Auf dem Friedhof ermordet
Eine 64jährige Wienerin besuchte wie so oft das Grab ihrer Eltern auf dem Friedhof Baumgarten. Doch diesmal wartete dort ein 14jähriges Mädchen
auf ein Opfer. Wenige Minuten später war die Pensionistin tot.
auf ein Opfer. Wenige Minuten später war die Pensionistin tot.
In den nächsten Tagen werden in unserem Land viele tausend Menschen die Friedhöfe besuchen, die Gräber ihrer verstorbenen Verwandten schmücken und ihrer gedenken. Es wird viel los sein zu Allerheiligen und Allerseelen.
Das ist unter dem Jahr nicht so. Da wird der Friedhof sogar zum Tatort eines Verbrechens, die Stille dem Opfer zum Verhängnis. Eine derartige Tragödie ereignete sich am Nachmittag des 23. Februar dieses Jahres.
Wie so oft in den vergangenen Jahren hatte sich die Pensionistin (Name der Redaktion bekannt) zurechtgemacht. Sie wollte an diesem Tag zum Grab ihrer Eltern fahren, die auf dem Wiener Friedhof Baumgarten in Penzing, 14. Bezirk, beerdigt wurden.
Die Seniorin wohnte nur wenige Minuten davon entfernt und genoss die stille Andacht. Doch an diesem Tag blieb sie nicht alleine. Ein 14jähriges Mädchen saß auf einer Bank und beobachtete die ehemalige Mitarbeiterin des Wiener Magistrats.
Denn sie suchte ein Opfer, das sie töten konnte. „Die Jugendliche wollte unbedingt jemanden auf dem Friedhof umbringen“, sagte die Richterin Christina Salzborn, Vizepräsidentin des Wiener Straflandesgerichtes, später im Prozess.
Die örtlichen Gegebenheiten waren dem 14jährigen Mädchen mit kurdisch-irakischen Wurzeln vertraut. Zum Zeitpunkt der Tat lebte sie bereits seit Monaten in einer sozial-psychiatrischen Wohngemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe ganz in der Nähe.
Ihr Vater war Jahre zuvor gestorben. Die Jugendliche ist die jüngste von drei Töchtern. Ihre Mutter hatte sie in Betreuung gegeben, weil sie mit den schweren psychischen Problemen ihrer Tochter nicht mehr zurechtkam. Die 14jährige verletzte sich immer wieder selbst und hatte bereits mehrere Suizidversuche hinter sich. Daneben zog es sie immer wieder auf Friedhöfe.
Der Tod übte eine beinahe zwanghafte Anziehungskraft auf sie aus. Sie schnupperte sogar an Gräbern, weil sie hoffte, so den Geruch des Todes wahrnehmen zu können.
An diesem Nachmittag hatte sie ein Klappmesser dabei. Als die 64jährige an der Bank vorbeikam, stand das Mädchen auf und folgte ihr.
Die beiden Frauen kannten sich nicht. Es gab keinen Streit, keine Vorgeschichte, keinen persönlichen Grund. Es hätte auch jemand anderen treffen können.
„Die Seniorin war ein Zufallsopfer“, erklärt Salzborn. Im Gehen griff die 14jährige plötzlich an und stach auf die Frau ein. „Das Opfer hat sich gewehrt“, erzählt Salzborn. Doch der Kampf war schnell vorbei. Die 64jährige hatte keine Chance.
Wie in Raserei stach die 14jährige zu. Bei der Obduktion wurden später mehr als 80 Stich- und Schnittverletzungen festgestellt, vor allem im Kopf- und Halsbereich.
Beim Prozess am Wiener Straflandesgericht erzählte das Mädchen die Tat so: „Ich habe mir gedacht, dass ich jemanden umbringen muss. Das Klappmesser habe ich mir eine Woche vor der Tat gekauft, auch um mich selbst zu verletzen.“
Sie habe sich auch einer Freundin in einer Nachricht anvertraut, dass sie diese Mordgedanken habe. Die Freundin habe sie sogar „aufgemuntert“, die Tat durchzuführen.
Als dann die Frau blutig vor ihr am Boden lag, fotografierte die Mörderin ihr Opfer sogar noch und verschickte die Bilder an drei Freunde. Danach verschwand sie.
Die Leiche wurde erst gegen 16 Uhr von einem 90jährigen Pensionisten gefunden. Ihm war an einer Mauer etwas Dunkles aufgefallen. Zunächst hielt er es für einen weggeworfenen Müllsack und ärgerte sich darüber. Doch als er näherkam, erkannte er die schreckliche Wahrheit. Vor ihm lag die 64jährige regungslos am Boden, ihre Kleidung voller Blut. Der Pensionist alarmierte sofort die Polizei.
Der Friedhofsgärtner Endrit Bekteshi, 24, kannte die Pensionistin vom Sehen. „Sie ist regelmäßig zum Grab ihrer Eltern gekommen“, erzählt er. Nach dem Mord wurden am Tatort Rosen für sie niedergelegt. Die Bluttat verunsicherte viele Besucher.
