Wassermangel: Gemeinden erstellen Notfall-Pläne
Weil sich die Wasserspeicher aufgrund des fehlenden Regens immer weiter leeren, erstellen Gemeinden Notfall-Pläne. Die gehen über Appelle zum Wassersparen weit hinaus. Sogar Abschaltungen der Wasserversorgung werden überlegt und hohe Strafen angedroht.
Nur noch zehn Zentimeter hoch steht das Trinkwasser in den Sammelbecken von Pöggstall (NÖ). Für den
Bürgermeister Helmut Hahn (ÖVP) ist damit klar, viel fehlt nicht mehr zum Notfall.
Während der ersten Hitzewelle im Juni mit Temperaturen bis 38 Grad war der Wasserverbrauch in der rund 2.400 Einwohner zählenden Gemeinde stark angestiegen. Abends waren Rasensprenger und Gartenschläuche zum Bewässern aufgedreht, gleichzeitig wurden private Schwimmbecken nachgefüllt. Hahn appellierte über WhatsApp, in amtlichen Mitteilungen und persönlichen Gesprächen an die Bevölkerung. Gemeinderäte gingen schließlich sogar mit Flugblättern von Haus zu Haus. „Ich habe der Bevölkerung gesagt: Wenn es so weitergeht, müssen wir in der Nacht das Wasser abdrehen“, erzählt Hahn. Zwischen 23 und 4 Uhr wäre dann die Versorgung unterbrochen.
Normalerweise verbraucht Pöggstall tagsüber rund 4,5 Liter Wasser pro Sekunde, nachts etwa 2,5 Liter. Während der heißen Tage stieg der Verbrauch auf 6,5 Liter tagsüber und 4,5 Liter in der Nacht. Dabei sollten sich gerade nachts die Speicher wieder füllen.
Die zwölf Quellen der Gemeinde liefern zusammen rund 518 Kubikmeter am Tag, gleichzeitig wurden aber 510 Kubikmeter verbraucht. Viel Spielraum blieb damit nicht mehr. Wären die Reserven aufgebraucht gewesen, hätte der Notfall-Plan gegriffen. Wasser hätte aus anderen Gemeinden zugeführt werden müssen. Bis die Trinkwasserqualität durch entsprechende Untersuchungen bestätigt worden wäre, hätte das Wasser zum Trinken und Kochen vorsorglich abgekocht werden müssen. „Das wollte ich meiner Gemeinde ersparen“, so der Ortschef, dem vor allem die privaten Schwimmbecken Sorgen bereiten.
Etwa 150 Pools gibt es im Versorgungsgebiet. Bei durchschnittlich 15 Kubikmetern Inhalt stecken darin mehr als zwei Millionen Liter Wasser. Dabei sei nicht einmal die erste Befüllung das größte Problem. „Das Nachfüllen ist es“, sagt Hahn. Wenn viele Besitzer an heißen Tagen gleichzeitig Wasser nachfüllen, summieren sich selbst kleinere Mengen rasch.
Die Warnungen zeigten schließlich Wirkung. Bereits nach kurzer Zeit sank der Verbrauch deutlich. Das Wasser musste in Pöggstall bislang kein einziges Mal abgedreht werden. Für Hahn bleibt trotzdem eine Lehre: „Wir müssen beim Trinkwasser zu einem anderen Denken kommen.“ Hochwertiges Trinkwasser werde noch immer verwendet, wofür auch Brauch- oder Regenwasser reichen würde.
Deshalb leiden viele Gemeinden an Wasserknappheit. In Traunkirchen (OÖ) reichen die eigenen Quellen derzeit nicht mehr aus. Gut die Hälfte des benötigten Trinkwassers kommt bereits aus der Nachbargemeinde Altmünster. Zusätzlich soll ein neuer Hochbehälter mit 2.000 Kubikmetern Fassungsvermögen künftig größere Reserven schaffen. Bis sich die Lage nachhaltig entspannt, braucht es nach Einschätzung von Experten allerdings nicht ein paar Gewitter, sondern rund zwei Wochen ergiebigen Regen.
