Stark wie ein Felsen, sanft wie ein Lamm
Als „The Rock“ wurde er zur „Wrestling“-Legende, heute gehört Dwayne Johnson zu den bekanntesten Schauspielern Hollywoods. Derzeit ist der 54jährige als Halbgott Maui in dem Disney-Film „Vaiana“ im Kino zu sehen. Seine wichtigste Rolle aber spielt er zu Hause – als Papa mit Leib und Seele.
Barfuß und in traditioneller polynesischer Kleidung tanzte Dwayne Johnson, 54, bei der Premiere von „Vaiana“ (englischer Originaltitel „Moana“) Anfang Juli in Los Angeles (USA). Der Hollywood-Schauspieler, der in dem Disney-Abenteuer den Halbgott Maui verkörpert, verbindet mit der Figur auch seine eigenen Wurzeln. „Es ist das erste Mal, dass unsere polynesische Kultur in diesem Ausmaß präsentiert wird“, freute sich Johnson.

Begleitet wurde der 54jährige von seiner Frau Lauren Hashian, 41, und seinen Töchtern Simone, 24, Jasmine, 10, und Tiana, 8. Der gemeinsame Auftritt auf dem roten Teppich zeigte, welchen hohen Stellenwert seine Familie für den Schauspieler hat. „Vater zu sein, bedeutet mir mehr als alles andere. Es ist der beste ,Job‘, den ich je hatte“, bekennt der Hollywood-Hüne. Er sei da, um seine Kinder zu unterstützen, auch wenn einmal etwas schiefgeht. „Diese Beziehung ist keine Einbahnstraße, sondern von gegenseitiger Offenheit geprägt.“

Wie sehr der Schauspieler in seiner Vaterrolle aufgeht, zeigen die vielen Bilder und Videos, die er in den sozialen Medien teilt. Ob beim Spielen, Schminken oder einem gemeinsamen Angelausflug mit seinen beiden jüngsten Töchtern, seinen „zwei Tornados“, wie er sie liebvoll nennt – Johnson nimmt sich bewusst Zeit für seine Kinder.

Bei seiner ältesten Tochter Simone, die aus seiner ersten Ehe mit der Filmproduzentin Dany Garcia stammt, war das noch anders. Seine Filmkarriere stand erst am Anfang. „Ich wurde mit 29 Jahren Vater, zu einem Zeitpunkt, als ich

gerade versuchte, mich selbst zu verstehen. Damals wusste ich nicht, wie ich diese Rolle ausfüllen soll. Wir sind einfach zusammen aufgewachsen“, sagt Johnson rückblickend über die ersten Jahre mit seiner Ältesten.

Heute setzt der Schauspieler andere Prioritäten, denn er möchte seinen drei Töchtern das Gefühl geben, dass sie immer auf ihn zählen können. Etwas, das der am 2. Mai 1972 in der kalifornischen Stadt Hayward (USA) geborene Dwayne Douglas Johnson in der eigenen Kindheit vermisste.

Seine auf Hawaii geborene Mutter Ata Johnson, 77, entstammt einer bekannten samoanischen „Wrestling“-Familie, sein Vater war der afrokanadische Profi-Wrestler Rocky Johnson (1944–2020). Aus dessen erster Ehe stammen Dwayne Johnsons ältere Halbgeschwister Curtis und Wanda Bowles. Außerdem soll sein Vater in den 1960er Jahren mindestens fünf weitere Kinder mit fünf verschiedenen Frauen gezeugt haben.

Johnsons Eltern heirateten erst 1978 und er blieb das einzige Kind aus dieser Ehe. „Ich hatte eine schwierige Beziehung zu meinem Vater, der selbst eine schwere Kindheit hatte. Er hat mich halt so geliebt, wie er dazu fähig war.“

Über die Mutter sagt er, sie habe sich „um die Disziplin in unserer Familie gekümmert und ich habe mehr als einmal ihren Gürtel auf meinem Hintern gespürt. Ich habe es auch verdient“, glaubt er. Seine Kindheit verbrachte er größtenteils auf dem Rücksitz eines Autos, „während wir von Stadt zu Stadt fuhren, weil mein Vater mit den Wrestlern unterwegs war.“

Ein Gefühl von Beständigkeit kannte Johnson als Kind kaum. Die häufigen Umzüge machten es unmöglich, Wurzeln zu schlagen oder dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Bis er auf die „Highschool“ kam, hatte er bereits in 13 verschiedenen Bundesstaaten gelebt.

