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Die stille Zeugin
Im Jahr 1818 wurde sie stille Zeugin der Uraufführung von „Stille Nacht, heilige Nacht“. Die Krippe, die biblische Szenen wie auch lokale Trachtengewänder zeigt, hat eine Odyssee hinter sich. Frisch restauriert steht sie im „Innviertler Volkskundehaus“ in Ried im Innkreis (OÖ).
Vor 200 Jahren entstand das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, das über die Jahre Grenzen überwunden hat und die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Alter oder Religion miteinander verbindet. In seiner Schlichtheit berührt es die Menschen auf der ganzen Welt bis heute.

Angestimmt wurde das von dem Salzburger Geistlichen Joseph Mohr († 1848) geschriebene und vom Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber († 1863) vertonte Lied erstmals am Heiligen Abend des Jahres 1818. Die Weihnachtskrippe aus der Sankt Nikola Kirche in Oberndorf (S) wurde damals Zeuge dieser
Uraufführung.

Über die Jahre hat die Stille-Nacht-Krippe eine Odyssee hinter sich gebracht. Zuletzt wurde sie in akribischer Kleinarbeit restauriert und befindet sich heute, gut ausgeleuchtet, hinter Glas im „Stille Nacht Raum“ des Innviertler Volkskundehauses in Ried im Innkreis (OÖ). Aufgrund ihrer einzigartigen Geschichte steht die etwa sieben mal zwei Meter große Krippe, die rund 100 menschliche Figuren und 50 Tierfiguren beherbergt, unter Denkmalschutz.

Der Ursprung der Krippe geht etwa auf das Jahr 1800 zurück. „Leider wissen wir nicht, wer sie gebaut hat oder wo sie genau entstanden ist. Bei den Figuren wissen wir aber aufgrund der Ausführung der Stickereiarbeiten, dass sie höchstwahrscheinlich in einem Frauenkloster angefertigt wurden“, erklärt die Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Ried im Innkreis, Dr. Sieglinde Frohmann.

Bis zum Jahr 1906 stand die „Stille Nacht“-Krippe noch in der Sankt Nikolaus Kirche in Oberndorf. Als sie aufgrund vieler Überschwemmungen abgerissen wurde, ging die Krippe in den Besitz der ortsansässigen Schulschwestern über. Sie hatten allerdings keine Verwendung dafür, daher verwahrloste die geschichtsträchtige Krippe auf dem Dachboden. Aus Geldnot verkauften sie die Schulschwestern an eine Trödlerin aus Salzburg.

Der Uhrmacher Georg Muckenhammer aus Ostermiething (OÖ) erwarb die Krippe und schenkte sie seinem Schulfreund, dem Pfarrer Johann Veichtlbauer
(† 1939) aus St. Pantaleon, der für seine Sammelleidenschaft bekannt war. Als der Heimatpfarrer, wie er auch genannt wurde, im Jahr 1933 in den Ruhestand ging, übergab er seine umfangreiche volkskundliche Sammlung inklusive der Oberndorfer Krippe an die Stadtgemeinde. Aus der Sammlung entstand 1939 das Innviertler Volkskundehaus.

Dort wurde die Krippe nach einer zehnmonatigen Restaurierung rechtzeitig zum 200-Jahr-Jubiläum von „Stille Nacht, heilige Nacht“ nun wieder ausgestellt.

Neben der einzigartigen Geschichte ist jedenfalls auch die Detailgenauigkeit die Krippe außergewöhnlich. Viele der Figuren tragen die rote Bauern- und Schiffertracht aus der Oberndorfer Region. Und unter den Menschen, die zu der Krippe pilgern, um das Jesuskind zu sehen, ist auch eine Bäuerin mit schwarzem Kopftuch.

Bemerkenswert ist auch das Bühnenbild, das gleich mehrere biblische Szenen zeigt. So ist etwa die Heilige Familie und die Anbetung der Hirten zu sehen, außerdem die Heiligen Drei Könige sowie die sogenannte Hochzeit zu Kana, auf der Jesus nach christlicher Überlieferung Wasser in Wein verwandelt haben soll.

„Die Köpfe der Figuren sind aus Wachs geformt, als Augen haben sie Glasperlen. Und die hölzernen Körperteile wurden durch Draht miteinander verbunden, sodass sie verschiedene Körperhaltungen einnehmen konnten. Diese Art der Krippenfiguren mit Wachsköpfen ist typisch für den Inn-Salzach-Bereich“, sagt Dr. Frohmann.

Der Figuren nahm sich die Restauratorin und Kunsthistorikerin Karin Mayer an. „Zum Glück ist der Großteil erhalten geblieben. Die fachgerechte Reinigung war aber äußerst aufwändig, weil die Figuren stark verstaubt und verschmutzt waren. Die originalen Kostüme wurden durch Konservierungsmaßnahmen gesichert, denn es sollte nichts ersetzt werden.“

Noch aufwändiger war die Restaurierung der eigentlichen Krippe. „Der neue Krippenaufbau ist jetzt so gestaltet, dass als Panorama die Berglandschaft von Oberndorf zu erkennen ist. Zudem wurden in dem neuen Aufbau auch die originalen Reliefs übernommen“, weiß Frohmann,
die erzählt, dass die Krippe auch ein begehrtes Ausstellungsstück sei. Eine Einladung zu einer Ausstellung in New York (USA) wurde allerdings abgesagt. „Es wurde entschieden, die Krippe nicht außer Haus zu geben. Und das soll auch so bleiben.“ rb