Die Stadt der Trüffel
Die weiße Trüffel ist die Delikatesse in Istrien. Die Spezialität wächst in den Eichenwäldern. In den Städten Motovun, Buzet und Livade werden im Oktober Trüffelfeste gefeiert.
Hoch über dem Mirna-Tal thront das kroatische Städtchen Motovun. Der mittelalterliche Ort erhebt sich auf einem Hügel in der Region Istrien. Die aus Stein gebauten Häuser schmiegen sich an den Berghang.

Auf dem höchsten Punkt liegt das Herz der Altstadt, geschützt von dicken Festungsmauern. Auf dem Hauptplatz erhebt sich die Pfarrkirche des Heiligen Stephan. Daneben steht das Wahrzeichen der Stadt, ein 27 Meter hoher, freistehender Glockenturm. Die Besucher dürfen das historische Gebäude besteigen und genießen von hoch oben ein herrliches Panorama. Der Blick schweift über Weingärten und dichte Eichenwälder. Dort schlummern versteckte Schätze in der Erde, für die Motovun berühmt ist.

Denn in den Wäldern wachsen Trüffel. Im Mirna-Tal gedeiht neben der Schwarztrüffel auch die weiße Trüffel. Die sogenannte „Tuber magnatum“ ist eine Delikatesse. Wie sie schmeckt, können Besucher bei mehreren Festen herausfinden.

Am 17. und 18. Oktober wird am Hauptplatz in Motovun ein Trüffelfest gefeiert. Zudem steht bei dem lukullischen Geschehen der Teran, eine alte Rotweinsorte, im Mittelpunkt. In den Konobas, so werden die familiengeführten Restaurants genannt, steht die Trüffel das ganze Jahr auf der Speisekarte.

In der Taverne „Mondo“ wird grob gehacktes Steak-Tatar mit schwarzen Trüffeln serviert (€ 24,–). Im „Pod Napun“ werden selbstgemachte Nudeln, die sogenannten Fuži, mit weißer Trüffel (€ 19,–) kredenzt.

„Die weiße Trüffel ist die Königin der Trüffel und wird ausschließlich roh über Gerichte gehobelt oder gerieben. Sie darf nicht erhitzt werden“, erzählt Radmila Karlić, die im Mirna-Tal nach der Spezialität sucht.

Damit die kostbare Delikatesse überhaupt gefunden wird, leihen Hunde dem Menschen ihre Spürnasen. Nur eine begrenzte Zahl von Einheimischen hat die Lizenz für die Suche nach der begehrten Knolle. Die Familie Karlić gehört dazu. „Mein Vater Ivan hat damit in den 1960er Jahren begonnen. Ich ging bereits als zehnjähriges Mädchen mit“, sagt die Kroatin, die ihr Wissen an ihre Kinder weitergegeben hat.

Die Tartufari, wie die Trüffelsucher heißen, sind in der Zeit von September bis Jänner unterwegs, um die weiße Trüffel zu finden. Die schwarze Trüffel hat hingegen das ganze Jahr Saison.

Mithilfe ihrer Hunde begibt sich Karlić frühmorgens in den Wald, um nach der Spezialität zu suchen. „Die Hunde sind darauf trainiert, den charakteristischen Geruch der Trüffel wahrzunehmen.“

Früher wurden in Istrien auch Schweine eingesetzt. Doch weil die beim Finden die Delikatesse selber verspeisten, wird nun auf die Hilfe eines Hundes zurückgegriffen. Sie werden speziell abgerichtet, sodass die Trüffel auf Kommando in den Korb und nicht in den Hundemagen wandert.

Besucher dürfen den Spürnasen bei ihrer Arbeit zuschauen. Wenn die Hunde durch das Unterholz geführt werden, verändert sich die Stimmung. Gespräche verstummen, die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Tiere. Neben der Familie Karlić bieten auch die Familienbetriebe „Pietro&Pietro“ und „Prodan Tartufi“ eine Trüffelsuche an. Alle drei Unternehmen sind in Buzet beheimatet. Die Preise richten sich nach der Dauer der Tour und liegen bei etwa
€ 30,– pro Person.

Buzet befindet sich eine halbe Autostunde von Motovun entfernt und steht am 7. und 8. November im Zeichen der weißen Trüffel. „Mehr als 50 Aussteller präsentieren ihre Produkte. Winzer schenken ihre Weine aus. Die Besucher können Olivenöl, Käse und Pršut, einen luftgetrockneten Rohschinken, verkosten“, sagt Melita Paladin vom Tourismusverband Buzet. Die Trüffel wird auch zu verschiedenen Produkten verarbeitet, etwa zu Trüffelbutter, Trüffelöl, Trüffelkäse oder Trüffelsalz.

Die Besucher können sich mit den Trüffelsuchern auch ins Unterholz begeben. „Die prächtigsten Funde werden von einer Jury bewertet.“

Die weiße Trüffel zählt zu den teuersten Lebensmitteln der Welt, weil sie im Gegensatz zu der schwarzen Trüffel nicht gezüchtet werden kann. Gourmets zahlen für ein Kilo einen Preis von bis zu € 8.000,–. Die Knolle wächst in Symbiose mit den Wurzeln bestimmter Laubbäume wie Eichen.

Der Festreigen macht aber nicht in Buzet Halt. In Livade können Besucher an jedem Wochenende im Oktober bei den „Zigante Trüffeltagen“ die Delikatesse verspeisen.

Die Stadt liegt nur drei Kilometer von Motovun entfernt und kann zu Fuß erreicht werden. Auf der „Parenzana“, einer stillgelegten Eisenbahntrasse, sind Radler und Spaziergänger unterwegs. Der Weg führt durch jene Eichenwälder, in denen die Trüffeln wachsen.
widlak