Jetzt anmelden
Bei der Schi-Weltmeisterschaft in Schweden werden 33 Medaillen vergeben
Tiefe Temperaturen, Wetterkapriolen und wenig Tageslicht gehören zu jenem Zauber, der den Schiort Åre (Schweden) einzigartig macht. Dort wird am Montag die 45. Alpine Schi-WM eröffnet. Dann jagen Athleten aus 77 Nationen, so viele wie noch nie, nach Edelmetall in elf Bewerben.
Ein paar dick gefütterte Jacken sollte Marcel Hirscher schon in seine WM-Tasche packen. Denn nur 350 Kilometer vom Polarkreis entfernt, wurde im Austragungsort Åre bei den vergangenen Rennen eine Eiseskälte von bis zu minus 25 Grad verzeichnet, erst im Frühjahr 2018 mussten dort wegen Sturms der Herren-Slalom und der Damen-Riesentorlauf abgesagt werden. Zusätzlich gibt es wegen der nördlichen Lage um diese Jahreszeit nur wenige Stunden Tageslicht, wodurch alle vier Technikbewerbe unter Flutlicht entschieden werden.

Doch Frost hin und Finsternis her, das rot-weiß-rote Schi-Team stößt sich so heiß wie selten zuvor aus den Starthäuschen. Mit der eindrucksvollen Zahl von 18 Saisonsiegen vor dem Hahnenkammwochenende auf dem Konto reisen unsere Brettl-Artisten optimistisch nach Schweden und träumen von einem Rekordergebnis. „Ich wäre schon mit sechs bis acht Medaillen zufrieden“, stapelt der Schiverbandspräsident Peter Schröcksnadel wie jedes Jahr tief.

Doch die Hoffnung, dass dies übertroffen wird, ist groß, der Gewinn von fünf Goldenen würde die 100. Weltmeis-
terschafts-Medaille überhaupt für unser Land bedeuten. Historisch schnitten unsere Helden in Åre stets gut ab, eroberten bei der WM 1954 mit acht Medaillen mehr als alle anderen Länder und gewannen im Jahr 2007 mit Siegen im Teambewerb, von Mario Matt und Nicole Hosp den Medaillenspiegel.

Bei der WM-Generalprobe im vergangenen Jahr trugen sich auch Vincent Kriechmayr, Matthias Mayer und Marcel Hirscher in die Siegerliste ein. Nur die Damen sind bei der WM unter anderem durch verletzungsbedingte Ausfälle von Anna Veith, Katharina Gallhuber, Stephanie Brunner oder Christine Scheyer geschwächt. Dennoch konnten vier der ersten fünf Damenabfahrten durch Ramona Siebenhofer und Nicole Schmidhofer gewonnen werden.

Das Maskottchen der Weltmeisterschaft ist der rundliche, behelmte Schneemann Valle. Er ist überall zu sehen, wenn alle WM-Bewerbe auf demselben Berg Åreskutan und auf Teilen zweier Pisten ausgetragen werden, die ihr gemeinsames Ziel in der „Race Arena“ haben. Sie ist nur einen Kilometer vom Ortszentrum entfernt, es ist also eine Weltmeisterschaft der kurzen Wege. Das Örtchen Åre selbst, das in der extrem dünn besiedelten schwedischen Provinz Jämtland liegt, zählt lediglich 1.400 Bewohner, der Åreskutan ist für unsere Verhältnisse bescheidene 1.420 Meter hoch.

Doch die 99 Pistenkilometer und 41 Lifte machen das Gebiet, das rund eine Autostunde vom nächsten
größeren Ort Östersund entfernt ist, zu Schwedens größtem Schigebiet, wo zur Hochsaison 80.000 Gäste nächtigen, bei der WM sind es sogar 120.000.

Der Fluss Indalsälven staut sich direkt am Ort zum idyllischen See, die nahegelegenen Wasserfälle von Tännforsen sind eine beliebte Attraktion. Kulinarisch kommen in dieser Region Schwedens Spezialitäten aus Rentier, Elch, aber auch Forelle auf den Tisch, viele Beeren wie Preiselbeeren, Heidelbeeren oder Moltebeeren sind wichtiger Bestandteil der lokalen Rezepte. Typisch skandinavisch sind allerdings auch die Preise, bezahlt wird in schwedischen Kronen. Während eine WM-Tageskarte mit Sitzplatz mit rund 50 Euro gerade noch leistbar ist, gibt es in ganz Åre kaum ein Zimmer unter 300 Euro pro Nacht. Ein Abendessen in einem besseren Lokal kostet schon einmal 30 Euro pro Person, das große Bier acht.

Allerdings scheinen weder die hohen Preise noch die frostige Kälte manch exotischen Teilnehmer abzuhalten. Das Interesse an der Weltmeisterschaft, die am kommenden Dienstag mit dem Super-G der Damen beginnt und am Sonntag, 17. Februar, mit dem Slalom der Herren endet, ist so groß wie noch nie. Durch Starter unter anderem aus Brasilien, Jordanien, Ghana und Nepal sind 77 Nationen vertreten, ein Rekord in der Geschichte der Schi-Weltmeisterschaft.