Monika Martin:
„Ich trage stets den Ring meines Vaters“
„Ich trage stets den Ring meines Vaters“
Die Steirerin Monika Martin, 64, feiert ihr 30jähriges Bühnenjubiläum. Ein Anlass, den sie mit mehreren Konzerten hierzulande würdigt. Und eine Möglichkeit, daheim nach dem Rechten zu sehen …
Frau Martin, Sie hatten gerade den Elektriker im Haus. Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit verlaufen? Und haben Sie allgemein ein glückliches Händchen mit Handwerkern? Das ist ja heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr …
Ja, ich habe oft großes Glück (lacht). Mir wurde schon in die Wiege gelegt: Wenn jemand etwas gern tut, dann kann er es darin zur Meisterschaft bringen. Solche Handwerker zu kennen, ist natürlich großartig. Über die Jahre habe ich mir eine feste Stamm-Runde aufgebaut, denn für mich ist jedes Handwerk echte Kunst. Ein Tischler, Elektriker, Maurer oder Maler kann so viel verhauen, dass man schlussendlich unglücklich ist. Oder er arbeitet so großartig, dass das Ergebnis genau den eigenen Vorstellungen entspricht. Wenn das der Fall ist, zeige ich den Handwerkern meine höchste Wertschätzung und sage ihnen das auch. Und wenn einmal etwas nicht passt, spreche ich es ebenfalls an – aber immer so, dass mein Gegenüber sein Gesicht wahren kann.
Werden Sie in solchen Momenten nie ungeduldig oder gar ärgerlich?
Nein, um Gottes Willen, wir sind doch alle fehlbar. Auch ich erlebe Konzertauftritte, bei denen ich super gut drauf bin, und ein anderes Mal habe ich Kopfweh und denke mir, hoffentlich ist es bald vorbei. Das liegt dann aber ausschließlich daran, dass es mir selbst an diesem Tag nicht so gut geht. Grundsätzlich mache ich das, was ich tue, sehr gern.
Das stellen Sie mit Ihrem neuen Album „Sommerland“ unter Beweis, auf dem Sie bei dem Lied „Lieblingsoma“ sogar stilistische Grenzen überschreiten …
Das mit dem Rap ist eine ganz neue Seite von mir, die mir eher zufällig passiert ist. Der deutsche Rapper Dope030 aus Kiel schrieb mich an, weil er sich bei der Oma seiner Frau bedanken wollte. Sie hat ihm geholfen, ihm Halt gegeben und an ihn geglaubt. Davor ging es ihm schlecht, er war mittellos. Mittlerweile hat er es zu einer eigenen Firma und einer Familie gebracht. Als die Oma schwer krank wurde, wollte er sich musikalisch bei ihr bedanken. Er fragte sie nach ihrem Lieblingssänger, und die Oma antwortete: „Monika Martin“.
Auf die Frage nach ihrem Lieblingslied sagte sie: „Goodbye Farewell“. Er hörte sich das Lied an, nahm den Text des Refrains und machte daraus einen Rap. Als ich mir den Rap anhörte, musste ich weinen.
Ihr Kollege Semino Rossi hat für Sie das Lied „Das bist du“ geschrieben, das die Zeile enthält: „Du brauchst kein Make-up und kein Licht, du trägst dein Leuchten im Gesicht.“ Wie viel Wert legen Sie auf Mode und Styling?
Was die Mode angeht, habe ich meinen Stil gefunden und weiß genau, welche Schnitte und Farben mir stehen. Ich laufe keinen kurzlebigen Trends hinterher und kaufe mir nicht ständig etwas Neues – ganz einfach, weil mich das Einkaufen nervt.
Wenn ich auf der Bühne stehe, ist das Wohlfühlen das Wichtigste. Deshalb lege ich bei der Kleidung Wert auf Qualität und halte mich an das, was meine Oma immer zu sagen pflegte: Wer billig kauft, kauft teuer. Jeans auf der Bühne kommen für mich nicht in Frage. Das finde ich unpassend – da müsste ich eine andere Musik machen.
Wie kleiden Sie sich, wenn Sie daheim sind?
Da bevorzuge ich es bequem – in Jogginghose und T-Shirt, völlig ungeschminkt. Auf der Bühne, oder wenn ich ausgehe, schminke ich mich dezent, aber ich bin und war noch nie jemand, der sich übermäßig schminkt. Das entspricht nicht meinem Wesen.
Haben Sie ein Lieblings-Accessoire, das Ihnen vielleicht sogar als Glücksbringer dient?
Ja, ich trage immer einen Ring, den mein Vater in Venedig (I) kaufte und Mutti schenkte, als die beiden sehr verliebt waren – bald darauf war ich unterwegs. Es ist ein wunderschönes Schmuckstück, durch das ich meine Eltern immer bei mir habe. Mein leiblicher Vater stammt aus Wuppertal (D). Er hat meine Mutti und mich verlassen. Ich habe ihn nie persönlich gesehen, nur einige Male mit ihm telefoniert. Aber ich habe gelernt, es so anzunehmen, wie es ist. Als ich erfuhr, dass er gestorben ist, weinte ich, denn mein Vater war so, wie er war, wunderbar – und sei es nur deshalb, weil er mein Vater war.
