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Fackeln leuchten in der Nacht
Ausgerüstet mit Fackeln spazieren Besucher durch das nächtliche Großarl. Sie besuchen dabei in der Salzburger Gemeinde die Kirche und die Krippenwerkstatt. Auf ihrem Weg werden sie von Weisenbläsern und Sängern begleitet.
In Großarl (S) sind abends vor dem Gemeindeamt mehrere Menschen um ein Feuer versammelt. Sie zünden mithilfe der Flammen ihre Fackeln an. Gerade noch plauderten und scherzten sie aufgeregt miteinander. Doch jetzt ist es still geworden.

Weisenbläser stimmen ein Lied an und danach singt ein Chor eine besinnliche Melodie. „Es handelt sich dabei um ein spätherbstliches Lied“, erzählt Thomas Wirnsperger. Er ist Geschäftsführer des Tourismusverbandes Großarltal und leitet die nächtliche Fackelwanderung, die jeden Freitag im Advent stattfindet. Dazu sind zahlreiche Besucher erschienen. „Unterwegs werden verschiedene Lieder gesungen. Das erste thematisiert noch den Herbst, doch je weiter wir gehen, desto weihnachtlicher werden die Lieder“, verrät der 48jährige.

Nachdem Wirnsperger die Gäste begrüßt hat, geht es los. Zuvor macht er die Teilnehmer darauf aufmerksam, achtsam mit den Fackeln umzugehen. „Der Vordermann hat viel Geld für seine Frisur ausgegeben“, scherzt der Salzburger.

Im Schein der Fackeln macht sich die Gruppe auf zur ersten Station, der Dorfkrippe. Darin befinden sich lebensgroße, handgeschnitzte Figuren aus Zirbenholz. Die Krippe ist im Unterkoflerhaus untergebracht, das sich im Dezember zu einem Adventkalender verwandelt. An den Fenstern werden stimmungsvolle Adventbilder gezeigt.

Danach machen sich die nächtlichen Ausflügler auf zu jenem Gebäude, das auf einer Anhöhe thront. Es handelt sich dabei um die Pfarrkirche, die ursprünglich im Tal hätte gebaut werden sollen. „Während der Bauarbeiten verletzte sich ein Zimmermann mit einer Hacke am Bein. Einige Holzspäne wurden dabei mit Blut befleckt. Ein Rabe nahm diese Holzspäne mit seinem Schnabel auf und ließ sie auf einem Berghang fallen. Die Arbeiter sahen darin ein Zeichen Gottes und bauten die Pfarrkirche an dieser Stelle“, erzählt Wirnsperger die Legende.

Dort steht die Kirche seit 250 Jahren. „Wäre sie an der ursprünglichen Stelle gebaut worden, wäre sie beim Hochwasser im Jahr 1965 meterhoch unter Wasser gestanden“, sagt der Salzburger.

Auf dem Weg zur Kirche wird ein Marienlied gesungen. Kaum ist der Gesang verstummt, erfüllt ein tiefer, inbrünstiger Ton die Nacht. Einige Alphornbläser stehen vor dem Gotteshaus und stimmen eine weihnachtliche Melodie an. „Die Besucher sind von den Alphornbläsern immer überrascht, denn damit rechnen sie nicht“, freut sich Wirnsperger. Danach werden die Fackeln im Schnee gelöscht. Denn dort, wo es die Besucher nun hinzieht, ist Feuer nicht erwünscht.

„Zur Pfarre gehörte früher eine Landwirtschaft. Im angrenzenden Stall waren Pferde untergebracht. Vor 16 Jahren wurde der Stall in eine Krippenwerkstatt um-
funktioniert.“

Hier werken Mitglieder des Krippenbauvereins. Sie fertigen in monatelanger Handarbeit sehenswerte Krippen. Ihr Können geben sie gerne weiter. „In Krippenbaukursen, die von September bis Ende November stattfinden, kann jeder seine eigene Krippe entwerfen. Zwei bis drei Abende pro Woche arbeiten die Teilnehmer an ihren Werken“, erzählt Wirnsperger, der selbst eine Krippe mit seinen Kindern bauen möchte.

Doch die Warteliste ist lang. „Vier Jahre müssen sich die Teilnehmer gedulden“, sagt der Tourismus-Fachmann, der nächstes Jahr an der Reihe ist. Aufgrund des großen Andranges werden derzeit nur Bewohner des Großarltales zugelassen. Alle anderen dürfen sich am Betrachten der Kunstwerke erfreuen.

Mit dem Besuch der Ausstellung endet die Fackelwanderung. „So hat jeder die Gelegenheit, die Schau im eigenen Tempo anzusehen.“

Zurück ins Dorf gelangen die Teilnehmer über den Krippenweg. Der Weg ist von Krippen gesäumt, die von Mitgliedern des Krippenvereines hergestellt wurden. „Zu sehen gibt es nicht nur die traditionelle Darstellung mit Josef, Maria und dem Jesuskind im Stall, sondern auch kreative Ansätze. Bei einer sitzt Josef am Tisch, ihm gegenüber Maria, deren Bauch kugelrund ist. Er weiß, dass er nicht der Vater des Kindes ist und fragt sich, wer es wohl gewesen sei. Die Antwort gibt ihm der Heilige Geist, der sagt, ,ich war‘s‘“, erklärt Wirnsperger eine der Darstellungen.

Im Dorf angekommen, können die Wanderer durch den Adventmarkt flanieren, der bis 23. Dezember geöffnet ist. widlak