Bauchfett ist eine unterschätzte Gefahr
Die schlanke Taille ist mehr als ein Schönheitsideal. Sie spiegelt ein geringes Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wider. Ärzte erklären, warum zu viel Fett im Bauch ein Problem sein kann.
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper und das zeigt sich häufig am Bauchumfang. Dafür gibt es verschiedene Gründe wie den langsamer werdenden Stoffwechsel, hormonelle Veränderungen etwa durch Stress oder durch die „Wechseljahre“, weniger (sportliche) Bewegung oder eine Ernährung, die zu viel Energie liefert.

Das mit den Jahren zunehmende Fettgewebe im Bauch bringt nicht nur Nachteile bei der Kleidergröße. Es kann langfristig die Gesundheit bedrohen und schwere
Erkrankungen begünstigen, zum Beispiel Krebs.

Generell wird zwischen zwei Fettdepot-Typen unterschieden, zwischen innerem (viszeralem) Bauchfett und Fettgewebe, das unter der Haut sitzt. Das Fettverteilungsmuster ist ein wichtiger Faktor für das Gesundheitsrisiko bei Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). Bei zu viel Bauchfett, dem für Männer typischen Fettverteilungstyp, erhöht sich das Risiko für ernsthafte Probleme wie Typ 2-Diabetes, Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mehrere bedeutende Krebsarten. „Bauchfett ist nicht nur böses Fett, es wird auch bevorzugt unter Stress gebildet“, sagt der Labordiagnostiker Dr. Harald Esterbauer von der Medizinischen Universität Wien.

Die Fetteinlagerungen im Bauch erhöhen das Krebsrisiko aus mehreren Gründen. Zum einen ist das Fettgewebe hormonell aktiv. Es produziert Fettgewebshormone, und es verändert die Sexualhormonspiegel, zum Beispiel durch vermehrte Umwandlung von Vorläufern des männlichen Sexualhormons Androgen zu Östrogen, dem weiblichen Sexualhormon. Diese Umwandlung fördert jedoch das Entstehen und Wachsen hormonabhängiger Tumoren wie manche Arten von Brustkrebs oder Krebs der Gebärmutterschleimhaut.

Zum anderen kommt es zur Zunahme der Insulinresistenz. Bei dieser Stoffwechselstörung reagieren die Körperzellen unempfindlicher gegenüber dem Hormon Insulin. Die Folge, der Körper schüttet noch mehr Insulin aus. „Das Problem ist, dass Insulin nicht nur den Stoffwechsel regelt. Es regelt auch als Wachstums-stimulierendes Hormon die Zellteilung. Das kann ein Tumorwachstum begünstigen“, erklärt Dr. Alexandra Kautzky-Willer, die auf das Hormonsystem und Stoffwechselkrankheiten spezialisierte Ärztin an der Medizinischen Universität Wien. „Wir sehen daher einen starken Zusammenhang zwischen Diabetes und bestimmten Krebserkrankungen, insbesondere der Leber und der Bauchspeicheldrüse. Auch hohe Blutzuckerspiegel scheinen das Tumorwachstum zu begünstigen.“ Ein weiterer Aspekt ist, dass es aufgrund des Bauchfetts zu anhaltenden chronisch-entzündlichen Prozessen kommt, die Krebs ebenfalls fördern können.

In einer weiteren Studie aus den USA konnte der Zusammenhang zwischen Bauchfett und dem Alzheimer-Risiko hergestellt werden. Die Studie ergab, dass bei Männern mittleren Alters, die selbst Kinder von Alzheimer-Patienten waren, eine erhöhte Menge an Fett im Bauchraum mit einem größeren Risiko für Alzheimer in Verbindung steht.