„Eine Kundin hat sich danach längere Zeit nicht mehr auf den Friedhof getraut“, erinnert sich Bekteshi.
Das Opfer war Akademikerin und kam im Dezember 1961 zur Welt. Sie war nicht verheiratet und hatte keine Kinder.
Die Täterin kehrte nach dem Mord in ihre betreute Wohneinrichtung zurück. Dort wusch sie sich, zog sich um und verständigte selbst die Polizei. Sie gestand die Tat.
Am 17. Juni wurde die 14jährige schließlich am Wiener Straflandesgericht wegen Mordes rechtskräftig zu acht Jahren Haft verurteilt – der Strafrahmen lag zwischen einem Jahr und zehn Jahren.
Zusätzlich ordnete das Gericht ihre Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum an. Heute befindet sie sich im forensisch-therapeutischen Zentrum Asten in Oberösterreich, einer gesicherten Justizeinrichtung für psychisch kranke Straftäter. Dort wird sie psychiatrisch und psychotherapeutisch behandelt.
Die Zeit in Asten wird auf ihre achtjährige Haftstrafe angerechnet. Wird die Unterbringung vorher aufgehoben, muss sie die verbleibende Strafzeit grundsätzlich im normalen Strafvollzug verbringen.
Ihre Anwältin Dr. Astrid Wagner bezeichnet die Jugendliche als „seelisch schwer krank“. Sie bereue zwar, ein Leben genommen zu haben, sei aber noch immer stark mit ihren eigenen psychischen Problemen beschäftigt und habe sich deshalb bislang nur begrenzt mit der Person ihres Opfers auseinandersetzen können. Wie labil sie weiterhin ist, zeigt auch, dass sie selbst in der forensischen Einrichtung erneut versucht hat, sich das Leben zu nehmen.
Auch ihre damals 14jährige Freundin, die sie zur Tat angestachelt hat, bekam eine Strafe.
Am 9. September wurde sie wegen Beihilfe zum Mord zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt und zwei Jahre bedingt, verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig. Für das unbedingte Haftjahr wurde ihr ein Strafaufschub gewährt, damit sie zunächst ihre Ausbildung abschließen kann.
Auf dem Friedhof Baumgarten ist inzwischen wieder der Alltag eingekehrt. Zu Allerheiligen werden wohl wieder zahlreiche Menschen die Gräber ihrer Eltern, Partner und Freunde besuchen.
Besonders bedrückend ist – da keine nahen Angehörigen ihre Bestattung veranlassten, wurde das 64jährige Opfer selbst in einem sogenannten Armengrab beigesetzt – in einer schlichten, von der Stadt organisierten Bestattung. Sie soll am Zentralfriedhof liegen.
Das ist unter dem Jahr nicht so. Da wird der Friedhof sogar zum Tatort eines Verbrechens, die Stille dem Opfer zum Verhängnis. Eine derartige Tragödie ereignete sich am Nachmittag des 23. Februar dieses Jahres.
Wie so oft in den vergangenen Jahren hatte sich die Pensionistin (Name der Redaktion bekannt) zurechtgemacht. Sie wollte an diesem Tag zum Grab ihrer Eltern fahren, die auf dem Wiener Friedhof Baumgarten in Penzing, 14. Bezirk, beerdigt wurden.
Die Seniorin wohnte nur wenige Minuten davon entfernt und genoss die stille Andacht. Doch an diesem Tag blieb sie nicht alleine. Ein 14jähriges Mädchen saß auf einer Bank und beobachtete die ehemalige Mitarbeiterin des Wiener Magistrats.
Denn sie suchte ein Opfer, das sie töten konnte. „Die Jugendliche wollte unbedingt jemanden auf dem Friedhof umbringen“, sagte die Richterin Christina Salzborn, Vizepräsidentin des Wiener Straflandesgerichtes, später im Prozess.
Die örtlichen Gegebenheiten waren dem 14jährigen Mädchen mit kurdisch-irakischen Wurzeln vertraut. Zum Zeitpunkt der Tat lebte sie bereits seit Monaten in einer sozial-psychiatrischen Wohngemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe ganz in der Nähe.
Ihr Vater war Jahre zuvor gestorben. Die Jugendliche ist die jüngste von drei Töchtern. Ihre Mutter hatte sie in Betreuung gegeben, weil sie mit den schweren psychischen Problemen ihrer Tochter nicht mehr zurechtkam. Die 14jährige verletzte sich immer wieder selbst und hatte bereits mehrere Suizidversuche hinter sich. Daneben zog es sie immer wieder auf Friedhöfe.
Der Tod übte eine beinahe zwanghafte Anziehungskraft auf sie aus. Sie schnupperte sogar an Gräbern, weil sie hoffte, so den Geruch des Todes wahrnehmen zu können.
