Wenn Mann nicht
ohne Mama kann
ohne Mama kann
Das Hotel Mama erfährt zunehmende Bedeutung. Vor allem die Söhne wollen die Vorzüge des Zuhauses nicht missen. Hohe Wohnungskosten sind nur eine Ursache dafür.
Verliebt sich das Söhnchen, wird‘s allerdings ein bisschen schwierig.
Verliebt sich das Söhnchen, wird‘s allerdings ein bisschen schwierig.
Mama ist die Beste. Sie weiß, was ihrem Sohn schmeckt, erinnert ihn an Arzttermine und hat natürlich auch bei der Wahl seiner Freundin ein Wort mitzureden. Dass der gute Bub 35 oder gar 45 Jahre alt ist, spielt dabei keine Rolle. Für sie bleibt er ihr Liebling. Er genießt dafür die mütterliche Fürsorge, schließlich meint Mama es doch nur gut. Willkommen in der Welt der Muttersöhnchen.
Eine Bezeichnung, die gehörig am männlichen Selbstbewusstsein kratzt. Der Duden, ein in Buchform gefasster Hort der deutschen Wortschöpfung, versteht darunter einen verwöhnten und unselbstständigen Buben oder jungen Mann.
Aus psychologischer Sicht ist entscheidend, ob sich ein Mann innerlich von seiner Mutter lösen kann. Wer vor jeder größeren Entscheidung erst die Mutter fragt, deren Wünsche über die eigenen stellt und sich kaum traut, ihr zu widersprechen, ist möglicherweise mit 50 Jahren noch der Bub von damals. Eine eigene Wohnung schützt davor ebensowenig wie Erfolg im Beruf.
Freilich lässt sich Mutterliebe und das eigenständige Leben als erwachsener Sprössling eng miteinander verbinden, das belegen berühmte Beispiele. Der unvergessene „König des Rock ‘n‘ Roll“, Elvis Presley (er starb 1977), holte seine Eltern im Jahr 1957 in sein gerade gekaufte Anwesen „Graceland“. Der Tod seiner
geliebten Mutter Gladys im darauffolgenden Jahr erschütterte die Seele des Künstlers zutiefst. Auch der Hollywood-Darsteller Leonardo DiCaprio, 51, erscheint immer wieder mit seiner Mutter Irmelin auf dem roten Teppich. Als er im Jahr 2016 einen „Oscar“ gewann, hatte er sie ebenfalls an seiner Seite.
Wer seine Mutter liebt und gern Zeit mit ihr verbringt, ist deshalb noch lange kein Muttersöhnchen.
Die Diplompsychologin Lisa Fischbach aus Hamburg (D) sieht das Problem dort, wo aus mütterlicher Fürsorge Unselbstständigkeit wird. „Ein Muttersöhnchen neigt deshalb dazu, in Beziehungen von der Partnerin die gleiche Fürsorge wie zu Hause zu erwarten.
Das kann im Alltag für die Partnerin ziemlich anstrengend werden. Schließlich weiß Mama am besten, wie seine Hemden gebügelt werden müssen, was gegen seine Erkältung hilft und warum die neue Freundin eigentlich nicht zu ihm passt. Wer ständig mit einer vermeintlich perfekten Mutter konkurrieren muss, verliert irgendwann die Geduld.“
Die Bestseller-Autorin und renommierte Kinder- und JugendlichenPsychotherapeutin Miriam Hoff aus Frankfurt (D) sieht die Ursachen häufig in übermäßiger Behütung. „Kinder müssen lernen, eigene Erfahrungen zu sammeln und Fehler zu machen, ohne dabei die Liebe ihrer Mutter zu verlieren. Sie müssen das Gefühl haben, ich darf mich entfernen und zurückkommen und werde trotzdem geliebt.“
Wird einem Sohn dagegen jede Schwierigkeit aus dem Weg geräumt oder fühlt er sich für das Glück seiner Mutter verantwortlich, fällt ihm die Loslösung schwer. Problematisch wird es obendrein, wenn die Mutter seine Partnerin als Rivalin betrachtet. Dann stellt sich der Mann im Zweifelsfall lieber gegen seine Freundin, als Mama zu enttäuschen.
