worauf freuen Sie sich mehr?

Also, 50 Jahre verheiratet zu sein, das ist schon beachtlich, oder? Meine Frau bekommt einen Orden.

Wofür hat sie ihn verdient?
Ist es so schwer mit Ihnen?

Meine Frau hat es mit mir schwerer als ich mit ihr. Das bedingt mein Beruf. Und doch: Unsere Ehe läuft gut, und wir sind nach wie vor wie die Turteltauben. Ingrid ist für mich da und hilft in jeder Situation. Sie ist Ehefrau, Mutter, Geliebte, alles in einer Person. Als wir geheiratet haben und der Micky zur Welt kam (1973 wurde Sohn Mike geboren), hat sie ihren Beruf als Fotomodell an den Nagel gehängt und ist Ehefrau und Hausfrau geworden. Das hat sich ja heute verändert. Ich glaube, es erschwert eine Ehe, wenn beide Partner arbeiten.

Welche Stürme des Lebens mussten Sie in den 50 Jahren gemeinsam durchstehen?
Das war sicher der Tod unserer Tochter. Er hat uns zusammengeschweißt, weil sich ihr Leiden auch über eine lange Zeit hingezogen hat. Wir wussten, dass wir für Gaby alles getan hatten, aber uns war ebenso klar, dass das alles nichts bringen würde. Du heuchelst der Tochter vor, dass du alles dafür tun wirst, dass sie wieder gesund wird. Aber hinter den Kulissen sagen dir die Ärzte: „Wir können es versuchen, aber es wird nichts bringen.“ Das war ganz, ganz schrecklich.

Wie hält es ein wilder Rock ’n’ Roller mit der guten, alten ehelichen Treue?
Als ich mit der Ingrid zusammenkam, hatte ich mich wirklich ausgetobt. Das war ein schöner Lebensabschnitt, aber ich war das auch ein bisschen leid. Etwas anderes musste her, eine feste Beziehung. Die Ehe war ein radikaler Schnitt für mich, sie hat alles geändert, ich hatte nun Familie und ein neues Leben. Ich kenne Menschen, die versuchen, ihr ganzes Leben so zu verbringen, als seien sie 20. Das war nie mein Wunsch. Veränderungen machen das Leben doch erst interessant.

Haben Sie gleich gewusst, dass Ingrid die Richtige für Sie ist?
Ingrid war zuvor schon einmal verheiratet, hatte aber eine unglückliche Ehe. Das wollte sie nicht noch einmal erleben. Deshalb hat sie zu mir erst Ja gesagt, als sie sicher war, mit mir wirklich langfristig glücklich werden zu können. Und bei mir war es so, dass ich schon früh ein sogenannter Star war und dadurch – sagen wir, das erotische Leben für mich ein bisschen früher begonnen hatte, als es damals üblich war. Dadurch hatte ich mir die Hörner schon abgestoßen. Ganz ehrlich, ich war einfach scharf darauf, eine glückliche Ehe zu führen. Und meine Frau auch.

War es für Sie nicht schwierig, als einstiger Teenager-Schwarm dann eine ganz normale Ehe zu führen?
Natürlich war das schwer. Mein Leben änderte sich ja radikal. Ich hatte in so jungen Jahren meine Karriere begonnen, dass ich keine gleichaltrigen Kollegen fand. Ich war eigentlich nur von alten Männern wie Bill Ramsey oder Vico Torriani umgeben. Die habe ich zwar verehrt, aber es waren eben alte Herren. Was sollte ich mit ihnen anfangen? Also habe ich in meiner Freizeit eben mein Dasein als Teenager-Schwarm ausgelebt. Aber ich habe nie in einer Stadt gelebt, in der ich dauernd mit Kollegen aus der Branche zusammen war. Wenn ich zurückdenke, war ich ein Einzelgänger. Auch mit meiner Frau spreche ich nicht über Musik. Ich glaube, dass das schon viel geholfen hat in unserer Ehe, dass ich zu Hause ein ganz normaler Mensch bin.

Wie leben Sie denn heute?
Dem Alter angepasst. Ich lebe am Luganersee (Schweiz) und in Gamlitz in der Südsteiermark, südlich von Graz an der Grenze zu Slowenien. Dort haben wir einen Bauernhof mit Tieren und einen Weinberg. Ich baue dort meinen eigenen Wein am Labitschberg an, der schmeckt super.

Sind Sie ein Weinkenner?
Kenner nicht, aber Liebhaber. Meine Frau kennt sich besser aus, sie hat einen feinen Geschmack. Dafür vertrage ich mehr.

Was ist mit fast 80 besser als mit 40?
Ich kümmere mich viel stärker als früher um meine Freundschaften.

Holen Sie da auch was nach?
Nein, so viele Freunde von früher sind gar nicht mehr da oder zu müde. Fast alle meine Freunde sind heute wesentlich jünger als ich. Wobei ich nicht das Gefühl habe, dass die jünger sind.

Sie halten gut mit?
Ja. Ich treibe viel Sport, fahre am liebsten Schi – auf dem Wasser und auf Schnee. Ich bin fit. Meine innere Unruhe treibt mich an. Ich muss immer was zu tun haben. Übungen im Fitnessstudio sind mir zu langweilig. Wasserschi ist ja eigentlich ein verrückter und relativ gefährlicher Sport, und das Wasser kann mehr weh tun, als man glaubt, trotzdem: Ich liebe das. Was mich auch begeistert, ist das Elektro-Fahrrad. In der Südsteiermark haben wir schöne, knackige Hügel.

Können Sie auch einmal nichts tun?
Nur, wenn ein spannendes Fußballspiel zu sehen ist.

Werden Sie Ihren Geburtstag feiern oder fahren Sie weg?
Nein, wir machen ein Fest. Zwei sogar. In München (D) bei meinem Freund Alfons Schuhbeck, und dann noch in der Steiermark, in Graz, mit ganz vielen Freunden, die nichts mit der Unterhaltungsbranche zu tun haben.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich habe nicht mehr den Drang, die Welt zu erobern und weiß Gott wohin zu fahren. Ich genieße lieber das, was ich habe. Meine Oldtimer, meine Hobbys, meine Familie. Ich möchte mich wieder mehr der Malerei widmen, zudem schraube ich gerne an meinen Autos herum. Noch lieber fahre ich sie aus.

Welcher ist Ihr liebster Oldtimer?
Ein AC Bristol „Cobra“. Das ist ein englischer Sportwagen Baujahr 1959. Weltweit wurden nur 250 Stück gebaut.