Wie viel Zeit verbringen Sie vor dem Spiegel?
Sehr viel Zeit, ich kenne jeden einzelnen Spiegel in der Grazer Herrengasse. Mittlerweile weiß ich auch, woran das liegt – an meiner Unsicherheit. Diese Unsicherheit geht auf ein Ungleichgewicht zurück, bei dem ich erst einmal herausfinden musste, worin es überhaupt besteht. Ich habe meinen leiblichen Vater, wie gesagt, nie kennengelernt. Die letzten Worte, die meine Mutter von ihm hörte, fielen bei einem Telefonat, als sie mich – ich war noch ein Baby – im Arm hielt. Er wollte zu Weihnachten kommen, rief dann aber an, um ihr mitzuteilen, dass er es erst zu Silvester schaffen würde. Er kam nie wieder. So wuchs ich bis zum sechsten Lebensjahr ohne Vater auf, bis meine Mutti meinen Stiefvater kennenlernte, den ich von Anfang an in mein Herz schloss. Im Kindergarten war ich dennoch das einzige vaterlose Kind. Obwohl ich von meiner Mama, meinen Großeltern, Tanten und Onkeln rundum behütet wurde und es mir an nichts fehlte, glaube ich bis heute, dass dieses Fehlen des Vaters ein gewisses Ungleichgewicht in mir ausgelöst hat.
War das der Grund für Ihre Gesangs-Karriere, die nun schon 30 Jahre dauert? Sie haben ja voher zehn Jahre Bildnerische Erziehung unterrichtet?
Ja, ich war schon im Kindergarten und in der Schule immer der Kasperl und habe es einfach geliebt, die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Der Weg zur Musik war absolut richtig. Ich habe diese Entscheidung keine einzige Sekunde bereut. Solange ich Rückmeldungen bekomme wie: „Das Konzert war für mich wie eine Therapiestunde“, weiß ich, dass ich den Menschen anscheinend gut tue.
Zur Person
Monika Martin wurde als Ilse Bauer am 7. Mai 1962 in der steirischen Landeshauptstadt Graz geboren, wo sie bis heute lebt.
Sie studierte Kunstgeschichte und Volkskunde und
unterrichtete von 1990 bis 2000 Bildnerische Erziehung. Nach dem Studium an der Musikhochschule folgte sie ihrem Traum und wurde Sängerin. Mit „La Luna Blu“
gelang ihr 1996 der erste große Erfolg.
Ihr 30jähriges Bühnenjubiläum feiert die Sängerin mit einer großen „Sommerland-Tour“. Die nächsten Auftritte:
14. und 15.11., Stockerau (NÖ),
23. und 24.11., Graz.
Termine: www.monika-martin.at
Karten: oeticket.com
Ja, ich habe oft großes Glück (lacht). Mir wurde schon in die Wiege gelegt: Wenn jemand etwas gern tut, dann kann er es darin zur Meisterschaft bringen. Solche Handwerker zu kennen, ist natürlich großartig. Über die Jahre habe ich mir eine feste Stamm-Runde aufgebaut, denn für mich ist jedes Handwerk echte Kunst. Ein Tischler, Elektriker, Maurer oder Maler kann so viel verhauen, dass man schlussendlich unglücklich ist. Oder er arbeitet so großartig, dass das Ergebnis genau den eigenen Vorstellungen entspricht. Wenn das der Fall ist, zeige ich den Handwerkern meine höchste Wertschätzung und sage ihnen das auch. Und wenn einmal etwas nicht passt, spreche ich es ebenfalls an – aber immer so, dass mein Gegenüber sein Gesicht wahren kann.
Werden Sie in solchen Momenten nie ungeduldig oder gar ärgerlich?
Nein, um Gottes Willen, wir sind doch alle fehlbar. Auch ich erlebe Konzertauftritte, bei denen ich super gut drauf bin, und ein anderes Mal habe ich Kopfweh und denke mir, hoffentlich ist es bald vorbei. Das liegt dann aber ausschließlich daran, dass es mir selbst an diesem Tag nicht so gut geht. Grundsätzlich mache ich das, was ich tue, sehr gern.
Das stellen Sie mit Ihrem neuen Album „Sommerland“ unter Beweis, auf dem Sie bei dem Lied „Lieblingsoma“ sogar stilistische Grenzen überschreiten …
Das mit dem Rap ist eine ganz neue Seite von mir, die mir eher zufällig passiert ist. Der deutsche Rapper Dope030 aus Kiel schrieb mich an, weil er sich bei der Oma seiner Frau bedanken wollte. Sie hat ihm geholfen, ihm Halt gegeben und an ihn geglaubt. Davor ging es ihm schlecht, er war mittellos. Mittlerweile hat er es zu einer eigenen Firma und einer Familie gebracht. Als die Oma schwer krank wurde, wollte er sich musikalisch bei ihr bedanken. Er fragte sie nach ihrem Lieblingssänger, und die Oma antwortete: „Monika Martin“.