Auch seine schulischen Leistungen litten unter dem Nomadenleben. Weil sein Vater kaum zu Hause war, fand er schließlich Halt bei seinem Großvater mütterlicherseits, dem Profi-Wrestler Peter „High Chief“ Maivia. Gemeinsam mit seiner Mutter lebte er eine Zeitlang bei dessen Familie in Neuseeland. „Wir wohnten mit meinen Großeltern, Brüdern und Schwestern, Tanten und Onkeln – einfach mit allen zusammen“, erinnert sich Johnson. Eine Erfahrung, die ihn nachhaltig prägte.

Mit 14 Jahren zog er dann, gemeinsam mit seiner Mutter, zurück nach Hawaii. „Ich war ein wütender Teenager“, weiß er heute. „Ich mochte es nicht, dass sich meine Eltern stritten, dass mein Vater ständig unterwegs war und nicht viel Geld verdiente. Es war hart und ich geriet oft in Schlägereien.“ Immer häufiger kam er mit dem Gesetz in Konflikt und fing sogar an zu stehlen. Bis zu seinem 17. Lebensjahr wurde er neun Mal verhaftet.

Trotzdem schaffte er 1990 seinen Abschluss und studierte anschließend an der Miami Universität Kriminologie und Psychologie. Als Spieler des Uni-Football-Teams gewann er 1991 die Nationale Meisterschaft. Mehrere Knie-Verletzungen ließen seinen Traum von einer Profi-Football-Karriere aber schnell platzen.

„Ich wollte gar nichts mehr tun, habe ständig geweint. Irgendwann kommst du an einen Punkt, an dem du völlig erschöpft bist.“ Seine Verzweiflung sei zugleich ein Wendepunkt gewesen, sagt er. „Das Fitnessstudio wurde zu meinem besten Freund. Das Einzige, was ich konnte, war zu trainieren und meinen Körper aufzubauen. Die erfolgreichen Männer, die ich kannte, waren Männer mit mächtigen Körpern.“ Also beschloss der damals 24jährige, in die sportlichen Fußstapfen des Vaters und des Großvaters zu treten.

Unter seinem Ringnamen „The Rock“ (der Felsen) feierte er große Erfolge und wurde zu einem der bekanntesten Wrestler seiner Generation. Sein imposanter Körperbau – Johnson ist 196 Zentimeter groß und wog zu Wettkampfzeiten rund 125 Kilo – wurde zu seinem Markenzeichen. Um mehr Muskelmasse aufzubauen, folgte er einem strengen Trainings- und Ernährungsplan. „Ich nahm täglich bis zu 5.000 Kalorien zu mir“, erzählt er.

Neben seiner Statur ist es auch sein großflächiges polynesisches Tattoo, das in unverkennbar macht. „Es wurde nach traditioneller samoanischer Art in mehr als 60 Stunden gestochen und symbolisiert die Geschichte meiner Vorfahren und meiner Kultur. Die Tätowierung steht für all die Dinge, die mir etwas bedeuten, die ich liebe und die mich tief in meinem Herzen berühren.“

Anfang der 2000er Jahre wagte Johnson dann den Sprung nach Hollywood. Nach ersten kleinen Rollen gelang ihm 2001 mit „Die Mumie kehrt zurück“ der Durchbruch. Bereits ein Jahr später übernahm er die Hauptrolle in „The Scorpion King“. Es folgten zunächst vor allem Actionfilme, bevor er mit Komödien und Familienfilmen, etwa „Jumanji“, zeigte, dass er weit mehr konnte, als nur den harten Helden zu spielen.

Privat fand Johnson sein Glück erst im zweiten Anlauf. Nach der Scheidung von seiner Jugendliebe Dany Garcia im Jahr 2007 kam er mit der Sängerin Lauren Hashian zusammen. 2019 heiratete er die Mutter seiner beiden jüngsten Töchter auf Hawaii. „Wir haben es geheimgehalten. Privat, das war perfekt.“ Im selben Jahr hat er auch seine Wrestler-Karriere offiziell beendet.

Heute gehört Dwayne Johnson zu den erfolgreichsten Schauspielern Hollywoods und mit einem Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro auch zu den reichsten. Trotzdem zählen für ihn weder Luxus noch Ruhm, sondern einzig seine Familie. Dass ihm „das Universum oder Gott drei Mädchen geschenkt hat, hat sich als das Größte herausgestellt, was mir je passiert ist. Wenn ich sie ansehe, wird mir klar: das ist es, worum es eigentlich geht im Leben.“ rz