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Ist halber „Kar-Feiertag“ besser als ganzer?
„Niemandem soll etwas weggenommen werden und es soll zu keinen zusätzlichen Belastungen kommen“, hieß es von ÖVP-Kanzleramtsminister Gernot Blümel im Jänner. Jetzt verlieren die 300.000 evangelischen Christen ihren Extra-Feiertag, dafür soll am Karfreitag für alle ab 14 Uhr frei sein. Einen halben Feiertag kennen die Schweizer im Kanton Solothurn. Dort ist der 1. Mai ab 12 Uhr ein gesetzlicher Feiertag. Der Heilige Abend und Silvester werden bei uns über die Kollektivverträge geregelt.
JA: Rolf Gleißner,
Wirtschaftskammer

„,Ein guter Kompromiss ist, wenn alle unzufrieden sind‘, sagte einmal ein Friedensnobelpreisträger. Und ein Spruch lautet: ,Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.‘ Auch nicht die Regierung beim Karfreitag. Denn da reden alle mit – Sozialpartner, Kirchen und zuletzt der EU-Gerichtshof. Der fordert vom Gesetzgeber nicht einen zusätzlichen Feiertag, sondern nur eine gleiche Regelung für alle. Die Wirtschaft will nur, dass es bei 13 Feiertagen bleibt, was im Vergleich zu Deutschland ohnehin schon viel ist. ÖGB und AK wollen einen zusätzlichen Feiertag. Was würden sie sagen, würde die Wirtschaft umgekehrt einen zusätzlichen Arbeitstag ohne Bezahlung fordern?

Und so hat sich die Regierung auf einen Feiertag ab 14 Uhr geeinigt. Ein halber Feiertag ist nichts Neues, das kennen wir vom Heiligen Abend. Die Einigung bedeutet ab 14 Uhr für die Masse arbeitsfrei und für Mitarbeiter in Handel, Gastronomie, Hotellerie oder Verkehr den doppelten Lohn. Für die Wirtschaft heißt das massiv höhere Lohnkosten, weshalb im Gegenzug die Lohnnebenkosten sinken müssen. Und wir brauchen offene Geschäfte, damit nicht nur Amazon die Ostergeschenke liefert.“

Nein: Michael Bünker,
evangelisch-lutherischer Bischof

„Mit dieser Lösung ist niemand zufrieden, für uns ist sie gar nicht akzeptabel. In allen drei evangelischen Kirchen, auch in der altkatholischen Kirche, wird der Karfreitag vor allem mit Vormittags-Gottesdiensten gefeiert. Sie werden jetzt massiv erschwert. Der Karfreitag ist für uns ein zentral wichtiger Feiertag, die Gottesdienste haben ähnliche Teilnehmerzahlen wie am Heiligen Abend, an dem die Kirchen voll sind. Wir überlegen auch rechtliche Schritte, aber dazu muss der komplette Gesetzesbeschluss vorliegen. Es gibt ja keine Begutachtung. Fast jede andere Variante wäre besser als dieser Plan. Der Karfreitag als Feiertag für alle wäre eine diskriminierungsfreie Lösung. Dabei müsste überlegt werden, was das für die Wirtschaft bedeutet, aber das ist nicht meine erste Sorge. Eine andere denkbare Variante ist ein flexibler freier Tag für alle zur Religionsausübung. Das würde vielleicht auch für andere religiöse Minderheiten eine Möglichkeit bieten. Bei der vorliegenden Lösung verlieren die Evangelischen einen halben Feiertag und sind in ihren Religionsausübungs-Rechten beeinträchtigt. Und sie kann kein Signal sein, wie Österreich mit einer religiösen Minderheit umgeht.“