Am Ende richtig Abschied nehmen …
Das Sterben eines geliebten Menschen macht Angehörige und Nahestehende oft hilflos. Dabei ist die Sterbebegleitung nicht schwer und praktizierte Mitmenschlichkeit. In einem „Letzte Hilfe“-Kurs werden Basiswissen und einfache Handgriffe vermittelt.
Irgendwann trifft es jeden von uns. Ein geliebter Mensch liegt im Sterben, und es heißt Abschied nehmen.
„Gespräche über die letzte Lebenszeit sind noch ein Tabuthema in der Gesellschaft. Kaum jemand weiß daher, wie Menschen einander in dieser Zeit helfen können und welch tiefe, menschliche Erfahrung Sterbebegleitung sein kann. Oft sind es die scheinbar kleinen Dinge, die für Menschen in der Situation etwas Großes bedeuten“, sagt Manuela Straub, Kursdirektorin und Vorsitzende des Vereines „Letzte Hilfe Österreich“. Mit der WOCHE hat sie über das Einmaleins der Sterbebegleitung gesprochen.
Frau Straub, was ist ein „Letzte Hilfe“-Kurs?
In einem „Letzte Hilfe“-Kurs lernen Menschen, was sie für ihre Mitmenschen an deren Lebensende tun können. Der Kurs ist ein Türöffner und regt an, über eigene Werte und Wünsche nachzudenken.
Was ist mir wichtig? Wie kann ich für das eigene Lebensende vorsorgen? Das gibt Sicherheit im Tun und Lassen. Wir möchten Grundwissen vermitteln und dazu ermutigen, sich Menschen in dieser Lebensphase zuzuwenden.
Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen. Das Wissen um Letzte Hilfe, dem Umsorgen von Sterbenden und Schwerkranken sollte zum Allgemeinwissen werden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir im Leben mehr Letzte als Erste Hilfe leisten. Es ist gut, vorbereitet zu sein.
Welches Wissen wird bei der Letzten Hilfe vermittelt?
Der Kurs besteht aus vier Modulen zu je 45 Minuten, mit kurzen Pausen. Das erste Modul heißt „Sterben ist ein Teil des Lebens“. Wir alle haben ein Ablaufdatum.
Wir sprechen über die Normalität des Sterbens und dass das Sterben meist ein Prozess ist.
Woran ist erkennbar, dass sich ein Mensch dem Lebensende nähert? Dabei ist uns der ganzheitliche
Blick wichtig, denn es geht um mehr als nur körperliche Bedürfnisse.
Worum geht es in den Modulen zwei bis vier?
Im zweiten Modul geht es um Vorsorgen und Entscheiden. Hier erklären wir Hilfsangebote und Begriffe wie etwa, was bedeutet „palliativ“. Palliativ bedeutet nicht gleich „sterbend zu sein“.
Was ist ein Hospizteam oder wo ist die nächste Palliativstation?
Wir stellen kurz Vorsorgeinstrumente wie die Patientenverfügung vor und wo eine Beratung dazu möglich ist. Wie wichtig es für die Menschen ist zu wissen, die dann für uns entscheiden, was uns wichtig ist.
Im dritten Modul, „Leiden lindern“, geht es um praktische Letzte Hilfe.
Die Teilnehmer erfahren, welche Belastungen und Beschwerden bei Sterbenden auftreten können.
Warum der Atem zu rasseln beginnt und das leichte Hochlagern des Oberkörpers das erleichtern kann. Ist die Mimik des Sterbenden entspannt, können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er keine Belastung spürt.
Dass ich beim Sterbenden die durch die Mundatmung ausgetrocknete Mundschleimhaut und Lippen befeuchten kann, wenn Schlucken nicht mehr möglich ist. Wir sprechen darüber, wie wertvoll es ist, wenn jemand da ist und bleibt.
Wir dürfen davon ausgehen, dass der Sterbende uns bis zum Schluss hört. Wir können also mit den Menschen sprechen.
Das tut auch uns gut. Im vierten Modul geht es um „Abschied nehmen“. Was nach dem Versterben passiert. Da ist die rechtliche Seite, die Totenbeschau und das Erkennen der sicheren Todeszeichen.
Es wird informiert, dass sich Menschen in Ruhe verabschieden können. Zu Hause sind sogar bis zu 36 Stunden möglich. In Spitälern oder anderen Institutionen gibt es meist Verabschiedungsräume.
Danach kann jeder fragen. Wir sprechen über Rituale und ermutigen, Kinder zu beteiligen.
Dürfen Fragen gestellt werden? Etwa, wie verhalte ich mich, wenn ich höre, ein Bekannter, Nachbar,
Arbeitskollege ist todkrank? Darf ich das ansprechen?
