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Eine 30 Jahre dauernde Irrfahrt
Sie waren fünf junge Männer, um die 17 Jahre alt, und die Herzen der Mädchen flogen ihnen zu. Vor allem, wenn sie ihre Hits wie „Back For Good“, „Never Forget“ oder „Greatest Day“ hinausposaunten. „Take That“ war die „Boygroup“ der 90er Jahre, aus der heraus Robbie Williams seine erfolgreiche Solo-Karriere entwickelte. Die Band zerbrach, doch zum 30-Jahr-Jubiläum brachten Mark Owen, 46, Howard Donald, 50, und Gary Barlow, 47, das Best-of-Album „Odyssey“ auf den Markt. Damit gehen die drei in diesem Jahr auch auf Tour. Am 26. Juni machen sie dabei Station in der Wiener Stadthalle. Es wird eine Tour der Erinnerungen, ein paar Einblicke in die Vergangenheit haben sie bereits dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth gewährt.
30 Jahre „Take That“, das ist eine lange Zeit. Haben Sie noch schöne Erinnerungen an die Anfänge?
Donald: Komischerweise denke ich immer an unseren alten Bulli, mit dem wir zu den ersten Konzerten fuhren. Der Wagen war gemietet, Gary hatte die Lautsprecher und Mikrofone besorgt, wir stopften alles hinten in den Bus und quetschten uns fünf irgendwie mit hinein. So fuhren wir das Land auf und ab. Und ich weiß, wie wir immer einschliefen, irgendwie war dieser Kleinbus gemütlich.
Owen: Robbie und ich saßen hinten, wir durften nicht
fahren, wir waren zu jung.
Barlow: Jason, Howard und ich teilten uns die Fahrerei in Schichten ein. Ich fand das super, alles war so unkompliziert, so unschuldig.

Durften Mädchen auch mitfahren, die Sie nach den Konzerten abgeschleppt haben?
Barlow: Ich hatte eine Freundin zu der Zeit.
Donald: Ich auch.
Barlow: Wir waren ein strikter Klub von Burschen. Mit einer Ausnahme: Die Assistentin unseres Managers musste unser Gelaber über Burschenthemen und unser ganzes Burschsein als solches ertragen. Die Arme. Fußball, Bier …
Owen: … unser strenger Geruch – ach, war das herrlich.

Für Ihre Freundinnen war es wahrscheinlich schwierig, mitzuerleben, wie Sie zu Popstars wurden?
Barlow: Ja, aber im Alter von 18, 19 Jahren hätte die Beziehung sowieso nicht mehr lange gehalten. Wenn dein Leben abhebt und du um die Welt reist und überall Geschrei auslöst, wird es hart, richtig hart.

Haben Sie, was Frauen betrifft, in jungen Jahren nichts ausgelassen?
Owen: Ach, das war nicht so schlimm, wie sich einige das vielleicht vorstellen. Wir hatten gar keine Zeit. Ein Auftritt folgte dem nächsten.

Also bestand gar nicht die Chance auf eine feste Beziehung?
Barlow: Ich weiß noch, wie ich im Jahr 1995 meine Frau traf. Dawn war Tänzerin bei uns, ich war 24 Jahre alt, mit „Take That“ auf dem absoluten Gipfel, aber: Ich war einsam, extrem einsam. Das war einer der Gründe, warum ich mich gleich zu ihr hingezogen fühlte und auch nicht lange fackelte, etwas mit ihr anzufangen – bevor ich mich dann kolossal in sie verliebte.

Wie ist es heute?
Barlow: Wir haben Familien. Dawn und ich sind seit 23 Jahren zusammen, wir haben drei Kinder. Heute sagen wir den 60.000 Besuchern im Wembley Stadion gute Nacht und fahren nach Hause, sehen unsere wundervollen Kinder und kuscheln uns zusammen. Bedeutsame Dinge sind der Schlüssel. In den Neunzigern gab es nichts Bedeutsames, sondern fast nur Oberflächliches.

Ihr neues Album heißt „Odyssey“, in Anlehnung an die Irrfahrt des griechischen Helden aus der Mythologie …
Owen: Das passt, einige Ungeheuer, inklusive des einäugigen Zyklopen, sind uns auf unserer 30jährigen Irrfahrt begegnet.

Wo ist Ihr Kollege Jason Orange?
Donald: Jay ist wohl irgendwo jenseits des Atlantiks und beobachtet von seinem Boot aus ganz gemütlich ein paar Wale (lacht). Ab und zu schickt er eine Postkarte, meist mit Pinguinen drauf. Er will nicht mehr mitmachen.