An diesem Nachmittag hatte sie ein Klappmesser dabei. Als die 64jährige an der Bank vorbeikam, stand das Mädchen auf und folgte ihr.
Die beiden Frauen kannten sich nicht. Es gab keinen Streit, keine Vorgeschichte, keinen persönlichen Grund. Es hätte auch jemand anderen treffen können.
„Die Seniorin war ein Zufallsopfer“, erklärt Salzborn. Im Gehen griff die 14jährige plötzlich an und stach auf die Frau ein. „Das Opfer hat sich gewehrt“, erzählt Salzborn. Doch der Kampf war schnell vorbei. Die 64jährige hatte keine Chance.
Wie in Raserei stach die 14jährige zu. Bei der Obduktion wurden später mehr als 80 Stich- und Schnittverletzungen festgestellt, vor allem im Kopf- und Halsbereich.
Beim Prozess am Wiener Straflandesgericht erzählte das Mädchen die Tat so: „Ich habe mir gedacht, dass ich jemanden umbringen muss. Das Klappmesser habe ich mir eine Woche vor der Tat gekauft, auch um mich selbst zu verletzen.“
Sie habe sich auch einer Freundin in einer Nachricht anvertraut, dass sie diese Mordgedanken habe. Die Freundin habe sie sogar „aufgemuntert“, die Tat durchzuführen.
Als dann die Frau blutig vor ihr am Boden lag, fotografierte die Mörderin ihr Opfer sogar noch und verschickte die Bilder an drei Freunde. Danach verschwand sie.
Die Leiche wurde erst gegen 16 Uhr von einem 90jährigen Pensionisten gefunden. Ihm war an einer Mauer etwas Dunkles aufgefallen. Zunächst hielt er es für einen weggeworfenen Müllsack und ärgerte sich darüber. Doch als er näherkam, erkannte er die schreckliche Wahrheit. Vor ihm lag die 64jährige regungslos am Boden, ihre Kleidung voller Blut. Der Pensionist alarmierte sofort die Polizei.
Der Friedhofsgärtner Endrit Bekteshi, 24, kannte die Pensionistin vom Sehen. „Sie ist regelmäßig zum Grab ihrer Eltern gekommen“, erzählt er. Nach dem Mord wurden am Tatort Rosen für sie niedergelegt. Die Bluttat verunsicherte viele Besucher.
„Eine Kundin hat sich danach längere Zeit nicht mehr auf den Friedhof getraut“, erinnert sich Bekteshi.
Das Opfer war Akademikerin und kam im Dezember 1961 zur Welt. Sie war nicht verheiratet und hatte keine Kinder.
Die Täterin kehrte nach dem Mord in ihre betreute Wohneinrichtung zurück. Dort wusch sie sich, zog sich um und verständigte selbst die Polizei. Sie gestand die Tat.
Am 17. Juni wurde die 14jährige schließlich am Wiener Straflandesgericht wegen Mordes rechtskräftig zu acht Jahren Haft verurteilt – der Strafrahmen lag zwischen einem Jahr und zehn Jahren.
Zusätzlich ordnete das Gericht ihre Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum an. Heute befindet sie sich im forensisch-therapeutischen Zentrum Asten in Oberösterreich, einer gesicherten Justizeinrichtung für psychisch kranke Straftäter. Dort wird sie psychiatrisch und psychotherapeutisch behandelt.
Die Zeit in Asten wird auf ihre achtjährige Haftstrafe angerechnet. Wird die Unterbringung vorher aufgehoben, muss sie die verbleibende Strafzeit grundsätzlich im normalen Strafvollzug verbringen.
Ihre Anwältin Dr. Astrid Wagner bezeichnet die Jugendliche als „seelisch schwer krank“. Sie bereue zwar, ein Leben genommen zu haben, sei aber noch immer stark mit ihren eigenen psychischen Problemen beschäftigt und habe sich deshalb bislang nur begrenzt mit der Person ihres Opfers auseinandersetzen können. Wie labil sie weiterhin ist, zeigt auch, dass sie selbst in der forensischen Einrichtung erneut versucht hat, sich das Leben zu nehmen.
Auch ihre damals 14jährige Freundin, die sie zur Tat angestachelt hat, bekam eine Strafe.
Am 9. September wurde sie wegen Beihilfe zum Mord zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt und zwei Jahre bedingt, verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig. Für das unbedingte Haftjahr wurde ihr ein Strafaufschub gewährt, damit sie zunächst ihre Ausbildung abschließen kann.
Auf dem Friedhof Baumgarten ist inzwischen wieder der Alltag eingekehrt. Zu Allerheiligen werden wohl wieder zahlreiche Menschen die Gräber ihrer Eltern, Partner und Freunde besuchen.
Besonders bedrückend ist – da keine nahen Angehörigen ihre Bestattung veranlassten, wurde das 64jährige Opfer selbst in einem sogenannten Armengrab beigesetzt – in einer schlichten, von der Stadt organisierten Bestattung. Sie soll am Zentralfriedhof liegen.