Auf die Frage nach ihrem Lieblingslied sagte sie: „Goodbye Farewell“. Er hörte sich das Lied an, nahm den Text des Refrains und machte daraus einen Rap. Als ich mir den Rap anhörte, musste ich weinen.
Ihr Kollege Semino Rossi hat für Sie das Lied „Das bist du“ geschrieben, das die Zeile enthält: „Du brauchst kein Make-up und kein Licht, du trägst dein Leuchten im Gesicht.“ Wie viel Wert legen Sie auf Mode und Styling?
Was die Mode angeht, habe ich meinen Stil gefunden und weiß genau, welche Schnitte und Farben mir stehen. Ich laufe keinen kurzlebigen Trends hinterher und kaufe mir nicht ständig etwas Neues – ganz einfach, weil mich das Einkaufen nervt.
Wenn ich auf der Bühne stehe, ist das Wohlfühlen das Wichtigste. Deshalb lege ich bei der Kleidung Wert auf Qualität und halte mich an das, was meine Oma immer zu sagen pflegte: Wer billig kauft, kauft teuer. Jeans auf der Bühne kommen für mich nicht in Frage. Das finde ich unpassend – da müsste ich eine andere Musik machen.
Wie kleiden Sie sich, wenn Sie daheim sind?
Da bevorzuge ich es bequem – in Jogginghose und T-Shirt, völlig ungeschminkt. Auf der Bühne, oder wenn ich ausgehe, schminke ich mich dezent, aber ich bin und war noch nie jemand, der sich übermäßig schminkt. Das entspricht nicht meinem Wesen.
Haben Sie ein Lieblings-Accessoire, das Ihnen vielleicht sogar als Glücksbringer dient?
Ja, ich trage immer einen Ring, den mein Vater in Venedig (I) kaufte und Mutti schenkte, als die beiden sehr verliebt waren – bald darauf war ich unterwegs. Es ist ein wunderschönes Schmuckstück, durch das ich meine Eltern immer bei mir habe. Mein leiblicher Vater stammt aus Wuppertal (D). Er hat meine Mutti und mich verlassen. Ich habe ihn nie persönlich gesehen, nur einige Male mit ihm telefoniert. Aber ich habe gelernt, es so anzunehmen, wie es ist. Als ich erfuhr, dass er gestorben ist, weinte ich, denn mein Vater war so, wie er war, wunderbar – und sei es nur deshalb, weil er mein Vater war.
Wie viel Zeit verbringen Sie vor dem Spiegel?
Sehr viel Zeit, ich kenne jeden einzelnen Spiegel in der Grazer Herrengasse. Mittlerweile weiß ich auch, woran das liegt – an meiner Unsicherheit. Diese Unsicherheit geht auf ein Ungleichgewicht zurück, bei dem ich erst einmal herausfinden musste, worin es überhaupt besteht. Ich habe meinen leiblichen Vater, wie gesagt, nie kennengelernt. Die letzten Worte, die meine Mutter von ihm hörte, fielen bei einem Telefonat, als sie mich – ich war noch ein Baby – im Arm hielt. Er wollte zu Weihnachten kommen, rief dann aber an, um ihr mitzuteilen, dass er es erst zu Silvester schaffen würde. Er kam nie wieder. So wuchs ich bis zum sechsten Lebensjahr ohne Vater auf, bis meine Mutti meinen Stiefvater kennenlernte, den ich von Anfang an in mein Herz schloss. Im Kindergarten war ich dennoch das einzige vaterlose Kind. Obwohl ich von meiner Mama, meinen Großeltern, Tanten und Onkeln rundum behütet wurde und es mir an nichts fehlte, glaube ich bis heute, dass dieses Fehlen des Vaters ein gewisses Ungleichgewicht in mir ausgelöst hat.
War das der Grund für Ihre Gesangs-Karriere, die nun schon 30 Jahre dauert? Sie haben ja voher zehn Jahre Bildnerische Erziehung unterrichtet?
Ja, ich war schon im Kindergarten und in der Schule immer der Kasperl und habe es einfach geliebt, die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Der Weg zur Musik war absolut richtig. Ich habe diese Entscheidung keine einzige Sekunde bereut. Solange ich Rückmeldungen bekomme wie: „Das Konzert war für mich wie eine Therapiestunde“, weiß ich, dass ich den Menschen anscheinend gut tue.
Zur Person
Monika Martin wurde als Ilse Bauer am 7. Mai 1962 in der steirischen Landeshauptstadt Graz geboren, wo sie bis heute lebt.
Sie studierte Kunstgeschichte und Volkskunde und
unterrichtete von 1990 bis 2000 Bildnerische Erziehung. Nach dem Studium an der Musikhochschule folgte sie ihrem Traum und wurde Sängerin. Mit „La Luna Blu“
gelang ihr 1996 der erste große Erfolg.
Ihr 30jähriges Bühnenjubiläum feiert die Sängerin mit einer großen „Sommerland-Tour“. Die nächsten Auftritte:
14. und 15.11., Stockerau (NÖ),
23. und 24.11., Graz.
Termine: www.monika-martin.at
Karten: oeticket.com