Doch selbst wenn ein erwachsener Mann noch die Vorzüge des Elternhauses genießt, muss das nichts mit einem Muttersöhnchen zu tun haben. In vielen Fällen spielen finanzielle Überlegungen eine Rolle. Schließlich ist das Wohnen heutzutage teuer. Im zweiten Quartal dieses Jahres kostete eine Mietwohnung in unserem Land durchschnittlich rund 700 Euro monatlich, inklusive Betriebskosten. Strom, Heizung, Lebensmittel und Kaution kommen dann noch dazu.
Da kann das Zimmer bei Mama eine vernünftige Zwischenlösung sein, gerade während der Ausbildung oder beim Sparen auf die erste eigene Wohnung.
Nach den neuesten Zahlen der Statistik Austria lebten im Jahr 2025 noch 23,7 Prozent der 25- bis 29jährigen bei ihren Eltern. Bei den Männern dieser Altersgruppe waren es sogar fast 30 Prozent, bei den Frauen nur 17,4 Prozent. Selbst von den 35- bis 39jährigen Männern wohnten noch 7,6 Prozent im Elternhaus. Und sogar im höheren Alter bleiben manche bei Mama und Papa: 2025 lebten 45.100 Männer, die älter als 44 Jahre waren, bei ihren Eltern.
Im europäischen Vergleich verlassen junge Menschen das Hotel Mama unterschiedlich früh. Im Vorjahr lag das durchschnittliche Auszugsalter hierzulande bei 25,2 Jahren, in Italien bei 30,2, in Kroatien sogar bei 31,5 Jahren.
Wobei sich unsere Lebensentwicklungen ohnehin verschoben haben. Laut Statistik Austria waren die Männer bei ihrer ersten Hochzeit 1975 durchschnittlich 24,4 Jahre alt, im Jahr 2024 dagegen bereits 33,6 Jahre. Bei Frauen stieg das Alter im selben Zeitraum von 21,4 auf 31,6 Jahre.
Auch das vorangeschrittene Alter allein sagt noch nichts darüber aus, ob ein Mann nun ein Muttersöhnchen ist oder nicht. Den Kriterien des Dudens folgend ist es wichtiger zu wissen, wie selbstständig er sein Leben gestaltet.
„Natürlich darf er sich von Mama bekochen lassen, sie um Rat fragen und regelmäßig Zeit mit ihr verbringen“, weiß die Diplompsychologin Lisa Fischbach. „Problematisch wird es, wenn sie bei jeder wichtigen Entscheidung das letzte Wort hat. Denn seine Mutter zu lieben, ist das eine. Ein Leben lang nach ihrer Pfeife zu tanzen, das andere.“ elke morri
„Ich bin ein bisschen bequem geworden“
Philipp Gruber, 36, Buchhandelsangestellter,
mit seiner Mutter Marlene Gruber, 63, Pensionistin
Für Philipp Gruber ist das Elternhaus noch immer sein Zuhause. Der 36jährige hat Germanistik studiert und arbeitet in einer Buchhandlung. „Reich werde ich dabei nicht. Ich verdiene rund 1.800 Euro netto im Monat. Für eine 50-Quadratmeter-Wohnung müsste ich in Salzburg rund 1.100 Euro Miete inklusive Betriebskosten bezahlen. Da bleibt mir kaum noch was zum Leben. Außerdem haben wir zu Hause genügend Platz“, erzählt er. Natürlich beteiligt er sich an den Haushaltskosten, genießt aber auch die Annehmlichkeiten. Seine Mutter Marlene kocht, kümmert sich um die Wäsche und stellt ihm bei Bedarf ihr Auto zur Verfügung. „Zugegeben, ein bisschen bequem bin ich schon geworden“, gesteht Gruber schmunzelnd. Nur mit der Liebe will es nicht so recht klappen.
