Den 90. Geburtstag am Gipfel des Kilimandscharo gefeiert
Der Amerikaner Art Ulene feierte am 13. Juli im Kreise von Trägern und Bergführern seinen 90. Geburtstag – am selben Tag, an dem er den Kilimandscharo erklommen hat.
Der pensionierte Arzt hat damit den Weltrekord gebrochen. Nach dem Motto „Alter ist nur eine Zahl“ will er andere Menschen inspirieren und Vorbild sein.
Der pensionierte Arzt hat damit den Weltrekord gebrochen. Nach dem Motto „Alter ist nur eine Zahl“ will er andere Menschen inspirieren und Vorbild sein.
Die Geburtstagstorte war gefroren. Einer der Träger holte einen winzigen Campingkocher hervor, stellte ihn vorsichtig in den eisigen Wind und wartete, bis die Glasur langsam weich wurde. Auf 5.895 Metern Höhe glühten die Gletscher des Kilimandscharo in Tansania im ersten Sonnenlicht. Die Luft war dünn, jeder Atemzug kostete Kraft.
Da stimmten 22 Männer ein Geburtstagslied auf Suaheli an. Sie klatschten, tanzten und lachten. In ihrer Mitte saß ein Mann mit schneeweißem Haar und Tränen in den Augen. „Babu“, Großvater, nannten sie ihn.
Art Ulene blies die Kerzen aus. Am Montag, dem 13. Juli, feierte er am „Dach Afrikas“ seinen 90. Geburtstag und stellte einen Weltrekord auf.
Ulene war, laut tansanischer Nationalparkbehörde, offiziell der älteste Mensch auf dem Uhuru-Gipfel.
Bisherige Rekordhalterin war die amerikanische Bergsteigerin Anne Lorimor, die 2019 mit 89 Jahren den Gipfel erreichte.
Der wichtigste Gedanke bei Ulenes Geburtstagsfeier war gleichzeitig seine Botschaft an die Welt. „Älterwerden ist keine Zeit des Verfalls, es ist eine Zeit des Wachstums.“
Dieser Satz begleitet ihn seit Jahren, er ist sein Trainingsplan, seine Lebensphilosophie und sein Antrieb. Der pensionierte Gynäkologe aus Los Angeles (USA) wusste, dass viele Menschen seinen Entschluss für verrückt halten würden.
Doch für ihn fühlte sich nicht der Berg waghalsig an, sondern die Vorstellung, irgendwann „aufzuhören, das Leben zu leben. Ich habe voriges Jahr eine neue Hüfte bekommen. Noch aus dem Spital rief ich den Führer an und bestätigte die geplante Gipfelstürmung.“
Dabei versicherte er seiner Familie, in „Topform“ zu sein. „Ich rauche und trinke nicht, klettere drei Mal in der Woche 50 Stockwerke die Stiegen hinauf und hebe Gewichte.“
Er lehnt die weitverbreitete Meinung ab, Altern bedeute Schwachwerden, Niedergang und Verzagen. Seine Motivation hatte daher zweierlei Gründe. „Einerseits wollte ich es für mich selbst tun. Andererseits wollte ich den Menschen zeigen, was selbst im hohen Alter noch möglich ist sowie sie inspirieren und ein Vorbild sein.“
Dabei entdeckte Ulene die Berge erstaunlich spät. Erst seine Frau Priscilla, 80, machte ihn zum Bergwanderer. „Sie war eine erfahrene Schifahrerin und steckte mich mit ihrer Begeisterung für die Berge an.“
Gemeinsam erklommen sie Gipfel in Südamerika und wanderten durch Neuseeland. Den Kilimandscharo bestieg Ulene erstmals 2011, später noch einmal 2017, ebenfalls mit seiner Frau. Bei einem dritten Versuch im Jahr 2022, mit seinem Enkerl, scheiterte er allerdings.
Die Höhenkrankheit zwang ihn zur Umkehr, auf etwa 5.200 Metern war Schluss. „Obwohl der Kilimandscharo keine technisch anspruchsvolle Besteigung ist, stellt er aufgrund seiner Höhe und des Sauerstoffmangels eine große Herausforderung dar“, erinnert er sich zurück.
Nicht weiterzugehen, sein Ego zu überwinden, sei damals die schwierigste Entscheidung gewesen.
Der erneute, vierte Anlauf verlangte deshalb umso mehr Geduld und Ausdauer. Ulene musste das Tempo bewusst drosseln. Alle sechzig Minuten wurde ein kleiner Sessel für ihn aufgebaut, auf dem er Pause machte. Schritt für Schritt kämpfte er sich bis ganz nach oben.
Insgesamt 15 Tage dauerte die Tour, elf Tage für den Aufstieg über unwegsames und felsiges Gelände, vier Tage für den Abstieg.
„Wie haben Sie das in Ihrem Alter geschafft?“, wurde er später von einem Journalisten gefragt. In seiner Antwort schwang Humor und Bescheidenheit mit. „Ich habe den linken Fuß nach vorne gesetzt. Dann den rechten. Und das ungefähr 55.000 Mal wiederholt.“
An seinem Geburtstag stand er um zwei Uhr in der Früh im Barafu-Lager auf, um die Sonne aufgehen zu sehen. Als sie schließlich über den Kraterrand stieg, war er zu Tränen gerührt. „Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte ich mir niemals wünschen können.“ Für einen Moment spielte der Gipfel, der Rekord, das Alter oder die Schlagzeilen, die folgen würden, überhaupt keine Rolle mehr. Für Ulene zählte nur der Augenblick.