Fragen sind erwünscht. Es geht ja darum, Menschen zu ermutigen, ins Gespräch zu kommen. Jeder kann das Angebot zum Gespräch aussprechen, signalisieren, dass er dafür offen ist. Sie können sagen, „Vielleicht passt es dir im Moment nicht, aber du weißt, du kannst mit mir reden.“
So ein Angebot gibt dem Gegenüber eine Wahl. Die Würde liegt auch in der Wahl.
Ist die Stimmung in einem „Letzten Hilfe“-Kurs
nicht bedrückend? Es geht ums Sterben, um Verlust.
Eine gewisse Anspannung ist zu Beginn manchmal zu spüren. Das legt sich meist schnell. Dabei hilft die Struktur des Kurses. Es kommt zu heiteren Momenten und es ist genauso Platz für Traurigkeit.
Oft hören wir, „Danke, es war gar nicht so schwer, wie ich es erwartet habe.“ Oder „Hätte ich das alles früher gewusst.“ Wir vermitteln Wissen und ermöglichen gleichzeitig einen Raum, in dem Fragen und Erfahrungen geteilt werden können.
Wie viele Teilnehmer sind in einem Kurs möglich?
Maximal zwanzig, da wir den Austausch in der Gruppe ermöglichen möchten. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Gibt es „Letzte Hilfe“-Kurse in allen Bundesländern?
Ja. Auf unserer Homepage www.letztehilfeoesterreich.at finden Interessierte eine Österreichkarte nach Bundesländern aufgeteilt.
Ein Klick auf das gewünschte Bundesland und eine Liste mit den nächsten Terminen, der Adresse sowie der Möglichkeit zur Anmeldung öffnet sich.
Wer sind die Kursleiter?
Alle Kursleiter und -leiterinnen sind von uns zertifiziert und haben praktische Erfahrung in der Hospiz- und Palliativversorgung.
Wie viel kostet ein Kurs?
Nach Möglichkeit ist die Teilnahme kostenfrei oder wird auf Spendenbasis angeboten.
Die Aufwandsentschädigung pro Teilnehmer liegt bei höchstens zwanzig Euro.
Der einfache Zugang ist wichtig. Ohne Ehrenamt und Spenden wäre dies nicht möglich.
Wem empfehlen Sie einen „Letzte Hilfe“-Kurs ?
Menschen, die den Wunsch haben, sich in dieser Situation sicher zu fühlen. Mit diesem Angebot werden sie wichtige Orientierungen bekommen.
„Gespräche über die letzte Lebenszeit sind noch ein Tabuthema in der Gesellschaft. Kaum jemand weiß daher, wie Menschen einander in dieser Zeit helfen können und welch tiefe, menschliche Erfahrung Sterbebegleitung sein kann. Oft sind es die scheinbar kleinen Dinge, die für Menschen in der Situation etwas Großes bedeuten“, sagt Manuela Straub, Kursdirektorin und Vorsitzende des Vereines „Letzte Hilfe Österreich“. Mit der WOCHE hat sie über das Einmaleins der Sterbebegleitung gesprochen.
Frau Straub, was ist ein „Letzte Hilfe“-Kurs?
In einem „Letzte Hilfe“-Kurs lernen Menschen, was sie für ihre Mitmenschen an deren Lebensende tun können. Der Kurs ist ein Türöffner und regt an, über eigene Werte und Wünsche nachzudenken.
Was ist mir wichtig? Wie kann ich für das eigene Lebensende vorsorgen? Das gibt Sicherheit im Tun und Lassen. Wir möchten Grundwissen vermitteln und dazu ermutigen, sich Menschen in dieser Lebensphase zuzuwenden.
Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen. Das Wissen um Letzte Hilfe, dem Umsorgen von Sterbenden und Schwerkranken sollte zum Allgemeinwissen werden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir im Leben mehr Letzte als Erste Hilfe leisten. Es ist gut, vorbereitet zu sein.
Welches Wissen wird bei der Letzten Hilfe vermittelt?
Der Kurs besteht aus vier Modulen zu je 45 Minuten, mit kurzen Pausen. Das erste Modul heißt „Sterben ist ein Teil des Lebens“. Wir alle haben ein Ablaufdatum.
Wir sprechen über die Normalität des Sterbens und dass das Sterben meist ein Prozess ist.
Woran ist erkennbar, dass sich ein Mensch dem Lebensende nähert? Dabei ist uns der ganzheitliche
Blick wichtig, denn es geht um mehr als nur körperliche Bedürfnisse.
Worum geht es in den Modulen zwei bis vier?
