Jetzt anmelden
Die Natur in Form gebracht
Zur Zeit der Renaissance verwirklichten sich reiche Bürger in der italienischen Toskana ihren Traum vom Paradies. Während einer geführten Reise können sie Urlauber kennenlernen.
Die Familie Medici ist untrennbar mit der Toskana verbunden. Mit dem Tuchhandel brachten sie es in Italien zu Reichtum, mit dem sie zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert Landvillen errichten ließen. Ihre Landsitze
verschönerten sie mit Gärten. Es ging ihnen aber nicht darum, ihren Reichtum zu zeigen, sondern ihren
Geschmack für Kunst zu entfalten.

„Die italienischen Gärten orientierten sich um diese Zeit an der Renaissance. Es entstanden geometrisch angelegte Gärten, die mit Skulpturen, Wasserspielen, Brunnen und Teichen verschönert wurden“, sagt die Gärtnerin Margit Thiel, die Interessierte für fünf Tage mit in die Toskana nimmt. Die Reise wird von „Oliva Reisen“ organisiert.

Zwei Gärten der Familie Medici werden gleich zu Beginn besucht. Die Villa La Petraia und die Villa Medici sind zwei traumhaft schöne Anwesen. „In Renaissance-Gärten dominieren Pflanzen, die sich in Form schneiden lassen oder ohnehin eine klare geometrische Struktur haben“, sagt die 49jährige. Dazu gehören Buchsbaum, Eiben und auch Zypressen, die aus dem Landschaftsbild nicht wegzudenken sind.

„Dabei stammen die Zypressen gar nicht aus der Toskana. Sie wurden aus Zypern eingeführt, um feuchte Böden trockenzulegen“, weiß die Expertin. Einige schöne Exemplare hat die Villa Gamberaia aufzuweisen. Sie ist wegen ihrer Lage berühmt. Die Villa und der terrassenförmig angelegte Garten liegen erhöht über dem Arnotal, mit einem unvergleichlichen Blick auf Florenz.

Die Steinmauern der Grünanlage werden von Rosen überwuchert, die sich mit ihren Trieben in den Ritzen und auch an Skulpturen festhalten. „Auch die Rose hatte ursprünglich nichts mit der Toskana zu tun. Sie wurde erst ab dem 17. Jahrhundert populär. Die Gärten waren ständig im Wandel und wurden von der vorherrschenden Epoche beeinflusst. Nach der Renaissance zog der Barock ein und mit ihm die Rose“, erzählt Thiel, die den Reisenden gerne Fragen zu ihren eigenen Gärten und zur Pflege der Blumen beantwortet.

Viele der Gärten, die besucht werden, befinden sich in der Nähe von Florenz. Die Stadt wird ebenfalls besichtigt. Die Kathedrale, die Uffizien mit ihren berühmten Gemälden und die Steinbrücke „Ponte Vecchio“ sind nur ein paar der Sehenswürdigkeiten.

In der Toskana wächst neben Blumen auch eine andere, geschmackvolle Pflanze. Der Saft aus der Weinrebe sorgt auf der Reise für die kulinarischen Genüsse. Ins Glas wird vornehmlich Rotwein geschenkt. Am bekanntesten sind der Chianti und der Sangiovese. Beide Weine gibt es bei einer Weinverkostung auf einem Bauernhof zu trinken. „Dort werden auch medizinische Rosen angebaut, die zu Seifen, Ölen und Schnaps weiterverarbeitet werden.

Ein treuer Begleiter der Rose war lange Zeit der Lavendel. Mittlerweile werden aber auch gerne die Blauraute und der Salbei als Kontrast gesetzt. Denn der Lavendel hat einen ganz anderen Anspruch auf den Boden als die Rose“, sagt Thiel. Die Rose bevorzugt humusreiche, tiefe Böden, einen luftigen Standort und viel Feuchtigkeit. „Sie möchte auch mit organischem Dünger verwöhnt werden. Zum Beispiel mit Kompost, Mist oder einer Brennnesseljauche.“

Betörend sind neben den Rosen auch Zitrusfrüchte, die sich in vielen italienischen Gärten finden. Die an Vitamin C reichen Pflanzen sind auch in den Boboli-Gärten in Florenz, in der Villa Reale in Lucca und im Hes-
peridarium, einem Garten voller Zitruspflanzen, zu sehen. „Die Agrumen, wie die Zitrusgewächse genannt werden, brachten Farbe in die Gärten. Sie wurden in Töpfe gepflanzt, weil die Winter in der Toskana kalt waren. Die kalte Jahreszeit verbrachten sie in frostfreien Gewächshäusern, so entstanden die ersten Orangerien“, informiert Thiel.

Bevor die Heimreise angetreten wird, besuchen die Urlauber auch noch die Stadt Pisa mit ihrem berühmten
schiefen Turm. widlak