Seitenweise Vergnügen
Bücher sind gefragt wie schon lange nicht mehr. Zwischen den Seiten Abenteuer und Liebesgeschichten zu erleben, begeistert, selbst Hollywood-Größen machen Lust aufs Lesen.
Ein Buch in die Hand zu nehmen, sich aufs Sofa zu setzen und für eine Weile die Welt rundum zu vergessen – das scheint wieder mehr Menschen zu gefallen. Vor allem junge Leser entdecken Romane neu, tauschen Buchtipps aus und fiebern mit ihren Lieblingsfiguren mit. Selbst das Internetportal für Kurzvideos, TikTok, trägt dazu bei, dass gedruckte Bücher plötzlich wieder begehrt sind.

„Das Lesen ermöglicht uns, neue Dimensionen und Welten kennenzulernen, es ist unsere Verbindung zur Geschichte und in die Zukunft“, sagt die Grazer Bildungs- und Leseforscherin Susanne Seifert.

Gerade für Kinder sei Lesen wichtig, ist die Expertin überzeugt, weil die Lesefähigkeit eng mit sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten zusammenhänge.

Eine aktuelle Umfrage des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels unter rund 800 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren hat gezeigt, dass fast zwei Drittel (64 Prozent) regelmäßig ein Buch zur Hand nehmen. Gefragt sind in erster Linie Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Das gedruckte Buch bleibt dabei für viele die erste Wahl vor der technischen Version der elektronischen Bücher.

Auch die Buchmessen erleben einen gewaltigen Andrang. Die Organisatoren der Buch Wien meldeten im Vorjahr mit mehr als 72.000 Besuchern einen neuen Rekord. Die Anzahl der Besucher lag um zehn Prozent höher als im Jahr davor. In Leipzig (D) kamen im März sogar 313.000 Menschen, so viele wie noch nie. Und auch die Frankfurter Buchmesse (D) in der Vorwoche lockte gut 235.000 Besucher an.

Dem Trend hin zu den gebundenen Blättern konnten sich auch die Prominenten nicht verschließen. Einige von ihnen haben sogar selbst ein Werk verfasst, darunter die „Steirische Eiche“ Arnold Schwarzenegger, 79. Er schrieb mit „Be Useful“ einen Ratgeber mit sieben einfachen Regeln für ein besseres Leben, wohingegen Britney Spears, 44, in „The Woman in Me“ ihre Lebensgeschichte erzählte. Die „Baywatch“-Nixe Pamela Anderson, 59, veröffentlichte ihre Memoiren „In Liebe, Pamela“ und Keanu Reeves, 62, schrieb gemeinsam mit dem Schriftsteller China Miéville den Roman „Das Buch Anderswo“.

Doch niemand treibt die Leselust derart erfolgreich voran wie die Schauspielerin Reese Witherspoon. Seit dem Jahr 2017 wählt die 50jährige „Oscar“-Preisträgerin für ihren „Reese‘s Book Club“ jeden Monat ein Buch aus und stellt es über die Internetseite und die sozialen Medien des Klubs vor. Auf Instagram werden die Titel präsentiert, Autoren ins Rampenlicht gerückt und Leser zum Mitdiskutieren eingeladen.

Für junge Erwachsene gibt es eigene Empfehlungen, seit diesem Jahr außerdem „Sunnie Reads“, einen Buchklub für die Generation Z. Diese „Zoomer“ umfassen die Geburtsjahrgänge von 1995 bis 2010.

„Lesen bedeutet Gemeinschaft, Gespräch und die Freude an Geschichten“, macht Witherspoon deutlich. Sie empfiehlt nicht nur Bücher, sondern schreibt selbst welche. Gemeinsam mit dem Spezialisten für Thriller, Harlan Coben, verfasste sie „Ohne ein letztes Wort“ – der Roman wurde in den USA auf Anhieb zum Nummer-eins-Bestseller.
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Was lesen Sie am liebsten?

