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Die Umwelt-Rebellin
Die Schwedin Greta Thunberg, 16, gilt als neue Galionsfigur der globalen Klimabewegung. Das am Asperger-Syndrom leidende Mädchen scheut nicht davor zurück, den Staatschefs, aber auch den Konzernbossen ins Gewissen zu reden. Doch die ließen sie dieser Tage abblitzen.
Wer sich für den Schutz der Umwelt einsetzt, steht zuweilen auf verlorenem Posten. Das musste in der Vorwoche das 16jährige schwedische Mädchen Greta Thunberg zur Kenntnis nehmen. Gut 30 Stunden war sie mit dem Zug aus ihrer Heimat ins schweizerische Davos zum Weltwirtschaftsforum angereist, um dort den Staatschefs und Wirtschaftsbossen aus 110 Ländern ins Gewissen zu reden. Doch die Veranstalter gewährten ihr lediglich am Freitagvormittag einen Auftritt. Zu einem Zeitpunkt, da der Großteil der „Mächtigen“ bereits wieder abgereist war.

Für das knapp 150 Zentimeter große Mädchen mit den geflochtenen Zöpfen zweifellos eine Enttäuschung, sie hätte den Vertretern der Öl- und Gasbranche gerne persönlich deren „Verbrechen gegen die Menschheit“ erklärt, an ihrem Engagement für den Umweltschutz ändert die Schlappe von Davos nichts. Immerhin zeigten sich Schweizer Kinder mit ihr solidarisch und traten in den Streik.

Bekannt wurde Thunberg im vergangenen Jahr mit einer ähnlichen Aktion, als sie, anstatt in die Schule zu gehen, drei Wochen lang mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“, zu deutsch „Schulstreik für das Klima“, vor das schwedische Parlament in Stockholm zog, um von den Politikern Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel zu fordern. Ihre Protestaktion fand Nachahmer auf der ganzen Welt, rund 20.000 Schüler in rund 270 Städten schlossen sich der jungen Umweltaktivistin an. Thunberg, die immer noch jeden Freitag protestiert, wurde zur Galionsfigur der globalen Klimabewegung.

Der Medienrummel ist für die junge Revoluzzerin allerdings nichts Neues. Denn Thunberg, die das Licht der Welt am 3. Jänner 2003 erblickte, stammt aus einer prominenten schwedischen Familie.

Ihre Mutter, die Opernsängerin Malena Ernman, 48, vertrat ihr Heimatland beim Eurovision Song Contest im Jahr 2009 in Moskau (Russland) mit dem Lied „La Voix“ und belegte damit den 21. Platz. Wien war lange Zeit Ernmans zweite Heimat, da sie am Theater an der Wien engagiert war. Gretas Vater, der Schauspieler Svante Thunberg, 49, erlangte durch zahlreiche schwedische Filme und Serien Bekanntheit.

Mit acht Jahren wurde Greta Thunberg auf die Problematik des Klimawandels aufmerksam. Seither lässt ihr das Thema keine Ruhe mehr. „Sie begann, so viel Energie wie möglich einzusparen, um die Umwelt weniger zu belasten, indem sie etwa das Licht weniger oft aufdrehte“, erzählt ihre Mutter.

Zudem hörte sie auf, Fleisch zu essen, weil die Fleischproduktion durch Treibhausgas-Emissionen ebenfalls zum Klimawandel beiträgt. „Ihr Konsum beschränkt sich heute nur noch auf Dinge, die absolut notwendig sind“, sagt ihre Mutter, die sich vom Umweltbewusstsein der Tochter anstecken ließ. Daher baut die Familie in einem Schrebergarten außerhalb ihrer Heimatstadt Stockholm eigenes Gemüse an. Zu ihrem grünen Idyll fahren die Thunbergs mit dem eigenen Elektroauto, das nur benutzt wird, „wenn es absolut notwendig ist“, erzählt Gretas Mutter, die im vorigen Jahr ihr Buch „Szenen aus dem Herzen“ über die nicht immer leichte Situation ihrer Familie veröffentlichte.

Denn sowohl Tochter Greta als auch ihre jüngere Schwester Beata, 13, leiden an Autismus, der bei jedem Menschen anders ausgeprägt ist. Bei der Älteren in Form des sogenannten Asperger-Syndroms.

Personen, die daran leiden, sind oft hochintelligent und auch sprachlich äußerst begabt. „Greta kann das chemische Elementesystem auswendig, spricht Sätze rückwärts und auch fließend Englisch“, erzählt ihre Mutter.

Bezeichnend für das Asperger-Syndrom ist auch, dass die Betroffenen häufig Probleme mit dem Aufbau persönlicher Beziehungen haben und dazu neigen, sich intensiv mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. „Sie beschäftigt sich oft stundenlang mit dem Klimawandel und bekam deswegen sogar Depressionen“, weiß ihr Vater, der heute damit beschäftigt ist, Gretas Termine zu koordinieren.

Er übernimmt für seine Tochter die Pressearbeit und schirmt sie zur Not auch von der Öffentlichkeit ab, denn „das Blitzlichtgewitter mag sie überhaupt nicht“. Obwohl die Arbeit stressig sei, stehe er hinter ihr, denn „was Greta hier macht, ist wichtig und sinnvoll für die ganze Welt“, ist Svante Thunberg überzeugt.

Er war es auch, der seine Tochter im vergangenen Jahr mit dem Elektro-Auto auf die Klimakonferenz der Vereinten Nationen nach Kattowitz in Polen führte. Und für dieses
Jahr steht ein Besuch hierzulande in Wien auf dem Programm. Arnold Schwarzenegger, 71, lud sie zur
Klimakonferenz der von ihm gegründeten Organisation „R20“ im Mai ein. Greta Thunberg ließ ihn bereits wissen, „Arnold, du kannst auf mich zählen“. rb