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Wildtiere kämpfen ums Überleben
Das Schneechaos der vergangenen Tage hat in vielen Teilen unseres Landes das Alltagsleben der Menschen gelähmt. Doch „die weiße Pracht“ macht heuer sogar den Wildtieren schwer zu schaffen.
Früher rettete sich das Rot- und Rehwild in die Täler, um dort, vor hohen Schneemengen geschützt, zu überleben.

Doch heute sind unberührte Überwinterungsgebiete nicht mehr verfügbar, weil der Mensch sie besiedelt und verbaut hat, wie etwa im Tiroler Inntal. „Wildtiere sind zwar seit Jahrtausenden an schwierige Umweltbedingungen angepasst. Aber nicht an so hohe Schneemengen in so kurzer Zeit. Die derzeitige Situation ist also eine Katastrophe, da sich selbst ausgewachsene Hirsche in den tief verschneiten Gebirgslagen kaum noch vorwärtsbewegen können“, klagt die Tiroler Jägerschaft.

Was dazu führt, „dass die Tiere einfach im Wald stehen bleiben und die Rinde von den Jungbäumen schälen, um überhaupt etwas zu fressen zu bekommen.“ Zwar kann eingeschneites Rot- und Rehwild auch ohne Nahrung mehrere Wochen überleben. Aber nur, wenn es nicht von Menschen gestört wird. Und genau hier liegt auch das Problem. „Im Winter reduziert das Bergwild, auf Grund des spärlichen Nahrungsangebotes, seinen Stoffwechsel. Ein Rothirsch senkt dabei seine Körpertemperatur auf mehr als die Hälfte des Sommerniveaus ab. Taucht nun aber plötzlich ein Feind auf oder fühlt sich der Hirsch von Freizeitsportlern bedroht, muss er den Stoffwechsel wieder hinauffahren und vor der Flucht den ganzen Körper aufheizen. Im Wiederholungsfall kann er dabei so viel Energie verbrauchen, dass sie nicht mehr bis zum Ende des Winters ausreicht“, erklärt der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher.

Für Rehe und Hirsche kann das „Aufschrecken“ also ganz schnell lebensbedrohlich werden. Ebenso für Gämsen, „die im Fluchtmodus im brusthohen Schnee sogar 15 Mal so viel Energie benötigen wie im Normalzustand“.

Mit artgerechten Futtermitteln, wie Heu für Hirsche, versuchen die Jäger nun schon seit mehreren Tagen, diese Notsituation zu entschärfen. Oft unter nicht ungefährlichen Bedingungen. Müssen die Futterstellen für Reh- und Rotwild doch täglich frisch aufgefüllt werden. Ob‘s nun heftig stürmt oder schneit.

In weiten Teilen des Salzkammergutes (OÖ) waren die Waidmänner deshalb mit Schneeschuhen oder Schiern bis zu sechs Stunden unterwegs, um die eingeschneiten Futterplätze zu befüllen.

In Salzburg blieben Berufsjäger der Bundesforste sogar mehrere Tage in ihren Hütten und ließen sich einschneien, damit sie das Wild vor Ort weiter füttern konnten. „Eine An- und Abfahrt ins Tal wäre wegen der Lawinensituation auch zu gefährlich gewesen“, heißt es. Gefährlich sind Lawinen natürlich auch für die Wildtiere, die wegen der hohen Schneelage oft nicht rasch genug flüchten können. So befreiten Jäger erst vor wenigen Tagen in der Obersteiermark einen fast zur Gänze verschütteten Hirsch. Genaue Zahlen zum Fallwild, also Tieren, die durch Naturereignisse wie die aktuellen Schneemengen ums Leben kommen, können jedoch nicht ermittelt werden. „Die meisten verschütteten Tiere werden ja gar nicht gefunden und tauchen erst bei Tauwetter auf“, sagt Larcher. Der Jäger sagt für dieses Jahr aber eine erhöhte Wintersterblichkeit voraus, „vor allem bei Gämsen und Rehen“.

Jeder Naturnutzer kann allerdings helfen, indem er die offiziellen Wander- und Schitourenwege nicht verlässt. „Auf viel begangenen Wegen haben sich die Tiere bereits an den Menschen gewöhnt und schrecken auch nicht mehr auf. Problematisch ist hingegen die unvorhergesehene Störung in abgelegenen Gebieten“, weiß Larcher. Er macht sich deshalb schon seit sechs Jahren für die Einführung von „Wildruhezonen“ stark, in denen sich bei Strafe von Oktober bis Mai kein Mensch mehr aufhalten dürfte. „Erfahrungen aus der Schweiz haben gezeigt, das ist die beste Methode, wie Tieren in harten Wintern geholfen werden kann“, sagt der Landesjägermeister. hwie