„Ich liebe vor allem Biografien“
Nicolas Wingert, 65, Pensionist


"Biografien sind für mich viel spannender als erfundene Geschichten, weil ich wissen will, wie Menschen wirklich gelebt haben.Wenn möglich, lese ich sie auf Englisch, also in der Originalsprache. Mein
absoluter Favorit ist Marilyn Monroe. Über sie habe ich inzwischen mehrere Bücher gelesen, aber die Biografie von Donald Spoto nehme ich immer wieder zur Hand.

Mich fasziniert der Mensch hinter dem Mythos. Bücher gehören für mich auch zu jedem Urlaub: Egal, ob London, Rom oder New York – ich muss sofort in Buchhandlungen und Bibliotheken schauen. Oft komme ich mit mehr Büchern nach Hause als mit Souvenirs.“

„Ich mag die Spannung in Thrillern“
Astrid Mayer, 28, Lehrerin


"Wenn ein Buch so spannend ist, dass ich es kaum aus der Hand legen kann, dann bin ich begeistert. Deshalb greife ich gern zu Thrillern und Krimis. Gerade lese ich ,Der Schneemann‘ von Jo Nesbø. Die düstere Stimmung und die unerwarteten Wendungen gefallen mir außerordentlich, weil ich ständig miträtseln kann.

Wie viel ich lese, hängt stark von meiner Zeit ab. Im Urlaub kann es passieren, dass ich ein ganzes Buch an einem Tag verschlinge, im Alltag lese ich manchmal wochenlang gar nichts. Im Jahr komme ich auf etwa 15 Bücher. Ein richtiges Buch mag ich, weil ich dabei vom Handy wegkomme und besser abschalten kann.“

„Ich mag Detektivgeschichten und Fantasy“
Georg Steininger, 11, Schüler


"Am liebsten lese ich Detektivgeschichten und Fantasy, weil ich Rätsel, Abenteuer und überraschende Wendungen mag. Gerade lese ich die Geschichte ,Die drei ??? und das Hexenhandy‘, in der drei Detektive einem rätselhaften Fall um verschwundene Kinder nachgehen.

Ich lese jeden Tag – am Wochenende oft drei bis vier Stunden. Im Jahr komme ich auf gut 100 Bücher. Nachschub habe ich genug. Meine Oma Cilli ist Bibliothekarin in der Pfarrbücherei und versorgt mich. Bei der Leseolympiade gewann ich mit zwei Mitschülern sogar den Bezirksbewerb.“

„Ich verliere mich in Kunstbüchern“
Felix Brandner, 24, Student


"Schon als kleiner Bub habe ich am liebsten die Kunstbücher meines Opas durchgeblättert. Diese großen Seiten mit Bildern und Gemälden haben mich damals schon fasziniert. Heute interessiere ich mich vor allem für Kunstgeschichte und verliere mich oft stundenlang in Bildbänden über Malerei, Fotografie oder Architektur.

Am Bildschirm schaue ich mir Kunst zwar auch an, aber ein Buch ist etwas ganz anderes. Dort sehe ich Details besser, kann hin- und herblättern und entdecke dabei oft Dinge, nach denen ich gar nicht gesucht habe. Viele meiner Kunstbücher kaufe ich gebraucht, weil neue Bildbände ziemlich teuer sein können.“

„Bei Liebesromanen werde ich schwach“
Katharina Hoffmann, 30, Angestellte


"Sobald ein neuer Liebesroman erscheint, der mich anspricht, muss ich ihn haben. Ich kann an Buchhandlungen kaum vorbeigehen, ohne zumindest hineinzuschauen – und meistens komme ich mit
einem neuen Roman wieder heraus. Mein absoluter Lieblingsroman ist ,Ein ganzes halbes Jahr‘ von Jojo Moyes.

Den habe ich schon mehrmals gelesen und weine trotzdem jedes Mal wieder. Ich liebe Geschichten, bei denen ich mitfiebern kann und das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Zwei bis drei Romane im Monat sind bei mir normal, im Urlaub oft deutlich mehr. Ein E-Reader ist praktisch, aber ein richtiges Buch fühlt sich einfach viel schöner an.“