Im zweiten Modul geht es um Vorsorgen und Entscheiden. Hier erklären wir Hilfsangebote und Begriffe wie etwa, was bedeutet „palliativ“. Palliativ bedeutet nicht gleich „sterbend zu sein“.
Was ist ein Hospizteam oder wo ist die nächste Palliativstation?
Wir stellen kurz Vorsorgeinstrumente wie die Patientenverfügung vor und wo eine Beratung dazu möglich ist. Wie wichtig es für die Menschen ist zu wissen, die dann für uns entscheiden, was uns wichtig ist.
Im dritten Modul, „Leiden lindern“, geht es um praktische Letzte Hilfe.
Die Teilnehmer erfahren, welche Belastungen und Beschwerden bei Sterbenden auftreten können.
Warum der Atem zu rasseln beginnt und das leichte Hochlagern des Oberkörpers das erleichtern kann. Ist die Mimik des Sterbenden entspannt, können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er keine Belastung spürt.
Dass ich beim Sterbenden die durch die Mundatmung ausgetrocknete Mundschleimhaut und Lippen befeuchten kann, wenn Schlucken nicht mehr möglich ist. Wir sprechen darüber, wie wertvoll es ist, wenn jemand da ist und bleibt.
Wir dürfen davon ausgehen, dass der Sterbende uns bis zum Schluss hört. Wir können also mit den Menschen sprechen.
Das tut auch uns gut. Im vierten Modul geht es um „Abschied nehmen“. Was nach dem Versterben passiert. Da ist die rechtliche Seite, die Totenbeschau und das Erkennen der sicheren Todeszeichen.
Es wird informiert, dass sich Menschen in Ruhe verabschieden können. Zu Hause sind sogar bis zu 36 Stunden möglich. In Spitälern oder anderen Institutionen gibt es meist Verabschiedungsräume.
Danach kann jeder fragen. Wir sprechen über Rituale und ermutigen, Kinder zu beteiligen.
Dürfen Fragen gestellt werden? Etwa, wie verhalte ich mich, wenn ich höre, ein Bekannter, Nachbar,
Arbeitskollege ist todkrank? Darf ich das ansprechen?
Fragen sind erwünscht. Es geht ja darum, Menschen zu ermutigen, ins Gespräch zu kommen. Jeder kann das Angebot zum Gespräch aussprechen, signalisieren, dass er dafür offen ist. Sie können sagen, „Vielleicht passt es dir im Moment nicht, aber du weißt, du kannst mit mir reden.“
So ein Angebot gibt dem Gegenüber eine Wahl. Die Würde liegt auch in der Wahl.
Ist die Stimmung in einem „Letzten Hilfe“-Kurs
nicht bedrückend? Es geht ums Sterben, um Verlust.
Eine gewisse Anspannung ist zu Beginn manchmal zu spüren. Das legt sich meist schnell. Dabei hilft die Struktur des Kurses. Es kommt zu heiteren Momenten und es ist genauso Platz für Traurigkeit.
Oft hören wir, „Danke, es war gar nicht so schwer, wie ich es erwartet habe.“ Oder „Hätte ich das alles früher gewusst.“ Wir vermitteln Wissen und ermöglichen gleichzeitig einen Raum, in dem Fragen und Erfahrungen geteilt werden können.
Wie viele Teilnehmer sind in einem Kurs möglich?
Maximal zwanzig, da wir den Austausch in der Gruppe ermöglichen möchten. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Gibt es „Letzte Hilfe“-Kurse in allen Bundesländern?
Ja. Auf unserer Homepage www.letztehilfeoesterreich.at finden Interessierte eine Österreichkarte nach Bundesländern aufgeteilt.
Ein Klick auf das gewünschte Bundesland und eine Liste mit den nächsten Terminen, der Adresse sowie der Möglichkeit zur Anmeldung öffnet sich.
Wer sind die Kursleiter?
Alle Kursleiter und -leiterinnen sind von uns zertifiziert und haben praktische Erfahrung in der Hospiz- und Palliativversorgung.
Wie viel kostet ein Kurs?
Nach Möglichkeit ist die Teilnahme kostenfrei oder wird auf Spendenbasis angeboten.
Die Aufwandsentschädigung pro Teilnehmer liegt bei höchstens zwanzig Euro.
Der einfache Zugang ist wichtig. Ohne Ehrenamt und Spenden wäre dies nicht möglich.
Wem empfehlen Sie einen „Letzte Hilfe“-Kurs ?
Menschen, die den Wunsch haben, sich in dieser Situation sicher zu fühlen. Mit diesem Angebot werden sie wichtige Orientierungen bekommen.








