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War die Erweiterung der Mangelberufs-Liste nötig?
45 Gewerbe stehen auf der Mangelberufs-Liste 2019, heuer waren es noch 27. Dazu kommt erstmals ein Verzeichnis für regionale Mangelberufe. Für sie können Fachkräfte aus Drittstaaten außerhalb der EU leichter ins Land geholt werden. Denn obwohl rund 376.000 Menschen derzeit arbeitslos sind, suchen Unternehmer in vielen Branchen händeringend nach Personal, vor allem in der Gastronomie. Selbst Schihütten führen deshalb Ruhetage ein. Die Gewerkschaft fordert hingegen bessere Arbeitsbedingungen.
JA: Petra Nocker-Schwarzenbacher,
Bundessparte Tourismus

„Das Instrument der Mangelberufs-Liste wurde geschaffen, um Branchen zu unterstützen, die nötigen Arbeitskräfte zu gewinnen. Nicht um den Arbeitsmarkt zu öffnen oder einen Ansturm auszulösen. Wir sind erfolgreich wie viele andere Branchen und können Aufträge nicht so abarbeiten, wie wir es uns wünschen würden. Für das Jahr 2019 ist auch der Koch auf der Mangelberufs-Liste, weil österreichweit 1,3 arbeitslose Köche auf eine offene Stelle kommen. Wir können jetzt Anträge stellen und ab 1. Jänner Köche aus Drittstaaten in unseren Betrieben anstellen. Man muss die Zahlen aber relativieren. Im Jahr 2017 hatten wir elf Mangelberufe auf der Liste und in diesen Berufen sind 300 Personen zusätzlich in unser Land gekommen, 2018 waren es 27 Berufe und rund 500
Menschen. Das ist überschaubar und kein Importieren von billigen Arbeitskräften, wie es uns von der Gewerkschaft immer vorgeworfen wird. Die Menschen werden ordentlich bezahlt, vor allem, was die Hotellerie und Gastronomie angeht, auch untergebracht und kostenlos verpflegt. Das ist bei Gott keine billige Arbeitskraft, das ist eine notwendige Arbeitskraft.“

NEIN: Berend Tusch,
Gewerkschaft „vida“

„Die Arbeitsbedingungen im Tourismus müssen verbessert und nicht die Mangelberufs-Listen erweitert werden. Wir haben keinen Arbeitskräftemangel, sondern einen Mangel an guten Arbeitsplätzen. Dazu ein Beispiel. In Tirol, wo der Bedarf an Tourismuskräften besonders hoch ist, verdienen Kellnerinnen oder Köche mit zweijähriger Berufserfahrung in Vollzeit 1.620 Euro brutto. Viele Stellen sind auch nur saisonal ausgeschrieben und beinhalten eine Sechs-Tage-Woche. Obwohl Tourismusarbeitsplätze für viele Wunsch- und Traumberufe sind, ist es nicht attraktiv, eine schlecht bezahlte Stelle in einem anderen Bundesland anzunehmen. Auch der Zwölf-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche dürften zu weiteren Verschärfungen der Personalsituation führen. Hoteliers haben Bewerbern für die Wintersaison bereits Verträge mit der Verpflichtung zur 60-Stunden-Woche ohne entsprechende Überstunden-Zuschläge vorgelegt. Wenn Betriebe im Inland und am EU-Arbeitsmarkt keine Fachkräfte finden, dann werden schon bald auch Fachkräfte aus Drittstaaten einen weiten Bogen um den heimischen Tourismusarbeitsmarkt machen.“