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Ist das Plastiksackerl-Verbot notwendig?
Die EU will ab 2021 Produkte aus Wegwerf-Plastik wie Strohhalme, Besteck, Teller oder Luftballonstäbe verbieten. Die Verschlüsse von Plastikflaschen sollen künftig so befestigt werden, dass sie sich nicht verselbstständigen können. Denn Flaschendeckel machen einen Großteil des Plastikmülls auf europäischen Stränden aus. Die hiesige Regierung geht noch einen Schritt weiter. Die schwarz-blaue Koalition verbannt ab kommendem Jahr die Plastiksackerl aus den Geschäften und Supermärkten.
JA: Elisabeth Köstinger,
ÖVP-Umweltministerin

„Ab 2020 wird es in Österreich keine klassischen Plastiksackerl für den Einkauf mehr geben. Wir müssen Plastik reduzieren, um unseren Planeten zu schützen und unsere Umwelt nicht zu gefährden. In Meeren und Flüssen ist Plastik inzwischen eines der größten Probleme. Zum klassischen Plastiksackerl gibt es gute Alternativen. Papiersackerl etwa oder, noch besser, Stofftaschen, mit denen der Einkauf bequem nach Hause transportiert werden kann. Vor allem die dünnen Sackerl an den Obst- und Gemüsetheken sind in den vergangenen Jahren zum Problem geworden, sie haben einen großen Teil des Plastikmülls ausgemacht. Auch dafür gibt es gute andere Produkte, die ohne Plastik auskommen und der Hygiene Genüge tun. Derzeit sind allein bei uns 400.000 Sackerl im Lebensmittelhandel pro Jahr im Umlauf, mit dem restlichen Einzelhandel kommen wir auf bis zu 750.000 Sackerl pro Jahr. Das verursacht 7.000 Tonnen Müll. Das wollen wir ab 2020 vermeiden. Dazu werden noch Regeln kommen, um auch Verpackungsmüll oder Mikroplastik zu reduzieren. Österreich ist ein Umweltmusterland, nach Italien und Frankreich sind wir das dritte europäische Land, in dem Plastiksackerl verboten werden.“

NEIN: Iris Thalbauer,
Wirtschaftskammer (Handel)

„Zum einen haben wir in Österreich die freiwillige Selbstverpflichtung, wonach sich die Unternehmen verpflichten, Plastiksackerl zu reduzieren und auf abbaubare Verpackungen oder Papiersackerl zurückgreifen. Dadurch wurden die EU-Vorgaben schon übererfüllt. Zum anderen landet das Plastiksackerl bei uns kaum im Meer. Abgesehen davon, dass wir keinen Meerzugang haben, wird Plastik entweder wiederverwertet oder verbrannt. Wir verstehen den ökologischen Aspekt, dass Plastik zu verhindern ist. Es sollten aber auch die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Die Konsumenten müssen auf dieses Thema sensibilisiert werden, denn der Handel reagiert auf die Wünsche der Kunden. Die Konsumenten müssen mit ins Boot geholt werden. Zudem ist es wichtig, dass die Betriebe Unterstützung bekommen. Sie haben teilweise die Sackerl schon bestellt oder auf Lager. Hier ist es wichtig, dass die bestellten oder am Lager befindlichen Sackerl aufgebraucht werden können. Und die große Frage ist, wie geht es mit dem Thema Plastik generell weiter? Wie schaut es mit der Mikroplastik aus? Was ist mit den Paketen, die vom ausländischen Online-Versand-handel bezogen werden?“