Und er zählt bereits weiter, denn den „Einser vorne“ möchte er schaffen.
„Berge sind eine Metapher, sie haben Gipfel und Täler“, sagt er. „Genauso ist es im Leben. Es gibt Höhen und Tiefen. Wir sollten uns nicht davor scheuen, unsere eigenen, ganz persönlichen Berge zu erklimmen.“
Schuh
Da stimmten 22 Männer ein Geburtstagslied auf Suaheli an. Sie klatschten, tanzten und lachten. In ihrer Mitte saß ein Mann mit schneeweißem Haar und Tränen in den Augen. „Babu“, Großvater, nannten sie ihn.
Art Ulene blies die Kerzen aus. Am Montag, dem 13. Juli, feierte er am „Dach Afrikas“ seinen 90. Geburtstag und stellte einen Weltrekord auf.
Ulene war, laut tansanischer Nationalparkbehörde, offiziell der älteste Mensch auf dem Uhuru-Gipfel.
Bisherige Rekordhalterin war die amerikanische Bergsteigerin Anne Lorimor, die 2019 mit 89 Jahren den Gipfel erreichte.
Der wichtigste Gedanke bei Ulenes Geburtstagsfeier war gleichzeitig seine Botschaft an die Welt. „Älterwerden ist keine Zeit des Verfalls, es ist eine Zeit des Wachstums.“
Dieser Satz begleitet ihn seit Jahren, er ist sein Trainingsplan, seine Lebensphilosophie und sein Antrieb. Der pensionierte Gynäkologe aus Los Angeles (USA) wusste, dass viele Menschen seinen Entschluss für verrückt halten würden.
Doch für ihn fühlte sich nicht der Berg waghalsig an, sondern die Vorstellung, irgendwann „aufzuhören, das Leben zu leben. Ich habe voriges Jahr eine neue Hüfte bekommen. Noch aus dem Spital rief ich den Führer an und bestätigte die geplante Gipfelstürmung.“
Dabei versicherte er seiner Familie, in „Topform“ zu sein. „Ich rauche und trinke nicht, klettere drei Mal in der Woche 50 Stockwerke die Stiegen hinauf und hebe Gewichte.“
Er lehnt die weitverbreitete Meinung ab, Altern bedeute Schwachwerden, Niedergang und Verzagen. Seine Motivation hatte daher zweierlei Gründe. „Einerseits wollte ich es für mich selbst tun. Andererseits wollte ich den Menschen zeigen, was selbst im hohen Alter noch möglich ist sowie sie inspirieren und ein Vorbild sein.“
Dabei entdeckte Ulene die Berge erstaunlich spät. Erst seine Frau Priscilla, 80, machte ihn zum Bergwanderer. „Sie war eine erfahrene Schifahrerin und steckte mich mit ihrer Begeisterung für die Berge an.“
Gemeinsam erklommen sie Gipfel in Südamerika und wanderten durch Neuseeland. Den Kilimandscharo bestieg Ulene erstmals 2011, später noch einmal 2017, ebenfalls mit seiner Frau. Bei einem dritten Versuch im Jahr 2022, mit seinem Enkerl, scheiterte er allerdings.
Die Höhenkrankheit zwang ihn zur Umkehr, auf etwa 5.200 Metern war Schluss. „Obwohl der Kilimandscharo keine technisch anspruchsvolle Besteigung ist, stellt er aufgrund seiner Höhe und des Sauerstoffmangels eine große Herausforderung dar“, erinnert er sich zurück.
Nicht weiterzugehen, sein Ego zu überwinden, sei damals die schwierigste Entscheidung gewesen.
Der erneute, vierte Anlauf verlangte deshalb umso mehr Geduld und Ausdauer. Ulene musste das Tempo bewusst drosseln. Alle sechzig Minuten wurde ein kleiner Sessel für ihn aufgebaut, auf dem er Pause machte. Schritt für Schritt kämpfte er sich bis ganz nach oben.
Insgesamt 15 Tage dauerte die Tour, elf Tage für den Aufstieg über unwegsames und felsiges Gelände, vier Tage für den Abstieg.
„Wie haben Sie das in Ihrem Alter geschafft?“, wurde er später von einem Journalisten gefragt. In seiner Antwort schwang Humor und Bescheidenheit mit. „Ich habe den linken Fuß nach vorne gesetzt. Dann den rechten. Und das ungefähr 55.000 Mal wiederholt.“
An seinem Geburtstag stand er um zwei Uhr in der Früh im Barafu-Lager auf, um die Sonne aufgehen zu sehen. Als sie schließlich über den Kraterrand stieg, war er zu Tränen gerührt. „Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte ich mir niemals wünschen können.“ Für einen Moment spielte der Gipfel, der Rekord, das Alter oder die Schlagzeilen, die folgen würden, überhaupt keine Rolle mehr. Für Ulene zählte nur der Augenblick.
Und er zählt bereits weiter, denn den „Einser vorne“ möchte er schaffen.
„Berge sind eine Metapher, sie haben Gipfel und Täler“, sagt er. „Genauso ist es im Leben. Es gibt Höhen und Tiefen. Wir sollten uns nicht davor scheuen, unsere eigenen, ganz persönlichen Berge zu erklimmen.“
Schuh