„Welche Frau möchte schon bei mir übernachten, wenn nebenan meine Eltern schlafen? Meine vorige Beziehung ist daran gescheitert, dass ich nicht ausziehen wollte.“ Mittlerweile ist Gruber wieder alleinstehend. Seine Mutter sieht das Zusammenleben gelassen. „Philipp ist unser einziges Kind, und wir verstehen uns wunderbar. Warum sollte ich ihn vor die Tür setzen? Ich bin froh, dass er noch bei uns ist. Aber natürlich wünsche ich mir, dass er eine liebe Frau findet und seine eigene Familie gründet.“
Eine Bezeichnung, die gehörig am männlichen Selbstbewusstsein kratzt. Der Duden, ein in Buchform gefasster Hort der deutschen Wortschöpfung, versteht darunter einen verwöhnten und unselbstständigen Buben oder jungen Mann.
Aus psychologischer Sicht ist entscheidend, ob sich ein Mann innerlich von seiner Mutter lösen kann. Wer vor jeder größeren Entscheidung erst die Mutter fragt, deren Wünsche über die eigenen stellt und sich kaum traut, ihr zu widersprechen, ist möglicherweise mit 50 Jahren noch der Bub von damals. Eine eigene Wohnung schützt davor ebensowenig wie Erfolg im Beruf.
Freilich lässt sich Mutterliebe und das eigenständige Leben als erwachsener Sprössling eng miteinander verbinden, das belegen berühmte Beispiele. Der unvergessene „König des Rock ‘n‘ Roll“, Elvis Presley (er starb 1977), holte seine Eltern im Jahr 1957 in sein gerade gekaufte Anwesen „Graceland“. Der Tod seiner
geliebten Mutter Gladys im darauffolgenden Jahr erschütterte die Seele des Künstlers zutiefst. Auch der Hollywood-Darsteller Leonardo DiCaprio, 51, erscheint immer wieder mit seiner Mutter Irmelin auf dem roten Teppich. Als er im Jahr 2016 einen „Oscar“ gewann, hatte er sie ebenfalls an seiner Seite.
Wer seine Mutter liebt und gern Zeit mit ihr verbringt, ist deshalb noch lange kein Muttersöhnchen.
Die Diplompsychologin Lisa Fischbach aus Hamburg (D) sieht das Problem dort, wo aus mütterlicher Fürsorge Unselbstständigkeit wird. „Ein Muttersöhnchen neigt deshalb dazu, in Beziehungen von der Partnerin die gleiche Fürsorge wie zu Hause zu erwarten.
Das kann im Alltag für die Partnerin ziemlich anstrengend werden. Schließlich weiß Mama am besten, wie seine Hemden gebügelt werden müssen, was gegen seine Erkältung hilft und warum die neue Freundin eigentlich nicht zu ihm passt. Wer ständig mit einer vermeintlich perfekten Mutter konkurrieren muss, verliert irgendwann die Geduld.“
Die Bestseller-Autorin und renommierte Kinder- und JugendlichenPsychotherapeutin Miriam Hoff aus Frankfurt (D) sieht die Ursachen häufig in übermäßiger Behütung. „Kinder müssen lernen, eigene Erfahrungen zu sammeln und Fehler zu machen, ohne dabei die Liebe ihrer Mutter zu verlieren. Sie müssen das Gefühl haben, ich darf mich entfernen und zurückkommen und werde trotzdem geliebt.“
Wird einem Sohn dagegen jede Schwierigkeit aus dem Weg geräumt oder fühlt er sich für das Glück seiner Mutter verantwortlich, fällt ihm die Loslösung schwer. Problematisch wird es obendrein, wenn die Mutter seine Partnerin als Rivalin betrachtet. Dann stellt sich der Mann im Zweifelsfall lieber gegen seine Freundin, als Mama zu enttäuschen.
Doch selbst wenn ein erwachsener Mann noch die Vorzüge des Elternhauses genießt, muss das nichts mit einem Muttersöhnchen zu tun haben. In vielen Fällen spielen finanzielle Überlegungen eine Rolle. Schließlich ist das Wohnen heutzutage teuer. Im zweiten Quartal dieses Jahres kostete eine Mietwohnung in unserem Land durchschnittlich rund 700 Euro monatlich, inklusive Betriebskosten. Strom, Heizung, Lebensmittel und Kaution kommen dann noch dazu.
