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Wie sich der tückische Darmkrebs verhindern lässt
Bis zu fünftausend Menschen erkranken jährlich in unserem Land an Darmkrebs, etwa dreitausend sterben daran. Die wirksamste Hilfe zur Vorbeugung dieser häufig auftretenden Krebsart ist die Darmspiegelung. Sie rettet Leben, wie jenes des bekannten Tenors Placido Domingo. Seit der Entdeckung und Entfernung seines Tumors ermutigt er andere zur Vorsorge.
An die Möglichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, hatte ich nie gedacht. Ich hatte nie Schmerzen oder Beschwerden. Nun, die Darmspiegelung hat mein Leben gerettet“, erzählt der spanische Opernsänger Placido Domingo und erinnert sich an die Diagnose, die ihm vor neun Jahren die Ärzte des Mount-Sinai-Krankenhauses in New York (USA) mitgeteilt hatten. Bei dem heute 78jährigen Tenor wuchs ein bösartiger Polyp in der Darmwand, rechtzeitig entdeckt bei einer Kontrolluntersuchung. Der Tumor wurde entfernt und Domingo gilt heute als geheilt. Aus Dankbarkeit über die „Rettung“ engagiert sich der sympathische Sänger ehrenamtlich in der Vorsorge und wird nicht müde, auf die Sinnhaftigkeit der Darmspiegelung hinzuweisen.

Tatsächlich gibt es nur wenige Krebsarten, die weitgehend vermieden werden können. „Darmkrebs ist eine solche Krebsart. Deshalb appelliere ich, keine Ausreden mehr. Nehmen Sie ab dem 50. Lebensjahr das Angebot einer Vorsorge-Darmspiegelung wahr“, betont Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda und rät, alle sieben bis zehn Jahre zur Koloskopie zu gehen. Dabei können Polypen, also mögliche Darmkrebsvorstufen, erkannt und abgetragen werden. Der Darmkrebs hat keine Chance. Was Sie über Darmkrebs und die Vorsorge wissen sollten, lesen Sie hier.

Darmkrebs wächst langsam
Darmkrebs entsteht häufig aus Darmpolypen, Wucherungen der Darmschleimhaut, die pilzähnlich in den Darmraum wachsen. Meist handelt es sich um gutartige Adenome, die aber auch flach an der Darmwand wachsen können. Statistiken zeigen, von 1.000 großen Adenomen werden jährlich zwischen 30 und rund 400 zu einem Krebs. „Das Glück ist, dass die Entwicklung viele Jahre braucht. Ein kleiner Polyp wächst fünf bis zehn Jahre. Fünf Jahre später wird Darmkrebs daraus“, sagt Dr. Monika Ferlitsch von der Med-Uni Wien.

Symptome, die ernst zu nehmen sind
Dickdarmkrebs besteht meist lange, ohne Beschwerden zu verursachen. „Warnsignale sind Blut am oder im Stuhl, anhaltender Durchfall und eine plötzlich auftretende Verstopfung, der Wechsel von Durchfall mit Verstopfung, auffallend dünner Stuhl („Bleistiftstuhl“), unerklärlicher Gewichtsverlust, krampfartige Bauchschmerzen, die mehr als eine Woche andauern. Blässe und Blutarmut können darauf hinweisen, dass der Darm längere Zeit unbemerkt blutet“, verrät Dr. Paul Sevelda. Selten sind Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen Symptome, meist bei Befall der oberen Darmabschnitte.

Rauchen erhöht das Risiko deutlich
Neben einem Alter jenseits der 50 Jahre, ballaststoffarmer und fettreicher Kost, wenig Bewegung, Darmkrebsfällen in der Verwandtschaft und chronisch entzündlichen Erkrankungen der Darmschleimhaut (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) begünstigen Übergewicht und Rauchen Darmkrebs. Obwohl Männer fast doppelt so häufig von Adenomen betroffen sind, haben Raucherinnen ein deutlich höheres Risiko (75 bis 100 Prozent), eine Vorstufe für Darmkrebs zu entwickeln als Nichtraucherinnen, besagt eine Studie der Uniklinik in Wien.

Ein Stuhltest spürt verstecktes Blut auf
Der Okkult-Test hilft, verstecktes (= okkultes) Blut im Stuhl aufzuspüren. Er erstreckt sich über drei Tage, an denen Nahrungsmittel zu meiden sind, die ein positives Ergebnis hervorrufen können wie rohes Fleisch, Paradeiser und andere Lebensmittel sowie hohe Dosen Vitamin C. Das Papierstreifenset besteht aus drei Stuhltestbriefen. In jedes Testfeld wird eine kleine Stuhlprobe aufgetragen, verschlossen und beim Arzt abgegeben. Im Labor werden kleinste Blutmengen im Stuhl festgestellt. Die hohe Sensibilität des Tests kann allerdings zu
Fehlinterpretationen führen. Ein positiver Befund bedeutet nicht immer Darmkrebs. Er kann auf Hämorrhoiden
oder auf Blutungen des Magen-Darm-Traktes hinweisen.
Doch ein negativer Befund ist kein Beweis dafür, dass kein Krebs vorliegt, weil ein Tumor nicht immer bluten muss. Der Test ist ab dem 40. Lebensjahr empfohlen.

Gütesiegel für die sanfte Darmspiegelung
Die Darmspiegelung ist die sicherste Möglichkeit, um nach Darmkrebs und seinen Vorstufen zu suchen. „Nur Ärzte, die den ganzen Dickdarm untersuchen, viele Polypen entdecken und sie richtig entfernen, können Dickdarmkrebs durch die Darmspiegelung verhindern. Am wichtigsten für die Patienten ist die Gewissheit, dass die Untersuchung schmerzlos ist. Alle diese Aspekte werden für das ‚Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge‘ überprüft“, sagt Dr. Monika Ferlitsch. Die „sanfte“ Koloskopie ist die Untersuchung mit Kurzanästhesie und daher schmerzfrei. Landesweit gibt es mehr als zweihundert Untersuchungsstellen mit Gütesiegel.

Die Sterblichkeit an Darmkrebs sinkt
In den vergangenen zehn Jahren ist die Rate der Neuerkrankungen bei Darmkrebs um knapp zwanzig Prozent gesunken, die Sterberate um fast dreißig Prozent. „Diese Entwicklung ist eine Folge der verbesserten Vorsorge durch Darmspiegelungen, bei der Krebsvorstufen entfernt werden“, versichert Dr. Ferlitsch. Zur Zeit erkranken bei uns rund 4.700 Menschen an Darmkrebs. Das sind 500 Menschen weniger als vor zehn Jahren. Die Sterberate zeigt jährlich 200 Todesfälle weniger.