In Grieskirchen (OÖ) wird inzwischen auf Verbote gesetzt. Der Wasserverbrauch war an Spitzentagen um 30 bis 50 Prozent auf rund 1.600 Kubikmeter gestiegen. Schwimmbecken neu befüllen, den Rasen sprengen oder zuhause das Auto waschen, ist deshalb untersagt.
Gemüse und Balkonpflanzen dürfen nur zwischen 20 und 6 Uhr händisch gegossen werden.
„Wir müssen leider streng sein“, sagt Bürgermeisterin Maria Pachner (ÖVP). Wer gegen die Verordnung verstößt, riskiert eine Anzeige und bis zu 1.000 Euro Strafe.
Noch höher sind die Strafen in Köttmannsdorf (K). Bis zu 2.180 Euro können fällig werden, wenn etwa Schwimmbecken mit Trinkwasser gefüllt, Rasenflächen bewässert oder Autos gewaschen werden. Die Gemeinde warnt derzeit eindringlich. „Nur wenn sich die Bevölkerung an die Sparmaßnahmen hält, kann die Trinkwasserversorgung weiterhin gesichert werden.“ Auch in Stall im Mölltal (K) wurde es bereits eng. Die Hochbehälter fassen rund 200 Kubikmeter Wasser. Zeitweise waren rund 80 Prozent der Reserven verbraucht – und auffällig viel Wasser floss sogar nachts, durch automatische Rasensprenger und das Nachfüllen von Pools. „Wenn das Wasser knapp wird, gibt es auch kein Wasser an den Hydranten, um Feuer zu löschen“, warnt Hans Prentner von der Wassergenossenschaft. Als letzte Konsequenz wurde sogar eine stundenweise Abschaltung der Wasserversorgung überlegt. Dazu kam es bisher aber nicht.
Nach Angaben von Greenpeace fließen jährlich rund 16 Millionen Kubikmeter Wasser in private Schwimmbecken. Zum Vergleich: Allein voestalpine Stahl Linz, OMV Raffinerie Schwechat und Lenzing entnehmen zusammen rund 51 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr – mehr als dreimal so viel.
Trotz regionaler Engpässe sieht das zuständige Ministerium die Trinkwasserversorgung in unserem Land grundsätzlich als gesichert an. morri
Bürgermeister Helmut Hahn (ÖVP) ist damit klar, viel fehlt nicht mehr zum Notfall.
Während der ersten Hitzewelle im Juni mit Temperaturen bis 38 Grad war der Wasserverbrauch in der rund 2.400 Einwohner zählenden Gemeinde stark angestiegen. Abends waren Rasensprenger und Gartenschläuche zum Bewässern aufgedreht, gleichzeitig wurden private Schwimmbecken nachgefüllt. Hahn appellierte über WhatsApp, in amtlichen Mitteilungen und persönlichen Gesprächen an die Bevölkerung. Gemeinderäte gingen schließlich sogar mit Flugblättern von Haus zu Haus. „Ich habe der Bevölkerung gesagt: Wenn es so weitergeht, müssen wir in der Nacht das Wasser abdrehen“, erzählt Hahn. Zwischen 23 und 4 Uhr wäre dann die Versorgung unterbrochen.
Normalerweise verbraucht Pöggstall tagsüber rund 4,5 Liter Wasser pro Sekunde, nachts etwa 2,5 Liter. Während der heißen Tage stieg der Verbrauch auf 6,5 Liter tagsüber und 4,5 Liter in der Nacht. Dabei sollten sich gerade nachts die Speicher wieder füllen.
Die zwölf Quellen der Gemeinde liefern zusammen rund 518 Kubikmeter am Tag, gleichzeitig wurden aber 510 Kubikmeter verbraucht. Viel Spielraum blieb damit nicht mehr. Wären die Reserven aufgebraucht gewesen, hätte der Notfall-Plan gegriffen. Wasser hätte aus anderen Gemeinden zugeführt werden müssen. Bis die Trinkwasserqualität durch entsprechende Untersuchungen bestätigt worden wäre, hätte das Wasser zum Trinken und Kochen vorsorglich abgekocht werden müssen. „Das wollte ich meiner Gemeinde ersparen“, so der Ortschef, dem vor allem die privaten Schwimmbecken Sorgen bereiten.