Da kann das Zimmer bei Mama eine vernünftige Zwischenlösung sein, gerade während der Ausbildung oder beim Sparen auf die erste eigene Wohnung.
Nach den neuesten Zahlen der Statistik Austria lebten im Jahr 2025 noch 23,7 Prozent der 25- bis 29jährigen bei ihren Eltern. Bei den Männern dieser Altersgruppe waren es sogar fast 30 Prozent, bei den Frauen nur 17,4 Prozent. Selbst von den 35- bis 39jährigen Männern wohnten noch 7,6 Prozent im Elternhaus. Und sogar im höheren Alter bleiben manche bei Mama und Papa: 2025 lebten 45.100 Männer, die älter als 44 Jahre waren, bei ihren Eltern.
Im europäischen Vergleich verlassen junge Menschen das Hotel Mama unterschiedlich früh. Im Vorjahr lag das durchschnittliche Auszugsalter hierzulande bei 25,2 Jahren, in Italien bei 30,2, in Kroatien sogar bei 31,5 Jahren.
Wobei sich unsere Lebensentwicklungen ohnehin verschoben haben. Laut Statistik Austria waren die Männer bei ihrer ersten Hochzeit 1975 durchschnittlich 24,4 Jahre alt, im Jahr 2024 dagegen bereits 33,6 Jahre. Bei Frauen stieg das Alter im selben Zeitraum von 21,4 auf 31,6 Jahre.
Auch das vorangeschrittene Alter allein sagt noch nichts darüber aus, ob ein Mann nun ein Muttersöhnchen ist oder nicht. Den Kriterien des Dudens folgend ist es wichtiger zu wissen, wie selbstständig er sein Leben gestaltet.
„Natürlich darf er sich von Mama bekochen lassen, sie um Rat fragen und regelmäßig Zeit mit ihr verbringen“, weiß die Diplompsychologin Lisa Fischbach. „Problematisch wird es, wenn sie bei jeder wichtigen Entscheidung das letzte Wort hat. Denn seine Mutter zu lieben, ist das eine. Ein Leben lang nach ihrer Pfeife zu tanzen, das andere.“ elke morri
„Ich bin ein bisschen bequem geworden“
Philipp Gruber, 36, Buchhandelsangestellter,
mit seiner Mutter Marlene Gruber, 63, Pensionistin
Für Philipp Gruber ist das Elternhaus noch immer sein Zuhause. Der 36jährige hat Germanistik studiert und arbeitet in einer Buchhandlung. „Reich werde ich dabei nicht. Ich verdiene rund 1.800 Euro netto im Monat. Für eine 50-Quadratmeter-Wohnung müsste ich in Salzburg rund 1.100 Euro Miete inklusive Betriebskosten bezahlen. Da bleibt mir kaum noch was zum Leben. Außerdem haben wir zu Hause genügend Platz“, erzählt er. Natürlich beteiligt er sich an den Haushaltskosten, genießt aber auch die Annehmlichkeiten. Seine Mutter Marlene kocht, kümmert sich um die Wäsche und stellt ihm bei Bedarf ihr Auto zur Verfügung. „Zugegeben, ein bisschen bequem bin ich schon geworden“, gesteht Gruber schmunzelnd. Nur mit der Liebe will es nicht so recht klappen.
„Welche Frau möchte schon bei mir übernachten, wenn nebenan meine Eltern schlafen? Meine vorige Beziehung ist daran gescheitert, dass ich nicht ausziehen wollte.“ Mittlerweile ist Gruber wieder alleinstehend. Seine Mutter sieht das Zusammenleben gelassen. „Philipp ist unser einziges Kind, und wir verstehen uns wunderbar. Warum sollte ich ihn vor die Tür setzen? Ich bin froh, dass er noch bei uns ist. Aber natürlich wünsche ich mir, dass er eine liebe Frau findet und seine eigene Familie gründet.“








