12 Hinweise, dass Ihr Kind schlecht sieht
Ohne gutes Sehen gibt es kein gutes Lernen. Ob Lesen, von der Tafel abschreiben oder im Sportunterricht den Ball fangen – vom ersten Schultag an sind Kinderaugen gefordert.
Wie Eltern erkennen, dass ihr Kind schlecht sieht, verrät der Augenarzt Dr. Peter Reinelt.
Für Schulanfängerinnen und Schulanfänger beginnt im September ein neuer Lebensabschnitt. Damit steigen die Anforderungen an ihre Augen. Buchstaben müssen erkannt, Zeilen verfolgt, Bilder erfasst und Lernstoff von der Tafel ins Heft übertragen werden.

Gutes Sehen ist eine wesentliche Voraussetzung für konzentriertes und erfolgreiches Lernen. „Nicht immer fällt es Eltern rechtzeitig auf, wenn ihr Kind schlecht sieht“, verrät Prim. Dr. Peter Reinelt, Leiter der Augenabteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz. „Kinder können ihre Sehleistung meist nicht mit jener anderer vergleichen. Sie empfinden ihre Wahrnehmung als normal. Es ist daher von Bedeutung, dass Eltern vor Schulbeginn erkennen, welche Anzeichen auf Probleme mit dem Sehen hinweisen können.“

Die Folgen des schlechten Sehens für das Kind

Ein Kind, das nicht ausreichend scharf sieht, muss sich beim Lesen, Schreiben oder Abschreiben wesentlich stärker anstrengen. Das kann zu rascher Ermüdung, Konzentrationsproblemen oder Kopfschmerzen führen. „Mitunter entsteht der Eindruck, das Kind sei unaufmerksam oder habe Schwierigkeiten beim Lernen, obwohl die Ursache möglicherweise an den Augen liegt“, macht Dr. Reinelt aufmerksam.

Während Erwachsene Veränderungen ihrer Sehleistung meist rasch bemerken, fehlt Kindern diese Vergleichsmöglichkeit. Sie kennen die Welt nur so, wie sie diese selbst sehen. „Ein unscharfes Bild in der Ferne, Schwierigkeiten beim räumlichen Sehen oder ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Augen werden deshalb häufig nicht von den Kindern selbst angesprochen. Das gilt insbesondere dann, wenn nur ein Auge betroffen ist. Das besser sehende Auge kann die Schwäche des anderen teilweise ausgleichen, sodass die Einschränkung im Alltag zunächst kaum auffällt.“

Vor allem in den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Zusammenspiel zwischen Auge und Gehirn entscheidend weiter. „Wird eine relevante Fehlsichtigkeit oder ein Schielen zu spät erkannt, kann sich auf dem schwächeren Auge eine bleibende Sehschwäche entwickeln.“

Je früher eine Sehstörung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. „Kinderaugen sind keine kleinen Erwachsenenaugen. Sie befinden sich noch in der Entwicklung und bei bestimmten Erkrankungen oder Fehlsichtigkeiten spielt der Zeitpunkt der Behandlung eine entscheidende Rolle“, betont Primar Reinelt.

Freilich hat nicht jedes Kind, das beim Lesen müde wird oder einmal über Kopfweh klagt, automatisch ein Augenproblem. „Treten bestimmte Auffälligkeiten jedoch wiederholt auf, sollte die Sehleistung kontrolliert werden“, rät der Augenarzt.

Die Kurzsichtigkeit tritt am häufigsten auf

Eine der häufigsten Fehlsichtigkeiten bei Schulkindern ist die Kurzsichtigkeit, medizinisch Myopie genannt. „Betroffene Kinder sehen in der Nähe meist gut, weiter entfernte Gegenstände dagegen unscharf. Typisch ist etwa, dass die Schrift an der Tafel nicht mehr zuverlässig erkannt wird, während das Lesen im Heft problemlos möglich ist. Und Kurzsichtigkeit kann während des Wachstums fortschreiten.“

Neben der familiären Veranlagung werden intensive Naharbeit und wenige Aufenthalte im Freien als beeinflussbare Faktoren diskutiert. Eltern sollten deshalb nicht nur auf die reine Dauer der Bildschirmnutzung achten, sondern auch auf regelmäßige Unterbrechungen und einen Ausgleich im Freien. „Kinder sollten nicht stundenlang ohne Pause auf kurze Distanz schauen. Der regelmäßige Blick in die Ferne und ausreichend Bewegung bei Tageslicht entlasten die Augen.“

Wie der Lernplatz des Kindes „augenfreundlich“ wird

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes trägt dazu bei, die Augen beim Lernen zu entlasten. „Der Schreibtisch sollte gut und gleichmäßig beleuchtet sein. Tageslicht ist günstig, darf aber das Kind nicht blenden. Bei Rechtshändern sollte das Licht von links, bei Linkshändern von rechts kommen. So wirft die Schreibhand keinen störenden Schatten.“

Wichtig ist, dass bei Fehlsichtigkeit die Kinder ihre Brille konsequent so tragen, wie es augenärztlich empfohlen wurde. „Eine Brille macht die Augen nicht ,faul‘ und verschlechtert die Sehleistung nicht. Im Gegenteil, sie ermöglicht dem Kind, die vorhandene Sehfähigkeit bestmöglich zu nutzen und kann bei bestimmten Sehproblemen Teil einer notwendigen Behandlung sein.“

Eltern sollten also mit der Augen-Kontrolle ihres Kindes nicht warten, bis schulische Schwierigkeiten auftreten. Vor allem, wenn Fehlsichtigkeiten, Schielen oder bestimmte Augenerkrankungen in der Familie vorkommen, das Kind zu früh geboren wurde oder in jüngeren Jahren Auffälligkeiten festgestellt wurden.


Bei diesen Symptomen besser den Augenarzt aufsuchen:
  • Das Kind kneift beim Blick in die Ferne die Augen zusammen.
  • Es sitzt auffallend nahe vor dem Fernseher oder hält Bücher und Bilder dicht vor das Gesicht.
  • Es verliert beim Lesen häufig die Zeile oder fährt mit dem Finger unter den Wörtern mit.
  • Es verwechselt Buchstaben, lässt Wörter aus oder liest ungewöhnlich langsam.
  • Es klagt nach dem Lesen oder Schreiben über Kopfweh, brennende Augen oder starke Müdigkeit.
  • Es reibt sich häufig die Augen oder blinzelt auffallend oft.
  • Es hält den Kopf schief, dreht ihn beim Sehen zur Seite oder deckt unbewusst ein Auge ab.
  • Ein Auge weicht zeitweise oder dauerhaft von der geraden Blickrichtung ab.
  • Das Kind stößt häufig an Gegenstände, verschätzt sich bei Abständen oder hat Schwierigkeiten beim Fangen eines Balls.
  • Die schulische Leistung oder Konzentration verschlechtert sich ohne erkennbare Ursache.
  • Das Kind hat eine erhöhte Lichtempfindlichkeit.
  • Die Augen sind häufig gerötet, tränen oder sind wiederkehrend entzündet.