Etwa 150 Pools gibt es im Versorgungsgebiet. Bei durchschnittlich 15 Kubikmetern Inhalt stecken darin mehr als zwei Millionen Liter Wasser. Dabei sei nicht einmal die erste Befüllung das größte Problem. „Das Nachfüllen ist es“, sagt Hahn. Wenn viele Besitzer an heißen Tagen gleichzeitig Wasser nachfüllen, summieren sich selbst kleinere Mengen rasch.
Die Warnungen zeigten schließlich Wirkung. Bereits nach kurzer Zeit sank der Verbrauch deutlich. Das Wasser musste in Pöggstall bislang kein einziges Mal abgedreht werden. Für Hahn bleibt trotzdem eine Lehre: „Wir müssen beim Trinkwasser zu einem anderen Denken kommen.“ Hochwertiges Trinkwasser werde noch immer verwendet, wofür auch Brauch- oder Regenwasser reichen würde.
Deshalb leiden viele Gemeinden an Wasserknappheit. In Traunkirchen (OÖ) reichen die eigenen Quellen derzeit nicht mehr aus. Gut die Hälfte des benötigten Trinkwassers kommt bereits aus der Nachbargemeinde Altmünster. Zusätzlich soll ein neuer Hochbehälter mit 2.000 Kubikmetern Fassungsvermögen künftig größere Reserven schaffen. Bis sich die Lage nachhaltig entspannt, braucht es nach Einschätzung von Experten allerdings nicht ein paar Gewitter, sondern rund zwei Wochen ergiebigen Regen.
In Grieskirchen (OÖ) wird inzwischen auf Verbote gesetzt. Der Wasserverbrauch war an Spitzentagen um 30 bis 50 Prozent auf rund 1.600 Kubikmeter gestiegen. Schwimmbecken neu befüllen, den Rasen sprengen oder zuhause das Auto waschen, ist deshalb untersagt.
Gemüse und Balkonpflanzen dürfen nur zwischen 20 und 6 Uhr händisch gegossen werden.
„Wir müssen leider streng sein“, sagt Bürgermeisterin Maria Pachner (ÖVP). Wer gegen die Verordnung verstößt, riskiert eine Anzeige und bis zu 1.000 Euro Strafe.
Noch höher sind die Strafen in Köttmannsdorf (K). Bis zu 2.180 Euro können fällig werden, wenn etwa Schwimmbecken mit Trinkwasser gefüllt, Rasenflächen bewässert oder Autos gewaschen werden. Die Gemeinde warnt derzeit eindringlich. „Nur wenn sich die Bevölkerung an die Sparmaßnahmen hält, kann die Trinkwasserversorgung weiterhin gesichert werden.“ Auch in Stall im Mölltal (K) wurde es bereits eng. Die Hochbehälter fassen rund 200 Kubikmeter Wasser. Zeitweise waren rund 80 Prozent der Reserven verbraucht – und auffällig viel Wasser floss sogar nachts, durch automatische Rasensprenger und das Nachfüllen von Pools. „Wenn das Wasser knapp wird, gibt es auch kein Wasser an den Hydranten, um Feuer zu löschen“, warnt Hans Prentner von der Wassergenossenschaft. Als letzte Konsequenz wurde sogar eine stundenweise Abschaltung der Wasserversorgung überlegt. Dazu kam es bisher aber nicht.
Nach Angaben von Greenpeace fließen jährlich rund 16 Millionen Kubikmeter Wasser in private Schwimmbecken. Zum Vergleich: Allein voestalpine Stahl Linz, OMV Raffinerie Schwechat und Lenzing entnehmen zusammen rund 51 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr – mehr als dreimal so viel.
Trotz regionaler Engpässe sieht das zuständige Ministerium die Trinkwasserversorgung in unserem Land grundsätzlich als gesichert an. morri