Zudem wurde beobachtet, dass ein höherer Fettanteil in der Bauchspeicheldrüse bei Männern zu geringeren kognitiven Leistungen wie Aufmerksamkeit, logisches Denken und Erinnerung sowie einem kleineren Gehirnvolumen führt. „Fett, das sich in der Bauchspeicheldrüse ansammelt, stört die Freisetzung bestimmter Stoffe, die eigentlich ins Gehirn gelangen sollten. Ein Schlüsselelement dabei ist Insulin, ein Hormon, das nur in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es spielt eine wichtige Rolle für die Funktion des Gehirns“, sagt Dr. Michal Schnaider Beeri, Studienautorin und Leiterin eines Alzheimer Forschungszentrums in New Brunswick (USA).

Wer wissen möchte, ob die eigene Leibesmitte noch gesund ist, misst einfach selbst nach. Der bekannte Body-Mass-Index, kurz BMI, gilt unter medizinischen Fachleuten nicht mehr so relevant, wie Dr. Kautzky-Willer erklärt. „Der BMI bezieht sich auf das Körpergewicht und die Körpergröße. Er unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. So kann ein Bodybuilder, der auf Grund der Muskelmasse schwer ist, aber kaum Fett hat, einen unerwünscht hohen BMI aufweisen. Der Umfang des Bauches in Zentimetern stellt dagegen einen viel zuverlässigeren Gradmesser für Übergewicht und Fettleibigkeit dar, weil mit ihm der Anteil des Fettgewebes gezielt ermittelt werden kann“ (siehe Kasten rechts).

Neue Studien, wie die des Deutschen Krebsforschungszentrums mit den Gesundheitsdaten von fast 460.000 Frauen und Männern, zeigen, dass rund zehn Prozent aller Krebserkrankungen auf Übergewicht zurückzuführen sind. Bisher waren die Forscher davon ausgegangen, dass dies auf zwei bis acht Prozent der Krebsfälle zutrifft.

Dass Bauchfett kein seltenes Phänomen ist, zeigen auch die Zahlen in unserem Land. Jeder zweite Erwachsene ist übergewichtig und jeder Sechste lebt mit der chronischen Erkrankung der Fettleibigkeit.


Der Taillenumfang und das Herz-Kreislauf-Risiko

Den Bauchumfang mit Maßband messen

Der Bauchumfang ist ein gutes Maß für das viszerale (an den Organen des Bauchraumes lagernde) Fett und steht im Zusammenhang mit der Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Gemessen wird im Stehen auf mittlerer Höhe zwischen unterem Rippenrand und Beckenkamm (Nabelhöhe wie im Bild unten). Für Frauen gilt ein Bauchumfang unter
80 Zentimetern (cm) als gesund. Ab 88 Zentimetern ist das Herz-Kreislauf-Risiko stark erhöht.

Bei Männern ist ein Bauchumfang von weniger als 94 cm normal, kritisch wird es bei mehr als 102 cm.

Das Taille-Hüft-Verhältnis ermitteln
Der Taillenumfang wird wie oben beschrieben gemessen (Nabelhöhe), der Hüftumfang an der breitesten Stelle des Gesäßes.

Die Formel lautet:
Taillenumfang (in cm) dividiert durch Hüftumfang (in cm).
Das Ergebnis sollte bei Frauen bei maximal 0,85
liegen, bei Männern bei maximal 0,9.
Der Wert zeigt gut an, wie das Körperfett verteilt ist. Eher am Bauch (= Apfeltyp): ungünstig. Eher an Hüften, Gesäß und Oberschenkeln (= Birnentyp): vergleichsweise geringes Herz-Kreislauf-Risiko.

Das Verhältnis von Taille zu Körpergröße
Das Taille-Größe-Verhältnis ist ein Maß für die
Fettverteilung und das gesundheitliche Risiko,
das den Taillenumfang durch die Körpergröße teilt.
Es wird berechnet, indem Sie den Taillenumfang (in cm) durch die Körpergröße (in cm) teilen.

Beispiel: Der Taillenumfang beträgt 85 cm und die
Körpergröße 170 cm. 85 cm : 170 cm = 0,5

Der Bauchumfang sollte weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Eine schwedische Untersuchung bestätigt, dass ein Wert ab 0,5 mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere Herzschwäche, verbunden ist.